Damaszierung (Heraldik)

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Damaszierung im goldenen Schild (Markgrafen Hachberg-Sausenberg)
Damaszierung im Wappen Sennwald, Schweiz
Wappen Michelstadt – Damaszierung im unteren Wappenfeld

Damaszierung (angelehnt an den arabischen Namen der Stadt Damaskus bzw. an die Ornamentmuster der von dort stammenden Stoffe, aus arabisch ‏دمشق‎ Dimaschq; frz.: damasquin, diapré; engl.: diapering, diapered) ist in der Heraldik

„ein auf eine größere, leere (das heißt mit keiner Figur belegte) Fläche, Farbe oder Metall gezeichneter Dessin (das ist ein „aufgebrachtes flächenfüllendes Muster“ -- Anm. der Red.), der meist in einer arabeskenhaften, damastartigen Zeichnung, in älterer Zeit auch in gekreuzten Linien, kleinen Rosetten, Punkten besteht (..) Man pflegt größere leere Flächen auf diese Art zu verzieren.“

Eduars Freiherr von Sacken: 1893[1]

„In der Heraldik heißt Damaszierung das Mustern leerer Wappenschilder oder -Felder mit Kreuz- und Querstrichen, mit Arabesken und dergleichen mehr.“

Meyers Großes Konversations-Lexikon (1906)[2]

Darstellung

Eine Damaszierung sollte nicht so aufdringlich oder stark gezeichnet sein, dass sie mit einer Wappenfigur oder einer heraldischen Variation des Feldes verwechselbar ist. Besonders gilt dies bei einer „einfach“ schraffierten Damaszierung („Feldmusterung“), die man mit mehr oder weniger komplexen Heroldsbildern verwechseln könnte. Die Damaszierung hat üblicherweise die gleiche Farbe wie der Hintergrund, nur in einem etwas helleren oder dunkleren Farbton, oder der eines der beiden Metalle Gold oder Silber.[3] Damasziert man vergleichsweise große Wappenfelder oder -flächen, insbesondere wenn andere Partien sehr kleinteilig sind, nimmt man ihnen damit die optische Schwere. Wappenflächen, die mit einer Gemeinen Figur belegt sind, werden üblicherweise nicht damasziert.

„Die Damaszierung in jetziger Form aber findet nach den besten Mustern nur da Anwendung, wo größere leere, das heißt mit keiner Figur belegte Plätze oder Flächen erscheinen, deren Einförmigkeit man durch Ausfüllung etwas zu verschönern versucht. Da solche Plätze sowohl in Farbe als auch in Metall vorkommen, so hat man zu jeder Zeit beide Arten damasziert, und tut es auch jetzt noch mit demselben Recht. Wir können somit auch dem Satz der neueren Heraldiker nicht zustimmen, die, indem sie bei der Damaszierung immer an türkische Säbel und Gewehre zu denken scheinen, behaupten, man dürfe Metalle nicht damaszieren, stellen aber wiederholt unsere Ansicht dahin auf, daß man Plätze, in denen schein eine Figur steht, vernünftigerweise nicht damaszieren sollte.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[4]

Das Regalienfeld (oder Regalienschild) wird in der Regel damasziert dargestellt.

Bedeutung und Blasonierung

Durch Damaszierungen versucht man lediglich, leere Flächen in Wappen mit flächenfüllenden Mustern und Ornamenten im Stile von ArabeskenW-Logo.png, strukturierten Schraffuren etc. zu dekorieren oder zu verzieren, sonst haben sie in der Heraldik keine weitere Bedeutung. Sie sind weder Wappenbild, noch stellen sie eine Wappenveränderung dar. Sie besitzen ausschließlich dekorativen Charakter und keinerlei heraldische Aussagekraft.

In den seltensten Fällen ist die Damaszierung Bestandteil der Blasonierung (Wappenbeschreibung). Sie unterliegt ansonsten, ähnlich wie andere Wappen-Nebenteile, nicht den heraldischen Farbregeln.

Epochen

Wappen von Percy (Beverley MinsterW-Logo.png, 1350): Die dekorierende Damaszierung mit karierten Vierpässen wird in der Wappenbeschreibung nicht erwähnt. Wo der Schild die Farbe zeigt, heißt es im Blason nur: Or, a lion rampant azure[5]

Der Ursprung der Wappendamaszierungen sind vermutlich monochrome Siegel. Um leere Felder oder Flächen in den Siegeln besser voneinander unterscheiden zu können, füllte man diese mangels Farbwiedergabemöglichkeiten mit gleichmäßigen Damaszierungen aus. Später übernahm man diese Art der Darstellung aus den Siegeln in die Wappen (sei es aus Fehlinterpretation oder weil das damaszierte Füllwerk die Wappen ästhetisch bereicherte).

„Damaszierung ist eine Erfindung der Wappenkünstler und existierte in der Form, wie wir sie jetzt kennen, bereits im 15. Jahrhundert. Sie ist unstrittig bloß eine Modernisierung der schon in den ältesten Zeiten eingeführten Ausfüllung leerer Plätze in den Schilden, durch gekreuzte Linien, Rosetten, Punkte etc. wie man sie namentlich als eine Art Bezeichnung für Unterschied von Farbe und Metall schon im 13. Jahrhundert auf Siegeln und als Dekoration in den Siegelfeldern findet.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[4]

Allgemeine ist die Art der Damaszierung dem jeweiligen Zeitgeist beziehungsweise Zeitgeschmack angepasst. Zur Zeit der Gotik (etwa um 1140 bis 1500) waren es einfache regelmäßige Figuren, wie beispielsweise gekreuzte Linien (Kreuze), Punkte, Rosetten, und Mäander. In der Renaissance (etwa 15. bis 17. Jahrhundert) war eine „lebendige“ Damaszierung sehr gebräuchlich. In dieser Zeit erschienen beispielsweise vorwiegend symmetrisch angeordnete, schwungvolle und verschnörkelte Gebilde in den ansonsten leeren Wappenfeldern. Meist waren es stilisierte Nachempfindungen von PflanzenrankenW-Logo.png, wie der RautenW-Logo.png oder der Weinpflanze.

Wappenbilderordnung

  • Damasziert wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Heroldsbilder und gemeine Figuren belegt mit Schildteilungen und Heroldsbildern unter der Nr. -293 aufgenommen.
  • Schrägnetzförmig damasziert wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Heroldsbilder und gemeine Figuren belegt mit Schildteilungen und Heroldsbildern unter der Nr. -294 aufgenommen.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Arabesken in der Heraldik (diapré) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Einführung in die Heraldik: Damaszierungen

Einzelnachweise

  1. Sacken, Eduard Freiherr von: Katechismus der Heraldik. Grundzüge der Wappenkunde. Leipzig. 1893. S. 15.
  2. Meyers Großes Konversations-Lexikon: Damaszieren. Band 4. Leipzig 1906. S. 436.
  3. A Glossary of Terms used in Heraldry (englisch) – Glossar der Begriffe in der Heraldik
  4. 4,0 4,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 9.
  5. Debrett's Peerage 1968, p.849, Duke of Northumberland arms, 1st & 4th grand quarters
  6. Eintrag zum Wappen von Damaszierung (Heraldik) in der Datenbank des Hauses der Bayerischen GeschichteW-Logo.png


Fensterraute links oben ausgebrochen.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Damaszierung_(Heraldik)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 19. April 2013 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.