Roland (Verein)

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1907/08: Wappen des Roland, Vereins zur Förderung der Stammkunde

Der Roland, Verein zur Förderung der Stamm-, Wappen- und Siegelkunde („Roland“) war ein genealogisch-heraldischer Verein.

Geschichte

Der Verein Roland wurde am 1902[1] in Dresden von dem Studienrat Hermann Unbescheid (1847–1915) als „bürgerlicher“, genealogischer Verein gegründet (in Abgrenzung zu den heraldischen Vereinen Adler und Herold). Er hatte seinen Sitz in Dresden in der Großen Brüdergasse 10 und trat überregional mit Ortsgruppen auf. In rascher Folge entstanden nach 1902 die „Roland“-Orts-/Landesgruppen beispielsweise in Leipzig (seit 1904), Berlin (1904), Magdeburg (1905), Hamburg (1908), Chemnitz (1919), Frankfurt am Main (1919), Nürnberg (1921), Stettin/Pommern (1923), Hof (1924), Stendal (1925).

Die Mitgliederzahl des Vereins war teilweise volatil. 1904 beziehungsweise zwei Jahre nach Gründung des Vereins lag sie bei 430 Mitgliedern stieg bis zum Jahr 1920 auf 600 Mitglieder in ganz Deutschland an[2]. Dann „explodierte“ sie förmlich und betrug nach nur drei Jahren das Doppelte (1923: ca. 1200 Mitglieder im gesamten deutschen Sprachraum[3]) und zählte im Jahre 1930 nach weiteren Zugängen nahezu 3000 Mitglieder[2], um nach weiteren drei Jahren komplett einzubrechen (1933 nur noch 300 zahlende Mitglieder[3]); um 1938 war sie dann auf über 700 wieder angestiegen[3]. Inwieweit diese Angaben den Tatsachen entsprechen, ist weiter zu untersuchen. Im Staatsarchiv Leipzig sind für einen Zeitraum von 1904 bis 1939 Personalbögen nur für die Vereinsmitglieder mit den Mitgliedsnummern 1 bis 1691 archiviert.

Die Ortsgruppen des Roland wandelten sich zirka ab 1920 sukzessive zu Kernen neuer regionaler Vereine; insbesondere bis 1930 lösten sich Ortsgruppen komplett vom Dresdner Mutterverein ab (Hamburg, Nürnberg, Hof, Magdeburg).

„Bis 1933 hatte sich der Verein und sein Vorstand in keiner Weise durch antisemitische Äußerungen hervorgetan (..)“

Volkmar Weiss[3]

Dies änderte sich nach der nationalsozialistischen Machtübernahme am 30.1.1933, in deren Folge beim Reichsminister des Innern eine Dienststelle des Sachverständigen für RasseforschungW-Logo.png angesiedelt wurde. Ziel dieser Dienststelle war es, „die Familiengeschichtsforschung von gestern in die Sippenforschung von heute“ zu überführen. Dazu wurde am 10. September 1934 ein Reichsverein für Sippenforschung und WappenkundeW-Logo.png e. V. (RSW) gegründet. Diesem schlossen sich zirka 2.000 Vereine an, darunter auch der Roland (Dresden) als Landesverein für den mitteldeutschen Raum.

„Abgesehen von den organisatorischen Schwierigkeiten der Anfangsphase 1933/35 läßt sich ein geistiger Widerstand der Genealogen gegen die Ziele des Nationalsozialismus aus den Akten und Veröffentlichungen nur noch vereinzelt herauslesen. Er war auch gefährlich. Personen, die sich vor 1933 offen gegen Hitler ausgesprochen hatten, wie Hohlfeld, wurden in ihrer Existenz bedroht, andere, die Zweifel geäußert und bis 1933 Koerner tatkräftig isoliert hatten (wie z.B. Paul v. Gebhardt), schwiegen, und andere, wie z. B. v. Klocke, wollten nach 1945 vergessen haben, daß Privatdozent Dr. Friedrich von Klocke (Münster) neben 62 weiteren führenden Köpfen der deutschen Genealogie im Nachrichtenblatt Nr. 1 (15.7.1934) und 3 (1.9.1934) des Reichsvereins als Mitglieder des Führerrats aufgelistet ist.“

Volkmar Weiss[3]

Zwischen 1933 und 1935 versuchte der nationalsozialistische Genealoge Achim GerkeW-Logo.png (1902-1997) und -- nach dessen Sturz -- von 1935 bis 1945 sein Nachfolger, der Abteilungsleiter beim Berliner „Rasse- und Siedlungshauptamt der SS“ und seit 1934 Vorsitzender des Vereins Herold Dr. Kurt MayerW-Logo.png (1903-1945) die Selbstständigkeit des Roland Dresden zu brechen und den Verein lückenlos in eine nationalsozialistisch neu ausgeprägte Rasseforschungs- und Reichsministeriums-Struktur mit einer straffen Zentralisierung zu integrieren (was nur in Teilen gelang).

Der Verein Roland wurde 1945, wie auch alle anderen bürgerlichen Vereine, durch die Sowjetische Militäradministration in Deutschland aufgelöst. Die Bibliothek, die Sammlungen und das Archiv des Vereins blieben vollständig erhalten und gelangten später in die Deutsche Zentralstelle für Genealogie nach Leipzig.

Orts-/Landesgruppen

Ortsgruppe Berlin (Deutscher Roland)

Die Ortsgruppe Berlin des Roland, 1904 gegründet, besaß anfangs 31 Mitglieder. Bereits unter ihrem ersten Leiter, Dr. Klemm und dessen Nachfolger Baurat Köhne war die Ortsgruppe völkisch und antisemitisch ausgerichtet (jüdische Mitbürgerinnen oder Menschen jüdischen Glaubens wurden nicht aufgenommen). 1913 spaltete sich unter Leitung des Mitgründers, Juristen, Genealogen und völkischen Politikers Bernhard KoernerW-Logo.png (1875-1952), der maßgeblich zur Verbreitung von antisemitischen Gedankengut in heraldischen und genealogischen Kreisen beitrug[4], die Ortsgruppe als Deutscher Roland vom Dresdner Mutterverein ab. Sie wurde als „Verein zur Förderung der Stammkunde“ in das Berline Vereinsregister eingetragen.[5] Der Abspaltung ging eine Votierung des Dresdner Roland gegen die Einführung von „Blutsbekenntnissen“ (AriernachweisW-Logo.png) für Mitglieder voraus, für die Koerner eintrat.

„Obwohl der Berliner Roland 1913 die Satzung des Dresdner Rolands von 1902 nahezu unverändert übernommen hatte, verortete sich der neu gegründete Verein nach außen als „Roland, Verein für deutsch-völkische Stammkunde“ deutlich im völkischen Umfeld. Ab den 1920er Jahren trat der Verein unter dem Namen „Deutscher Roland, Verein für deutsch-völkische Sippenkunde zu Berlin“ auf. Zum Bruch mit dem Dresdner Verein war es aufgrund der Radikalisierung ver völkischen und rassenantisemitischen Bestrebungen der Berliner Ortsgruppe gekommen, zu der vor allem der 1912 zum „Obmann“ der Berliner Ortgruppe gewählte Genealoge Bernhard Koerber beigetragen hatte.“

Alexandra Gerstner (2012)[5]

Vorsitzender des „Deutschen Roland“ (Berlin) wurde Dr. Koerner. Gelder, sein Vertreter schied nach einer Heirat mit einer polnischen Frau freiwillig aus. Der Deutsche Roland (Berlin) gab als Mitteilungblatt den „Deutschen Roland“ bzw. die „Mitteilungen des Deutschen Rolands“, Vereins für deutsch-völkische Sippenkunde zu Berlin e. V. heraus und veröffentlichte darin die „Deutsche Roland Wappenrolle“. Zwischen 1945 und 1953 gab es keine Vereinsaktivitäten beim Deutschen Roland (Berlin). Dieser wurde erst mit dem Tod Koerners 1953 aufgelöst.

Ortsgruppe Leipzig

Eine Leipziger Ortsgruppe bestand nur zeitweilig und ging schließlich vollständig in den Aktivitäten der 1904 gegründeten Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte, LeipzigW-Logo.png auf.

Ortsgruppe Hamburg

Logo Genealogische Gesellschaft HH 2010.png

Aus der 1908 in Hamburg gegründeten Ortsgruppe des Dresdner Roland und aus dem 1909 gegründeten „Hamburgischen Verein für Familiengeschichte, Siegel- und Wappenkunde e. V.“ ging die Genealogische Gesellschaft Hamburg e. V.W-Logo.png (GGHH) hervor, die ursprünglich am 25. Mai 1918 unter dem Namen „Zentralstelle für Niedersächsische Familiengeschichte“ gegründet wurde.

Gruppe Stettin/Pommern

Vereinslogo des Pommerschen Greif e.V.

Eine 1923 von Martin Bethe, Stettin gegründete Ortsgruppe des Dresdner Roland gab sich als „Pommersche Landesgruppe" aus. Später wurde der Name Pommersche Vereinigung für Stamm- und WappenkundeW-Logo.png" gewählt. Im Jahre 1934 löste sich die Gruppe vom Roland zu Dresden ab und schloß sich dem neu geschaffenen „Reichsverein für Sippenforschung und Wappenkunde" an, in den sie als „Landesverband Pommern" eingegliedert wurde. 1935 wurde sie Mitglied des Volksbund der deutschen sippenkundlichen Vereine als Landesverein für die Provinz Pommern.

„Nach dem Krieg bildeten die verstreuten pommerschen Genealogen, von denen die meisten ihre Sammlungen verloren hatten, unter der Ägide von Hans Hartkopf und Herbert Spruth zuerst einen Arbeitskreis, dann 1957 wieder eine „Pommersche Vereinigung für Stamm- und Wappenkunde“. Bereits 1955 hatte Hartkopf unter dem Namen Sedina-Archiv eine genealogische Zeitschrift als Beilage der Stettiner Zeitung veröffentlicht[6], die dann mit dem Untertitel: „Familiengeschichtliche Mitteilungen der Pommerschen Vereinigung für Stamm- und Wappenkunde“ ab 1957 weiter erschien. Nach dem Tod von Herberth Spruth 1972 übernahm Max Bruhn die Schriftleitung. Ein eingetragener Verein ist daraus aber nicht entstanden.“

Wikipedia (2013)[7]

Der Verein Pommerscher GreifW-Logo.png, der am 30.September 2000 in Greifswald am Rande der Jahreshauptversammlung der Gesellschaft für pommersche Geschichte, Altertumskunde und Kunst e. V. gegründet wurde und das bis dahin eigenständig erschienene Sedina-Archiv als Vereinszeitschrift weiterführte, versteht sich als Fortsetzung der Pommerschen Vereinigung für Stamm- und Wappenkunde.

Bayerische Ortsgruppe Franken

Das Wappen der GFF besteht aus dem Frankenrechen

Aus der Bayerische Ortsgruppe Franken des „Roland, Verein zur Förderung der Stamm-, Wappen- und Siegelkunde in Dresden“, die am 8. November 1921 gegründet wurde, ging die Gesellschaft für Familienforschung in Franken e. V.W-Logo.png (GFF) hervor. Die Trennung und Konstituierung als selbständiger Verein fand am 18. Februar 1925 statt.

Publikationen (Auswahl)

Ab 1. Januar 1916 (bis August 1943) wurden durch den „Roland“ monatliche Vereinszeitschriften herausgegeben.

  • Mitteilungen des Roland Bd. 01 (1916-1924), 1. - 9. Jahrgang. Dresden: Selbstverlag, Einbandart: fest geb. Inhalt: Nachrichten der Ortsgruppen, Praktischer Ratgeber, Briefkasten, Bücherei des Roland
  • Mitteilungen des Roland Bd. 02 (1925-1930), 10. - 15. Jahrgang. Dresden: Selbstverlag, Einbandart: fest geb. Inhalt: Vereinsnachrichten, Abhandlungen, Buchbesprechungen
  • Mitteilungen des Roland Bd. 03 (1931-1937), 16. - 22. Jahrgang. Dresden: Selbstverlag, Einbandart: fest geb. Inhalt: Vereinsnachrichten, Abhandlungen, Buchbesprechungen
  • Mitteilungen des Roland Bd. 04 (1938-1943), 23. - 28. Jahrgang. Dresden: Selbstverlag, Einbandart: fest geb. Inhalt: Vereinsnachrichten, Abhandlungen, Buchbesprechungen, Namensverzeichnis

Vorsitzende des Roland (Dresden)

Nr. von bis Name
1933 Oberstaatsanwalt Pg. Dr. Gustav Selle (*14.5.1861; †25.6.1937)
1933 1935 (Mai) Oberregierungsrat Pg. Dr. Gotthard Kell (*14.6.1884-)
1935 (Mai) 1935 (Oktober) Stadtarchivar Dr. Heinrich Butte (*30.5.1876; †13.6.1963)
1935 (Oktober) 1945 (Auflösung) Rechtsrat Johannes Schulz

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Volker Weiss nennt im Internet einmal den 15.12.1902 und einmal den 18.1.1902 als Gründungsdatum. Wörtliche heißt es:
    „Am 15.12.1902 wurde auf diese Weise der Dresdener „Roland“ gegründet (..).“ und: „Der Verein war am 18.1.1902 in Dresden von Studienrat Prof. Dr. phil. Hermann Unbescheid als ausdrücklich bürgerlicher, Verein der Welt gegründet worden.“ Aufgerufen am 06. November 2013.
  2. 2,0 2,1 Ehrenreich, Eric: The Nazi Ancestral Proof: Genealogy, Racial Science, and the Final Solution. 2007. S. 34.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Weiss, VolkmarW-Logo.png: Der genealogische Verein „Roland“ (Dresden) 1933-1945. In: Vorgeschichte und Folgen des arischen Ahnenpasses: Zur Geschichte der Genealogie im 20. Jahrhundert. Neustadt an der Orla: Arnshaugk. 2013. S. 127-178. ISBN 978-3-944064-11-6
  4. Wolfgang Benz, Werner Bergmann, Brigitte Mihok: Band 2 von Handbuch des Antisemitismus: Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart. 2009. S. 433.
  5. 5,0 5,1 Alexandra Gerstner: Deutscher Roland. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart. Band 5: Organisationen, Institutionen, Bewegungen. Berlin: De Gruyter Saur 2012, S. 181-182
  6. Herbert Spruth: Zur Organisationsgeschichte der pommerschen Familienforschung in: Sedina-Archiv 4/1961
  7. Seite „Pommersche Vereinigung für Stamm- und Wappenkunde“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 10. Juni 2013, 04:32 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Pommersche_Vereinigung_f%C3%BCr_Stamm-_und_Wappenkunde&oldid=119394679 (Abgerufen: 6. November 2013, 13:52 UTC)

Weblinks


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