Kugel (Heraldik)

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Goldene Kugel / „Besant“ (Wappen von Villar-en-Val, Frankreich)
Medici Leo XI.jpg
Coat of arms of Medici.svg

Kugel (auch Scheibe genannt) ist in der Heraldik eine Wappenfigur, die unter anderem charakterisiert wird als:

Teilweise werden in der Heraldik die Begriffe „Scheibe“ und „Kugel“ nicht synonym verwendet. Man benutzt in diesen Fällen

  • den Ausdruck Scheibe, wenn das Wappenmotiv nur in heraldischer Farbe oder nur in Metall gehalten ist;
  • den Ausdruck Kugel, wenn die „Kugelgestalt“ im Wappenmotiv erkennbar ist.

Kugeln/Scheiben mit einer bestimmten Tingierung besitzen in der Heraldik (vor allem in der englischen) Eigennamen, um das entsprechende Motiv kurz beziehungsweise mit nur einem Wort zu beschreiben. Die Eigennamen werden im Laufe der Jahrhundert in der deutschsprachigen heraldischen Literatur nicht immer einheitlich verwendet. Grob kann man sich an folgendem Schema orientieren:

Name Tinktur Farbe Andere Namen
Bezant gold.png bezant Or (Metall) Gelb dt.: Goldmünze, Besant, Bille, Pfennig, Wappenpfennig, ByzantinerW-Logo.png; engl.: coin
Bezant silver.png plate Argent (Metall) Silber dt: Ball; engl.: silver
Bezant gules.png torteau Gules (Farbe) Rot dt.: Pille, Kuchen; engl.: cake
Bezant azure.png hurt Azure (Farbe) Blau engl.: berry
Bezant sable.png pellet Sable (Farbe) Schwarz engl.: gunshot, ogress
Bezant vert.png pomme Vert (Farbe) Grün engl.: apple
Bezant purpure.png golpe Purpure (neutral) Purpur engl.: wound
Bezant fountain.png fountain Azure ir argent (neutral) Silberne Wellen auf blauem Grund engl.: fountain, sykes

Nach Georg Philipp Harsdörffer ist der Ausdruck „Kugeln“ für farbige Motive reserviert,

1537: Drei runde Schei­ben, „im Driangel ge­stellt“ (Wappen ScheibbsW-Logo.png)
Wappen derer von Bülow
Friedrichshagen Kirche 6.jpg

„(..) goldene nennt er Billen, silberne Bälle.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[1]

Maximilian Gritzner empfiehlt, „Kugeln“ nur dann als „Pfennige“, „Goldmünze“ oder ähnliches zu bezeichnen, wenn sich eine Prägung auf dem Motiv befindet:

Kugeln oder Bälle (Tafel: XXVII. Figur 24. bis 27.): diese werden, wenn sie nicht deutlich als kugelrund gezeichnet sind, vielmehr glatt aussehen, auch als Scheiben oder „Pfennige“ blasoniert. Pfennige aber sollte man sie richtiger Weise nur dann nennen, wenn wirklich, wie es allerdings vorkommt (zum Beispiel im Wappen der von Alopaeus, Rußland und vielen Anderen) irgend welche Prägung sichtbar ist.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

In der französischen Heraldik werden scheiben- bzw. diskussförmige Wappenfiguren („Kugeln“) auch folgendermaßen unterschieden:

  • besant: Immer Metall, wenn nicht anders gemeldet: in Gold. Stellt eine Medaille dar.
  • tourteau: Immer in einer heraldischen Farbe oder in Pelzwerk. Erscheint nie als Metall.
  • boule: Immer schattiert (im Gegensatz zu „besant“ und „tourteau“)

In der englischen Heraldik sind runde Scheiben häufig Beizeichen und werden mit einem Oberbegriff als roundelW-Logo en.png bezeichnet (Roundlets, Roundels).

Herkunft

Der Ursprung von kugelartigen Wappenmotive ist nicht geklärt. Sie gehören zu den ältesten überlieferten heraldischen Figuren und erscheinen auf Wappen bereits im späten 12. Jahrhundert. Man nimmt an, dass die Form den antiken Diskusscheiben nachgeahmt wurde (Johann Ehrenfried Zschackwitz). Historisch abwegig sind Spekulationen, das Motiv würde sich an Kanonenkugeln oder Gewehrkugeln anlehnen. Die Möglichkeit der Nachbildung von Münzen ist nicht ausgeschlossen.

Darstellung

Kugeln werden in Wappenschildern, Wappenfeldern und im Bord, aber auch auf anderen Heroldsbildern dargestellt. Kugeln erscheinen in Ein- und Vielzahl im Wappen (die genaue Anzahl ist zu melden).

Die Anordnung der Kugeln Wappen ist sehr unterschiedlich. Sie kann zum Beispiel eine über eine (1:1), zwei über einer (2:1), eine über zwei (1:2), zwei über zwei (2:2) und so weiter erfolgen. Pfahlweise, balkenweise, schräglinke oder schrägrechte Anordnungen sind möglich. Es sind Wappen bekannt, die eine mehrreihige Aufschichtung ohne Berührung nach oben mit abnehmender Anzahl abbilden. Auch die quadratische Anordnung 3x3, 4x4 und mehr sind verbreitet. Wie auch immer die Andordnung der Kugel zu einander erscheint, sie sollte exakt und konsistent im Blason angegeben sein.

Galerie

Wappenbilderordnung

Die Kugel wurde zusammen mit den Ausdrücken Ball und Scheibe in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Kugeln, Ringe, Kurvenschnitte unter der Nr. 0901 aufgenommen.

Abgrenzung

Kreuz mit Kugeln

Wird ein Kreuz mit Kugeln an den Armen besetzt oder laufen die Kreuzarme in Kugelform aus, ist es ein Apfelkreuz. Beim Kugelkreuz bestehen die Arme komplett aus mehreren Kugeln.

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Kugelbesetztes Kreuz
HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Kugelkreuz (Heraldik)

Durchbohrt

Wappenfiguren mit rundem Bild sind nicht immer eine Kugel. Wenn die Farbe des Wappens in dem Rund identisch ist, ist die gemeine Figur als durchbohrt zu beschreiben.

Ringe

Ringe (zwei Kreise mit unterschiedlichen Durchmesser, aber gleichem Mittelpunkt) gleichen dem Wappenmotiv Kugel, sind aber ein eigene Figur.

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Ring (Heraldik)

Kokarde

Kugelartige Motive in Wappen sollte man nicht mit Kokarden verwechseln, die auch als Roundels oder Roundlets bezeichnet werden.

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Kokarde (Abzeichen)

Weblinks

 Commons: Kugeln in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Besants nach Anzahl der Kugeln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Einführung in die Heraldik: Stellung gleichrangiger Figuren zueinander (u. a. Kugeln)

Einzelnachweise

  1. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 241.
  2. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.