Runenstein (Heraldik)

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In der Früh- und Blütezeit des Wappenwesens sind Runensteinfiguren nicht gebräuchlich.
DeutschlandDeutschland DanemarkDänemark Der SkarthesteinW-Logo.png
 
Runenstein im Wappen von BusdorfW-Logo.png[1]
 
Der Skarthestein (Skardesten) im Wikingermuseum Haithabu

Der Runenstein (französisch pierre runique; englisch runestone) ist in der neueren Heraldik eine seltene gemeine Figur.

Darstellung

Die gemeine Figur Runenstein ist den gleichnamigen aufrechtstehenden „Schrift-/Schlangenbandsteinen“ mit Inschriften in Runenschrift und/oder Bandornamentik beziehungsweise den Steinen mit figürlichen Tier-/Mensch-/Fabel­wesen­dar­stel­lungenW-Logo.png und/oder mit vorheraldischen Symbolen (Tatzenkreuz, Ringkreuz, Irisches KoppelW-Logo.png) nachempfunden, die zwischen dem 5. und 12. Jahrhundert respektive ab der nordischen EisenzeitW-Logo.png sowie während der Vendel-W-Logo.png und WikingerzeitW-Logo.png erschaffen wurden (→ „Runenstein“W-Logo.png).

Die Wappenfigur Runenstein findet man bevorzugt in kommunalen Wappen, wo sie oft eine lokale Besonderheit eines Ortes symbolisiert. Die Nachbildung eines realen lokalen Runensteins mit seinen Schriften/Verzierungen erfolgt in einer entsprechenden Wappenfigur im Allgemeinen wenig heraldisch stilisiert und recht nahe am vorheraldisch-stilisierten Original. Bei­spiels­weise sind die Runen in der Runensteinfigur in einem Wappenaufriss der deutschen Gemeinde BusdorfW-Logo.png eher naturalistischW-Logo.png ausgeführt und nicht angemessen heraldisch stilisiert. Nachbildungen von Runensteinen als Wappenfiguren sollten in der Wappenbeschreibung in der heraldischen Terminologie dezidiert erläutert werden, unabhängig davon, ob sie mit stilisierten Runen oder beispielsweise lediglich mit einer Bandornamentik im Wappen erscheinen. Da die Runensteinwappenfigur selten ist, gibt es keine expliziten heraldischen Vorgaben für sie, außer jene, die für vergleichbare gemeine Flurdenkmalfiguren allgemein gelten. Die Farbgebung des Motivs erfolgt nach den heraldische Regeln, wobei farblich besonders hervorgehobene Oberflächenzeichnungen zu melden sind.

Wappen mit der Figur eines Runensteins

Teile der Oberflächenmotive von Runensteinen haben als isolierte Elemente oder als eigenständige gemeine Figuren Eingang in die neuere Heraldik gefunden. In der Wappenbeschreibung fügt man zur Erläuterung beispielsweise den Eigennamen des originalen Runensteins, den jeweiligen Fundort oder bei der Figurenbezeichnung ein be­schrei­ben­des Attribut hinzu (Beispiel: „Kreuz wie auf dem Runenstein von Frösön“). Solche Formulierungen in der Blasonierung sind umstritten; teilweise vertreten Anhänger einer eher traditionellen Heraldik die Ansicht, dass ein Wappen niemals ein bestimmtes Objekt darstellen sollte, das man nur beschreiben kann, indem man sagt, dass es sich um die heraldische Figur des konkreten realen Objekts handelt.

Nicht eindeutig zu identifizierendes OberflächenmotiveW-Logo.png auf Runensteinen werden in Wappenbeschreibungen oder in der Literatur manchmal mit Ausdrücken der heraldischen Terminologie bezeichnet. Beispielsweise wird das unklare Fabelwesen (Löwe, Drache, Greif?) auf dem großen Runenstein von JellingW-Logo.png in der Heraldik gelegentlich als Greifenlöwe gedeutet. Erscheint das Oberflächenmotiv eines Runensteins in einem Wappen, sind seine Eigenarten stets in der Blasonierung möglichst genau zu erläutern, um einheitliche Wappenaufrisse zu gewährleisten.

„Greifenlöwe“ (Runenstein von Jelling)

 
Wappen von Jelling (1977)
 
Zweite Bildseite des Großen Jellingsteins

Die Runensteine von JellingW-Logo.png, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören, entstanden Mitte bis Ende des 10. Jahrhunderts. Auf ihnen befindet sich unter anderem die Darstellung eines Kampfes zwischen Löwe und Schlange. Dieses Motiv ist die Vorlage für ein Wappen der dänischen Gemeinde Jelling, in dem ein Greifenlöwe als gemeine Figur erscheint. Im Gegensatz zu anderen Greifenlöwen besitzt der Greifenlöwe von Jelling in Anlehnung an das Runensteinoriginal vier gleichartige Beine.

 
 
Runensteinkreuz im Wappen von FrösöArmoiries Suède moderne.svg
(nach dem Runenstein von FrösönW-Logo.png aus dem 11. Jhr. gestaltet)

„Runensteinkreuz“ (Runenstein von Fröson)

Im Wappen von FrösöArmoiries Suède moderne.svg erscheint unten ein rautenkreuzartiges „Runensteinkreuz“, das einer Darstellung auf dem Runenstein von FrösönW-Logo.png folgt. Er gilt als JämtlandsW-Logo.png einziger und Schwedens nördlichster Runenstein und wird auf die Jahre 1030 bis 1050 datiert.[2] Das Wappen wurde von der Kunglig MajestätArmoiries Suède moderne.svg am 12. September 1945 angenommen.

Wappenfiguren von umstrittenen Steinen

In der neueren Heraldik sind manche Wappenfiguren den Motiven auf Steinen nachempfunden, deren Ursprung oder Funktion umstritten oder unklar ist (Bidlstein, Runenstein, Felsbild, Grabstein, Stele oder anderer Objekt?).

 
Wappen des Landkreis Börde mit dem „Reiter von Hornhausen“
 
Wappen von AdenstedtW-Logo.png mit dem „Reiter von Hornhausen“
 
„Hornhäuser Reiterstein“, der auf das 7. Jhr. datiert wird.[3]

„Reiter,/Krieger/Odin“ (Reiterstein von Hornhausen)

Beispielsweise soll es sich bei dem Reiterstein von Hornhausen angeblich um den Rest einer Chorschranke eines frühmittelalterlichen Kirchenbaues handeln; diese Annahme ist umstritten. Tatsächlich steht der auf dem Runenstein abgebildete Krieger, der die gut belegte wodanische bzw. heidnische Doppelschlangen-Chiffre überreitet, in Tradition eines Bildmotivs wie es auf den Runensteinen von Skokloster und Möbro im schwedischen UpplandW-Logo.png und auf dänischen Goldbrakteaten (z. B. Nær Køge-CW-Logo.png) vorkommt, ebenso wie auf Pressblech-Zierbildern der BrillenhelmeW-Logo.png aus der VendelzeitW-Logo.png (650-800 n. Chr).[4]

  • Die Wappenbeschreibung für das Wappen des Landkreis Börde könnte lauten: „In Rot ein reitender silberner Krieger, die gesenkte Knebellanze in der Rechten und mit einem sechsmal durch Bogenschnitt geständerten Rundschild am linken Arm den oberen Teil des gegürteten Schwertes verdeckend, der gezäumte silberne Hengst schreitend auf einer zum Mäander gewundenen silbernen Schlange, deren Kopf sich am linken Schildrand abwärts in den Schildfuß senkt (Hornhäuser Reiter)“.
  • Die Wappenbeschreibung für das Wappen von Adenstedt könnte lauten: „In Rot ein reitender silberner Krieger, die gesenkte Knebellanze in der Rechten und mit einem sechsmal durch Bogenschnitt geständerten Rundschild am linken Arm den oberen Teil des gegürteten Schwertes verdeckend, der gezäumte silberne Hengst auf goldenem gewölbtem Schildfuß schreitend (Hornhäuser Reiter)“.

Weblinks

 Commons: Runensteine in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  2. Per Andersson: Svensk vapenbok för köpingar, municipalsamhällen och landskommuner 1863-1970, Draking, Mjölby 1994, s. 36
  3. Hornhausen im frühen Mittelalter bei agisa.de, abgerufen am 11. Juli 2015
  4. Seite „Reiterstein von Hornhausen“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 16. November 2017, 16:17 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Reiterstein_von_Hornhausen&oldid=171062954 (Abgerufen: 3. Dezember 2017, 13:52 UTC)