Roter Löwe (Verein)

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1907/1908: Wappen des Wappenvereins Roter Löwe, Leipzig

Der Rote Löwe war ein heraldischer Verein, der sich der „Geschichte und geschichtliche Hilfswissenschaft“ widmete.[1]

Geschichte

Der Verein Roter Löwe wurde am 30. Dezember 1875 von den drei Schülern des Zwickauer Gymnasiums P. B. Ullrich (†1898), O. Schmidt und G. Herold gegründet. Diese beschlossen, „vereint das Studium der Wappenkunde und alles dessen, was ihr verwandt ist, zu pflegen“[1] und gaben dem Verein den Namen „Heraldischer Verein Roter Löwe in Zwickau“. Der Verein legte heraldische Sammlungen an und stellte die Arbeiten für seine Mitglieder handschriftlich in einem Jahrbuch zusammen, das zum ersten Mal 1877 erschien.[1]

Der Sitz des Roten Löwen wurde am 1. Juni 1880 nach Leipzig verlegt, weil viele Vereinsmitglieder mittlerweile das Studium an der Universität Leipzig aufgenommen hatten. Die Sitzänderung führte zur Namensänderung. Man gab sich den Namen „Verein für geschichtliche Hilfswissenschaften an der Universität Leipzig Roter Löwe“.[1] Der Zwickauer Verein wurde abgewickelt, die Ehrenmitglieder in den neuen Leipziger Verein übernommen.

1881 trugen die Vorstandsvorsitzenden zum ersten Mal mit Schärpen und traten korporativ auf. Der Vereinstätigkeiten wurden sukzessive erweitert und der Rote Löwe entwickelte sich zu einer schlagenden, studentischen Verbindung, die sich auch der Kunst- und Kulturgeschichte sowie der allgemeinen Geschichte zuwandte. Folgerichtig änderte der Verein 1886 seinen Namen erneut ab und nannte sich: „Verein für Geschichte und geschichtliche Hilfswissenschaften an der Universität Leipzig Roter Löwe“.

Von 1886 bis 1919 blieb er in dieser Form bestehen.[2] In den Jahren 1900/1901 hatte er 127 Mitglieder (inklusive der Alten Herren, Ehren- und außerordentliche Mitglieder). Im Jahre 1926 etablierte sich der Rote Löwe als Freie Burschenschaft und 1928 trat der Verein in dem reformstudentischen Allgemeinen Deutschen BurschenbundW-Logo.png (ADB) bei. Nicht ganz ein Jahr nach MachtergreifungW-Logo.png konnte sich der Rote Löwe der Gleichschaltung nicht mehr entziehen ging im Dezember 1933 durch Zusammenschluss in der Burschenschaft Suevia auf, die sich ihrerseits 1936 auflöste, als der Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund (NSDStB) allen Studentenverbindungen die Anerkennung entzog.

Mitglieder, Ehren- und Außerordentliche Mitglieder (Auswahl)

Der Rote Löwe fand während seines Bestehens Anerkennung, Unterstützung und Förderung durch namhafte Heraldiker, Genealogen, Historiker, Wissenschaftler und Leipziger Professoren. Diese standen teils als Mitglieder, teils als Ehren- oder außerordentliche Mitglieder oder in anderer Form dem Verein nahe. 1889 rief man ein Alt-Herren-Ausschuß ins Leben. Zu den „Freunden“ des Roten Löwen zählten zum Beispiel: Adolf Matthias Hildebrandt, Maximilian Gritzner, Moritz Maria Weittenhiller, Friedrich ZarnckeW-Logo.png, Maurenbrecher, Arndt, der Geh. Medizinalrat Schmidt, Alexander Frhr. von Dachenhausen, Hermann von Goeckingk, Richard Béringuier, Dr. Lamprecht, Gerhard Seelinger, Erich Brandenburg, Felix Salomon, Albrecht Philipp, Hermann Anders Krüger, Marcelli Janecki, Ludwig Clerikus und andere.

Vereinswappen/-farben

Der Verein Roter Löwe führte als Vereinswappen einen roten Löwe in goldenem Felde. Die Vereinsfarben waren rot-gold-rot.

Wiederbelebung der Burschenschaft

Nach der Befreiung vom NationalsozialismusW-Logo.png gab es fast 70 Jahre keine wirkliche Wiederbelebung des Roten Löwen (in den 1950er Jahren schlossen sich ein paar Ehemalige der Suevia an, ein Treffen zum Gedenken blieb folgenlos). Erst im Jahre 2002 kehrte der Rote Löwe als eigenständiger Studentenbund an den Universitätsort Leipzig zurück.

Weblinks

Literatur

  • Hoyer, Siegfried: Der Verein für Geschichte und historische Hilfswissenschaften "Roter Löwe" an der Universität Leipzig 1880-1918. In: Neues Archiv für sächsische Geschichte. (2007) 78. S. [267]-282
  • Lönnecker, Harald: Der rote Löwe zu Leipzig. 1993. Aus: Der Herold. Jg. 36. Bd 14. H. 3. S. 80-94.
  • Satzungen, Mitglieder-Vereinsleben, Korrespondenz findet sich im Bestand des Staatsarchivs Dresden.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Der Wappensammler: Allgemeines Organ zum Austausch für Wappensammler, Genealogen, Heraldiker sowie für heraldische Vereine. 1. Jahrg. Nr. 5. Kahla. 1900. In: I. Jahrgang 1900-1901. S. 70 ff.
  2. Neues Archiv für Sächsische Geschichte. Band 78. Mitwirkende Verein für sächsische Landesgeschichte, Sächsischer Altertumsverein. 2007. S. 275.