Spitzenschnitt

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Teilung im ...
 
Araldiz Manno 221I.png
Zahnschnitt 45°
 
Muster-Spickelschnitt.png Spickelschnitt 60°
 
Araldiz Manno 221L.png Spitzenschnitt 75°
 
Muster-Sägezahnschnitt.png Säge(zahn)schnitt
1890: Im silbern-rot mit Spitzen-/Zahnschnitt geteilten Schilde drei (2:1) gestielte Kleeblätter in verwechselten Farben.
(Wappen Gustav Adelbert Seyler; nach Siebmacher)

Spitzenschnitt (auch mißverständlich Spitzenteilung genannt) ist in der Heraldik ein Oberbegriff für Wappenschnitte, die gewöhnlich durch kleinere oder größere fortlaufende Spitzen, Spickel/Dreiecke, Keile) oder ähnliche Formen bewirkt werden und als spezifische Heroldsbilder erscheinen. Mindestens vier spezifische Wappenschnitte besitzen entsprechende Spitzenschnittlinien:

  1. Zahnschnitt (auch Zackenschnitt[1] genannt)
  2. Spickelschnitt
  3. (Gemeiner) Spitzenschnitt
  4. Säge(zahn)schnitt

Geschichte

In der Früh und Blütezeit des Wappenwesens wird in der Darstellung nicht zwischen unterschiedlichen Spitzenschnitten unterschieden; Winkel-, Anzahl-, Größe- etc. der einzelnen „Spitzen“ sind mehr oder weniger irrelevant, solange das Wappengesamtbild als solches rasch und klar erkennbar ist sowie einem Wappenführenden eindeutig zugeordnet werden kann:

„In der alten Heraldik zählte man die einzelnen halben und ganzen Spitzen nicht, auch war es vollkommen gleichgültig, ob vorn Roth, hinten Silber oder umgekehrt, ob die Spitzen ganz durch, bis zur Flanke, oder bis zur Mitte gingen (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

In späteren Jahrhunderten versucht die heraldische Literatur, verschiedene Spitzenschnitte durch die unsystematische, uneinheitliche und inkonsistente Verwendung einer Vielzahl von Ausdrücken voneinander abzugrenzen. Neben dem Ausdruck Spitzenschnitt erscheinen Wörter wie Spickelschnitt, Sägeschnitt, Keilschnitt, Sägezahnschnitt, Zahnschnitt, Zickzackschnitt[3] und so weiter, die je nach Heraldiker anders bestimmt sind. Zudem werden in der heraldischen Literatur und Terminologie unterschiedliche Ansätze bei der Beschreibung der spitzenschnittartigen Motive respektive der Heroldsbilder/Wappenschnitte verfolgt (beispielsweise zählt Eduard Freiherr von Sacken 1893 bei der Bestimmung der Spitzen die Anzahl ihrer Seitenlinien[4], während Maximilian Gritzner 1889 die Anzahl der vollständigen, halben usw. Spitzen blasoniert). Der Einfallsreichtum der Heraldiker scheint hier keine Grenzen zu kennen, insbesondere wenn Lage, Anzahl, Größe, Winkel, Länge etc. der Begrenzungslinien zur Bestimmung von bestimmter Motive herangezogen werden.

Darstellung

Nachstend werden Unterscheidungsmerkmale, die für die Darstellung eines spitzenschnittartigen Motivs in einem Wappen gebräuchlich sind, gelistet (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

Winkel der fortlaufenden Spitzen

Der Grad der Spitzenwinkel kann nach der neueren Heraldik der genauen Bezeichnung des Wappenschnitts dienen. Die Form der fortlaufenden Spitzen wird mit zunehmender Anzahl spitzwinkliger. Man spricht (nicht einheitlich) vom ...

Spitzenschnitt Winkel (ca.) Beschreibung Beispiel
Zahnschnitt
frz.: dentelé
engl.: indented
Araldiz Manno 221I.png
bei 45 Grad

„»Gezahnt« oder »gezähnelt« ist so viel als: mit sehr kleinen Spitzen besetzt, getheilt, gespalten und so weiter“

Curt Oswalt Edler von Querfurt (1872)[5]
Sahakoro.svg
Spickelschnitt
frz.: denché
Muster-Spickelschnitt.png
bei 60 Grad
In einem weiten Sinn: eine durch kleinere oder größere Spickel bewirkte Schildteilung
Hammaskoro.svg
Spitzenschnitt,
Keilschnitt
frz.: émanché
engl.: pily
Araldiz Manno 221L.png
bei 75 Grad

„(..) ist - wie schon der Name besagt - eine durch »Spitzen« (oder »Keile« -- Anmerkung der Redaktion -- siehe dort) bewirkte Section und kann wie auch andere geradlinige Sectionen nach allen Richtungen geschehen und zwar durch größere und kleinere Spitzen (..)“

Curt Oswalt Edler von Querfurt (1872)[5]

„(..) Spitzenschnitt: durch kleinere oder größere Spitzen bewirkte Schildteilung (..)“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[6]
Siebmacher Spitzenteilung.jpg
Sägezahnschnitt, Sägeschnitt
frz.: en dents de scie
engl.: indented the points in form of teeth of a saw; indented of a saw; dentilly line
Muster-Sägezahnschnitt.png
Freiwinkel:
bei etwa 27 Grad

Schnittwinkel:
bei 90 Grad
Sägeblatt.png
In einem weiten Sinn: eine durch kleinere oder größere sehr enge, nach heraldisch rechts (beziehungsweise nach heraldisch links, oben, unten etc. je nach Ausprägung) geneigte feine „Zähne/Spitzen“ bewirkte Schildteilung
(Bezeichnungen beim Säge(zahn)schnitt)
Muster-Sägezahnteilung.png

Ausrichtung der fortlaufenden Spitzen

Die Lage und die Richtung, wie Spitzen und ihre Begrenzungslinien die Fläche des Schilds oder des Felds in kleinere Bereiche teilen, spezifizieren die Art des Spitzenschnitts. Gebräuchlich sind folgendes Ausrichtungen:

Spitzenschnittart Teilungsart Beschreibung 1889: Beispiel
(nach Siebmacher)
Spitzenspaltung Gespalten
(senkrecht)
Die Basis respektive der Flächenschwerpunkt der fortlaufenden Spitzen liegen im heraldisch rechten beziehungsweise linken Bereich des Feldes/Schildes. Die Spitzen teilen den Schild oder das Feld von rechts nach links bzw. von links nach rechts (waagerecht) und ihre „Gipfel“ zeigen zum rechten bzw. linken Schild-/Feldrand, wodurch der Schild oder das Feld insgesamt senkrecht geteilt erscheint
Siebmacher Spitzenspaltung 4 rechts.jpg
Mit vier rechten Spitzen gespalten
Spitzenteilung, Spitzenschnitt Geteilt
(waagerecht)
Die Basis respektive der Flächenschwerpunkt der fortlaufenden Spitzen liegen im heraldisch oberen beziehungsweise unteren Bereich des Feldes/Schildes. Die Spitzen teilen den Schild oder das Feld von oben nach unten bzw. von unten nach oben (senkrecht) und ihre „Gipfel“ zeigen zum oberen bzw. unteren Schild-/Feldrand, wodurch der Schild oder das Feld insgesamt waagerecht geteilt erscheint.
Siebmacher Spitzenteilung.jpg
Mit Spitzen geteilt
Spitzenschrägrechtsteilung Schräg(rechts)geteilt
(diagonal)
Die Basis respektive der Flächenschwerpunkt der fortlaufenden Spitzen liegen im Bereich der Hauptstelle, des heraldisch linken Oberecks und der linken Flankenstelle beziehungsweise gegenüber im Bereich der Fußstelle, im heraldisch rechten Untereck und in der rechten Flankenstelle des Feldes/Schildes. Die Spitzen teilen den Schild oder das Feld schräglinks und ihre „Gipfel“ zeigen nach heraldisch links-oben bzw. rechts-unten, wodurch der Schild oder das Feld insgesamt schrägrechts geteilt erscheint.
Siebmacher Schraeggeteilt spitzenfoermig.jpg
Spitzenförmig schräggeteilt
Spitzeschräglinksteilung Schräglinksgeteilt
(diagonal)
Die Basis respektive der Flächenschwerpunkt der fortlaufenden Spitzen liegen im Bereich der Hauptstelle, des heraldisch rechten Oberecks und der rechten Flankenstelle beziehungsweise gegenüber im Bereich der Fußstelle, im heraldisch linken Untereck und in der linken Flankenstelle des Feldes/Schildes. Die Spitzen teilen den Schild oder das Feld schrägrechts und ihre „Gipfel“ zeigen nach heraldisch rechts-oben bzw. links-unten, wodurch der Schild oder das Feld insgesamt schräglinks geteilt erscheint.
Siebmacher Schraeglinksgeteilt spitzenfoermig 01.jpg
Spitzenförmig schräglinksgeteilt

Spitzenspaltung (im Spitzenschnitt gespalten)

Die „gemeinen“ Spitzenspaltung bestimmt Maximilian Gritzner im Jahre 1889 folgendermaßen:

Mit Spitzen gespalten (Tafel II. Figur 52. bis 72.): heisst der Schild , wenn die Spaltungslinie in Form von Spitzen in das rechte und linke Feld bis zum Rande des Schildes abwechselnd gezogen ist. Der Schnitt heisst: Spitzenspaltung. (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Neben der „gemeinen Spitzenspaltung“ sind weitere spaltende Spitzenschnittformen gebräuchlich, bei denen die Gipfel der fortlaufenden „Spitzen“ jedoch nicht bis zum Rande des Feldes/Schildes gezogen sind, sondern nur bis an eine andere gedachte senkrechten Linie reichen. Dazu zählen zum Beispiel:

Grundform Bereich Beschreibung Beispiel
(nach Siebmacher)
Spitze Vom rechten/linken Schild-/Feldrand zum rechten/linken Schild-/Feldrand

Spitzen, dieselben berühren stets den gegenüberliegenden Seitenrand (Tafel II. Figur 52.—62. ..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]
Siebmacher Spitzenspaltung 3 rechts.jpg
In Silber mit 3 rechten roten Spitzen gespalten
Flankenspitze Vom Schild-/Feldrand bis zur gegenüberliegenden Flanke

Flankenspitzen, deren Spitzen reichen nur bis zur gegenüberliegende Flanke (Tafel II. Figur 63.—67.)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]
Siebmacher Flankenspitzenspaltung 2 rechts.jpg
In Silber mit zwei rechten roten Flankenspitzen gespalten
Spickel Vom Schild-/Feldrand bis zur Schild-/Feldmitte

Spickel (Tafel II. Figur 68—69.) deren Spitze reicht nur bis zur Mitte oder sehr wenig darüber hinaus.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]
Siebmacher Spickel 3 rechte.jpg
Silber mit 3 rechten roten Spickeln gespalten
Flanke Linke oder rechte Flanke

Gezahnte (Zahn-) Flanke (Tafel II. Figur 85.) Flanke, deren Begrenzungslinie durch den Zahnschnitt bewirkt wird.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]
Siebmacher Flanke links gezahnt.jpg
In Silber linke gezahnte rote Flanke
Flankenspickel Vom Schild-/Feldrand bis zur Flanke des gleichen Schild-/Feldrands Spickel, deren Begrenzungslinien im Rahmen einer Flankenbreite erscheinen.
Siebmacher 3 Flankenspickel rechts.jpg
In Silber drei rechte rote Flankenspickel (oder: „In Silber eine linke rote Spickelflanke“)

Bei Spitzenspaltungen mit bis zu vier Spitzen kann ihre genaue Anzahl gemeldet werden, anderenfalls bleibt es dem Wappenkünstler überlassen, mit welcher Anzahl Spitzen die Spitzenspaltung im Rahmen der Gesamtharmonie eines Wappenaufrisses gestaltet wird (im Normalfall mit mindestens drei Spitzen). In der heraldischen Literatur werden verschiedene Methoden behandelt, wie die Spitzen einer Spitzenspaltung zu zählen sind. Im Allgemeinen verwenden Heraldiker folgende Zählweise:

„Man zählt die Spitzen stets von dem Obereck, aus welchem, oder aus dessen Nähe die obere derselben geführt ist. Beginnt daher die obere Begrenzungslinie der obersten Spitze im rechten Obereck oder in dessen unmittelbarer Nähe, (dann gewöhnlich in ⅓ oder ¼ der Schildhöhe), so entstehen linke Spitzen, wogegen rechte Spitzen entstehen, wenn die oberste Linie von oder bei dem linken Obereck herausgeführt ist. Demgemäes heissen diejenigen Spitzen, deren Gipfel der rechten Schildseite zugekehrt ist: rechte, wenn umgekehrt: linke Spitzen. Es kann hier niemals ein Zweifel obwalten, sobald man sich daran gewöhnt, von vornherein zu beobachten, aus welcher Richtung die obere Begrenzungslinie hergeführt ist. Die oberste Spitze muss stets eine ganze (volle) sein; enthält die Anzahl der spaltenden Spitzen Bruchtheile, dann werden letztere zuletzt gezählt so zum Beispiel »mit 2½, 3½ Spitzen gespalten« und es darf alsdann die unterste Spitze nur die Hälfte der Basis der vollen haben.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Galerie

Spitzenteilung (Im Spitzenschnitt geteilt)

Wie bei Spitzenspaltungen müssen bei Spitzenteilungen verschiedene Arten in Form von Heroldsbildern mit kleineren oder größeren Spitzen voneinander abgrenzt werden, zum Beispiel:

Grundform Bereich Beschreibung Beispiel
(nach Siebmacher)
Spitze Vom oberen/unteren Schild-/Feldrand zum oberen/unteren Schild-/Feldrand

„Gehen die Spitzen aus dem Unterrande hervor und reichen bis an den Oberrand, so sind es eben Spitzen (keine Quertheilung) und ist das Weitere darüber bei diesen zu lesen (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[7]
Siebmacher 3 Spitzen 2.jpg
In Rot drei silberne Spitzen
Teilung mit Spitzen (Spitzenschnitt) Die Basis vom unteren Schildrand bis zum Schildfuss und den Unterecken bzw. vom oberen Schildrand bis zum Schildhaupt und den Oberecken; die Spitzen daraus auf-/absteigend und ohne obere/untere Randberührung

„(..) Gehen (die Spitzen -- Anmerkung der Redaktion) indess oberhalb der beiden Unterecken und zwar aus den Seitenrändern des Schildes hervor, ohne den Oberrand zu berühren, dann bilden sie eine Art der Quertheilung: die Spitzentheilung und zwar unterscheidet man:
„1) mit aufsteigenden und
2) mit absteigenden Spitzen getheilt.“
Ob man ersteren oder letzteren Ausdruck zu brauchen hat, richtet sich nach der Anzahl der vorhandenen auf- oder absteigenden ganzen Spitzen, das heißt, es werden eben nur diese (nicht die an den Rändern anliegenden) gezählt, also (Tafel III. Fig. 66.) mit fünf (aufsteigenden)

Figur 67. mit drei (aufsteigenden) Spitzen Rot Silbern getheilt. Hierbei versteht sich von selbst, dass die aufsteigenden Spitzen bis zum Schildhaupt, die absteigenden bis zum Schildfuss geführt sind.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[7]
Siebmacher Spitzenteilung.jpg
Rot-Silberne Spitzenteilung mit fünf (ansteigenden) Spitzen
Siebmacher 3 aufsteigende Spitzen.jpg
In Rot 3 aufsteigende silberne Spitzen
Mittelmäßige Spitze, Mittelspitze Die Basis vom unteren Schildrand bis zur Schildmitte, die Spitzen von der Schildmitte zum Schildhaupt

„(..) Andernfalls würde z. B. Tafel III. Figur 68. als mit drei absteigenden mittelmässigen Spitzen (oder Spickeln) Rot Silbern getheilt anzusprechen sein; hierbei versteht sich wiederum, dass die Spitzen sich sowohl nach oben wie unten nicht sehr viel über die horizontale Mittellinie des Schildes hinaus erstrecken.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[7]

„(..) zwei mittelmässige Spitzen (Tafel IX. Figur 29.) nennt man, wie schon bei der Quertheilung des Schildes gesagt ist, steigende Spitzen, deren Gipfel aber nur bis zum Schildhaupt reichen; zwischen zwei dergleichen steigenden muss naturgemäss eine gestürzte Spitze und beiderseits je eine halbe desgleichen liegen, deren Gipfel ihrerseits nur bis zum Schildfuss reichen dürfen.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[8]
Siebmacher 3 absteigende Spitzen.jpg
Silber mit 3 mittleren absteigenden roten Spitzen geteilt
Siebmacher 2 Mittelspitzen 2.jpg
In Rot 2 silberne (aufsteigende) Mittelspitzen
Schildhaupt, (hier mit Spickel) Vom oberen Schild-/Feldrand bis zum Schildhaupt

„Gespickeltes Schildhaupt (Tafel III. Figur 89.) heisst ein Schildhaupt, von dem nur halbe und ganze Spickel zu sehen sind. Würden die aus dem Felde in das Schildhaupt hineinreichenden Spitzen (Spickel) nicht bis an den Oberrand des Schildes gehen, so würde man das Bild: Spitzen-Schildhaupt nennen. Wieviel Spitzen hierbei angewandt sind ist ziemlich gleichgültig, doch zählt man dieselben nach neuerer Praxis.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[9]
Siebmacher Schildhaupt gespickelt.jpg
In Silber rotes gespickeltes Schildhaupt
Schildfuß,
(hier: gezahnt)
Vom unteren Schild-/Feldrand bis zum Schildfuß

„(..) Werden die Spitzen noch zahlreicher und kleiner, so entsteht der Zahnschnitt.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[7]

„Gezahnter Schildfuss (Tafel in. Figur 106.): heisst der Schildfuss, sobald seine Abgrenzungslinie vom Schilde im Zahnschnitt geführt ist.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[9]
Siebmacher Schildfuss gezahnt 2.jpg
In Rot gezahnter silberner Schildfuß

Galerie

Spitzenschrägrechtsteilung (im Spitzenschnitt schrägrechtsgeteilt)

Eine Spitzenschrägrechtsteilung (auch „im Spitzenschnitt schräggeteilt“, „schräger Spitzenschnitt“ oder anders blasoniert; frz.: tranché émanché) wird je nach Mode, Kultur- und Zeitgeist und Wappen sehr unterschiedlich aufgerissen. Im deutschsprachig-geprägten Wappenwesen wird oft eine Form mit „kleinen“ Spitzen gewählt, die den Schild/das Feld in diagonaler Richtung (sozusagen an der Schrägrechtsteilung entlang) teilen; im französischsprachig-geprägten Wappenwesen reichen dagegen schräge lange Spitzen nahezu bis in die linke Oberecke beziehungsweise in die rechte Unterecke des Schildes/Felds. Mit anderen Worten: Die Ausdrücke „tranché émanché“, „im Spitzenschnitt schräggeteilt“ et cetera bezeichnen kein Heroldsbild, das streng definiert ist, sondern eines, dessen Ausgestaltung letztlich dem Wappenkünstler obliegt. Wappenaufrisse für ein und dasselbe Wappen können daher sehr unterschiedlich aussehen, je nachdem wie die Wappenkünstler das eher unbestimmte Heroldsbild gestaltete. Nachweislich war es in der Blütezeit des Wappenwesens „normal“, dass der schräge Spitzenschnitt mal so, mal anders aufgerissen wurde. Die Wiederkennbarkeit war damals offensichtlich gewährleistet, auch wenn das im Spitzenschnitt schräggeteilte Wappen oft ein wenig anders aussah.

Galerie

Spitzenschräglinksteilung (im Spitzenschnitt schräglinksgeteilt)

Flankenspitzenschnitt

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Flankenspitzenspaltung

Kugelspitzenschnitt

Gezahnter Balken

Wappenbilderordnung

  • Keilförmig (geteilt)“ wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Sonderformen der Begrenzungslinien unter der Nr. (0151)-139 aufgenommen.
  • spitzen-/spickelförmig (geteilt)“ wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Sonderformen der Begrenzungslinien unter der Nr. (0151)-140 aufgenommen.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Zackenschnitt (pily) in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 324
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 13 ff.
  3. Galbreath, D. L.; Jéquier Léon: Handbuch der Heraldik. Augsburg 1942/1990. S. 113 ff.: „Eine den Schild durchschneidende Zickzacklinie heißt auch mit Spitzen (Abb. 218) gezogen (..)“
  4. Sacken, Eduard Freiherr von: Katechismus der Heraldik. Grundzüge der Wappenkunde. Leipzig. 1893. S.: 49: „(..) es ist dann eine Teilung durch Spitzen, wobei man die Seitenlinien derselben zählt und fünf-, siebenmal etc. mit Spitzen gespalten oder geteilt, blasoniert (..)“
  5. 5,0 5,1 Querfurt, Curt Oswalt Edler von: Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. Nördlingen: Beck. 1872. Neudruck: Wiesbaden: M. Sändig. 1969. Seite 54, 146
  6. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 374. ISBN 978-3-411-02149-9
  7. 7,0 7,1 7,2 7,3 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 20
  8. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 56
  9. 9,0 9,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 22 bzw. S. 23