Heidelbeere (Heraldik)
Der Zwergstrauch Heidelbeere (jüngere Form von Heidbeere, aus Heiden-Beere [‚die auf der Heide wächst‘]; auch Blaubeere, Bickbeere, Schwarzbeere und anderes mehr genannt) sowie seine Teile (Frucht, Ast/Zweig, et cetera) erscheinen in der Heraldik als Wappenfiguren in unterscheidbarer Gestalt. Sie werden in der Regel als gemeine Figuren aufgefasst und in Wappenbeschreibungen zum Beispiel als Heidelbeerstrauch, Heidelbeerast-/zweig, Heidelbeere (Frucht) oder ähnliches gemeldet.
Geschichte
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Trivialnamen |
Wann genau Heidelbeermotive erstmals Eingang in die Heraldik gefunden haben, ist unklar beziehungsweise nicht ausreichend erforscht. So nennen beispielsweise im 20. Jahrhundert Jürgen Arndt und Werner Seeger unter der Nummer 2231
in der Wappenbilderordnung kein einziges Referenzwappen für die Figur „Heidelbeerstrauch“.[6] Dagegen weist Christian Samuel Theodor Bernd im 19. Jahrhundert darauf hin, dass die Familie Heydelmann redend Zweige „mit Heidelbeeren, auch Blaubeeren, Mordeln etc. genannt“ im Wappen führte.[5] Tatsächlich sind für das 18. Jahrhundert einige Wappen mit Heidelbeermotiven belegt. Es ist zu prüfen, ob Heidelbeeren auch schon früher in Wappen zu finden waren.
Darstellung
Die Heidelbeerfiguren des Wappenwesens sind grundsätzlich heraldisch stilisierte Idealbilder, die gemeinhin den Heidelbeeren
(Vaccinium; im engeren Sinne nur der in Europa verbreitetsten Art Vaccinium myrtillus
) oder Teilen dieser Zwergsträucher nachempfunden sind.
Heidelbeerstrauch
Die Figur Heidelbeer(en)strauch (auch Heidelbeer[en]staude, Heidelbeer[en]busch, Blaubeer[en]strauch oder ähnlich genannt; französisch airellier; englisch bilberry-bush) wird in der Heraldik meist stark verzweigt mit aufrechten, kantigen bis schmal geflügelten Zweigen und mit mehreren charakteristischen, übergroßen Heidelbeerblättern sowie mit einem Dutzend oder mehr einzeln stehenden, abgeplatteten, runden Beeren (Heidelbeerfrüchten) dargestellt. Fehlen einzelne Pflanzenteile, sollte dies gemeldet werden („blattlos“, „ohne Heidelbeerfrüchte“), genauso wie angezeigt werden sollte, wenn weitere Pflanzenteile (zum Beispiel zwittrige, dickgestielte Blüten) die Gestaltung ergänzen. Bevorzugt wird die Heidelbeerstrauchfigur in Grün mit blauen oder schwarzen Beeren tingiert. Andere heraldischen Farben sind möglich, aber nicht gebräuchlich beziehungsweise selten. Die Figur steht gewöhnlich in Einzahl und schildfüllend im Wappen, manchmal in Kombination mit einer anderem Wappenfigur wie zum Beispiel einem Heroldsbild (Dreiberg, Fluss oder ähnlichem).
Heidelbeerzweig
Aufrechter Heidelbeerzweig mit grünen Blättern und blauen Früchten; Ottenschlag

Die Wappenfigur des Heidelbeerzweiges weist im Allgemeinen eine geringe heraldische Durchdringung auf und erscheint in einer eher naturalistischen Darstellungsweise, die dem realen Vorbild eines Heidelbeerzweiges zeichnerisch, farblich und anatomisch nahe kommt. Grundsätzlich wird die Heidelbeerzweigfigur „aufrecht“ dargestellt, mit einer unbestimmten Anzahl Laubblätter, einem Stiel, der zum unteren Schild-/Feldrand gerichtet ist und von dem ein paar Heidelbeerfrüchte direkt oder an kleinen Ästen/Zweigen abzweigen. Ist der Stiel der Heidelbeerzweigfigur zum Oberrand des Schildes/Feldes gerichtet, wird sie als „hängend“ beschrieben. Treibt der Heidelbeerzweig in einem Wappen keine Laubblätter, ist dies ausdrücklich in der Wappenbeschreibung zu melden. Die Anzahl der Laubblätter kann, wenn es für ein Wappen relevant ist, angezeigt werden (zum Beispiel: „zweiblättriger Heidelbeerzweig“). Eine Heidelbeerzweigfigur, bei der die Bestimmungen der Blatt- und Fruchanzahl in der Wappenbeschreibung fehlen, ist möglichst einfach, das heißt, mit nur mit wenigen übertriebenen Laubblättern und Früchten in einem Wappen aufzureißen. Wie die Heidelbeerstrauchfigur wird die Heidelbeerzweigfigur bevorzugt in Naturfarbe tingiert (das ist Grün mit blauen oder schwarzen Beeren). Andere heraldischen Farben sind möglich, aber nicht gebräuchlich beziehungsweise selten.
Feld 4: Blaubeerenzweig (Săcuieu
, Rumänien)
Wehrturm, links begleitet von einem grünen Heidelbeerzweig mit vier blauen Früchten (Schlarpe
)
Unten: Grüner Blaubeerenzweig mit schwarzen Früchten (Malushka/Малушка
, Ukraine)
In Gold ein grüner Bickbeerzweig mit blauen Beeren (Affinghausen
)
Heidelbeere
Auch die charakteristischen runden schwarzblauen Heidelbeer-/Blaubeerfrüchte kommen als Wappenfigur vor. Diese wird in der Regel kreisförmig, eher naturalistisch, mit keinem (oder einem minimalen) Stiel, ein leichten Abplattung und einer kreisrunden „Bereifungskonturlinie“ aufgerisssen. Letztere entspricht den Kelchresten an der Spitze der realen Beeren. Bevorzugt wird die Beerenwappenfigur in Blau oder Schwarz tingiert; andere heraldischen Farben sind möglich. Die Figur Heidelbeere (manchmal auch verkürzt als „Beere“ oder weitschweifig als „Heidelbeerfrucht“ bezeichnet) erscheint in Wappen öfters in Mehrzahl als in Einzahl. Wenn es für ein Wappen relevant ist, kann man in einer Wappenbeschreibung bestimmen, wie mehrere Heidelbeerfruchfiguren zueinander stehen (zum Beispiel: „drei Heidelbeerenfrüchte zwei-über-eins“, „drei Heidelbeerenfrüchte [balkenweise] nebeneinander“ oder ähnlich).
Feld 2: In Silber blaue Beeren auf grünen Blättern (Grethem
, Deutschland)
Unten: Drei Heidelbeeren 1-über-2 (Рижки/Ryschky
, Ukraine)
Postament mit Blaubeeren
Heidelbeerfiguren dienen im Wappenwesen (insbesondere in der kanadischen Heraldik) manchmal als Verzierung eines Postaments. Beispielsweise schmücken Heidelbeermotive die Postamte der Wappen von Sudbury und Richmond.
(Richmond
, Kanada)
Heidelbeeren als Nebenfigur


Im Wappenschild wird eine Heidelbeerfigur manchmal begleitet von anderen Wappenfiguren oder als Nebenfigur dargestellt. Beispielsweise hält 1795 im redenden Wappen von Georg Christian von Heider ein Mohrenrumpf (= Hauptfigur im unteren Feld) in jeder erhobenen Hand einen natürlichen befruchteten Heidelbeerzweig (= Nebenfiguren im unteren Feld). Ein weiteres Beispiel ist das Wappen der Grafen von Nys
. In dessen Mittelschild erscheinen drei Eisvögel als Hauptfiguren, von denen jeder einen Ast mit roten, wilden Heidelbeerblättern als Nebenfiguren im Schnabel hält.
Eisvögel, die jeweils einen Ast mit roten, wilden Heidelbeerblättern im Schnabel halten (Wappen Grafen von Nys
)
Wappenbilderordnung
- Die Figur Heidelbeerstrauch wurde ohne Angabe eines Referenzwappens in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Strauch, Staude unter der Nr. 2231 aufgenommen.[6]
Weblinks


Einzelnachweise
- ↑ W. Lackowitz: Flora von Berlin: und der Provinz Brandenburg. 17. Auflage. Friedberg & Mode, Berlin 1911, S. 107.
- ↑ Übersicht von Gisela Schmidt
, Feinschmecker-Fahrt: Guten Appetit, auf vegetarismus.ch
- ↑ Hochspringen nach: 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 3,7 3,8 Heinrich Marzell
, Heinz Paul: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. Bd. 4. Stuttgart/Wiesbaden 1979, S. 952 (Nachdruck: Parkland, Köln 2000).
- ↑ Badische Volkskunde, 13.K
- ↑ Hochspringen nach: 5,0 5,1 Bernd, Christian Samuel Theodor: Die Hauptstücke der Wappenwissenschaft: Die allgemeine Wappenwissenschaft in Lehre und Anwendung: nach ihren Grundsätzen in Europas Ländern aus den Quellen dargestellt, und mit Tausenden von Beispielen wirklicher Wappen aus jenen Ländern (..). Band 2. Bonn, 1849. (Google). S. 80
- ↑ Hochspringen nach: 6,0 6,1 Jürgen Arndt und Werner Seeger (Bearbeiter) mit Wappenskizzen von Lothar Müller-Westphal: Wappenbilderordnung. Symbolorum armorialium ordo. Zit.: WBO - Wappenbilder. Hrsg.: Herold, Verein für Heraldik Genealogie und verwandte Wissenschaften (= J. Siebmachers Großes Wappenbuch. B). 2., ergänzte und berichtigte Auflage. Band I. Bauer & Raspe, Inh. Manfred Dreiss, Neustadt an der Aisch 1996, ISBN 3-87947-110-X, S. 120 f. Tafel 28. Figur 2231 (447 S., zugleich Neubearbeitung des Handbuchs der heraldischen Terminologie von Maximilian Gritzner; Einleitungsband, Abt. B des Neuen Siebmacherschen Wappenbuches, Nürnberg, 1890).
- ↑ Wappenbeschreibung: „In Grün eine silberne, eingebogene Spitze, darin ein aufrechter Heidelbeerzweig mit grünen Blättern und blauen Früchten, rechts und links je eine silberne, einwärts gestellte Axt.“
- ↑ In: Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der briefadeligen Häuser, Verlag Justus Perthes, Gotha 1907. S. 279 ff. ULB Düsseldorf wird das Wappen folgendermaßen blasoniert:
„Schräggeviert; oben in Silber zwei rote Sparren, vorn in Schwarz ein goldener Stern, hinten in Schwarz ein zunehmender goldener Mond und unten in Silber aus schwarzem Dreiberge wachsend ein schwarzbekleideter Mohr mit goldenen Knöpfen, ausgegerbtem Halskragen und Kopfbinde, in jeder erhobenen Hand einen natürlichen befruchteten Heidelbeerzweig haltend. Auf dem Helme mit schwarz-goldenen Decken ein geschlossener goldener Flug, belegt mit schwarzen Schrägbalken, worin ein goldener Stern erscheint.“