Bebartet

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Bebartet
 
Roter Ziegenkopf, schwarz bebartet
(Muster nach WBO, Nr. 5232-811)
 
Bebartetes goldenes Haupt Johannes des Täufers
(Wappen KünzelsauW-Logo.png)

Bebartet[1] (auch „... mit Bart“, bärtig oder ähnlich; seltener „gebartet“[2][3][4]; lat.: barbatus; Adjektiv mit der allgemeinen Bedeutung: „barttragend“, „mit Bart versehen, bärtig, unrasiert“[5]) ist in der Heraldik ein mehrdeutiger und veralteter Fachausdruck, mit dem bei der Wappenbeschreibung Wappenfiguren bezeichnet werden,

  • die mit einem Bart oder einem bartartigen Attribut erscheinen, welche in einer anderen heraldischen Farbe als der Rest der jeweiligen Figur dargestellt sind.
    Beispiel: „schwarz bebartete, rote Ziege“
  • die gegenüber einer „unbebarteten“ Erscheinungsform beziehungsweise Expressis verbis mit Bart oder einem bartartigen Attribut darzustellen sind.
    Beispiel: „bebarter Mann“ (im Gegensatz zu einer bartlosen beziehungsweise rasierten Mann)

Bedeutung

Wie der mehrdeutige heraldische Terminus bebartet bei der Gestaltung eines Wappenaufrisses umzusetzen ist, erschließt sich daraus, mit welcher gemeinen Figur er zusammen verwendet wird (Mensch, Pflanze, Tier oder Gegenstand).

Bebartet (Menschenfigur)

1690: Haupt eines Mannes mit Bart
(Wappen Bart zu Koppenhausen; Beispiel nach Spener)

Im Jahr 1690 macht Spener im ersten, allgemeinen Teil seines heraldischen Hauptwerks „Insignium theoria“ auf das Wappen Bart zu Koppenhausen aufmerksam; es zeigt einen bebarteten Manneskopf beziehungsweise den Kopf eines Mannes mit Bart. Spener ist damit vermutlich der Erste im deutschsprachig-geprägten Wappenwesen, der das Attribut „mit Bart“ als Hinweis auf ein redendes Wappen anführt, ohne dabei den Ausdruck „bebartet“ explizit einzuführen. Erst im 18. Jahrhundert, als Speners systematischer Ansatz von heraldischen Epigonen teilweise in heraldische „Blumensprache“[6] umgemünzt wird, etabliert sich der Ausdruck „bebartet“ als heraldischer Fachterminus. Beispielsweise wird er im Jahre 1779 von Gatterer neben den Ausdruck „bärtig“ zur Erläuterung eines „bärtigen Kopfes/Hauptes“ gestellt, während Siebenkees 15 Jahre später den Ausdruck „gebartet“ ohne weiteres Synonyme anführt.

bebartet: siehe: bärtig; bärtig barbé. Caput barbatum. Tafel X. Figur 499.“

Johann Christoph Gatterer (1774)[7]

„Menschen (..) Der Kopf ist (..) gebartet, barbé, oder nicht (..)“

Johann Christian Siebenkees (1789)[3]

Bebǟrten, verb. reg. act. mit einem Barte versehen; ein fast nur allein in der Wapenkunst übliches Wort. Roth bebärtet, mit einem rothen Barte versehen.“

Adelung (1793)[8]

Im 19. und 20 Jahrhundert wird der Ausdruck unkritisch weiter verwendet, um anzuzeigen, dass eine menschliche Figur mit Bart erscheint, wobei die Bartfarbe zusätzlich angegeben werden muss, wenn der Bart andersfarbig hervorgehoben wird.

„(Bei menschlichen Bildern) kommen folgende Kunstausdrücke in Anwendung: (..) bebartet nennt man eine Figur mit Beifügung der Farbe ihres (..) Barthaares;“

Ferdinand Leopold Carl Biedenfeld (1846)[9]

bebartet, mit Bart (Mensch); frz.: barbu; engl.: bearded

Wappenbilderordnung (1990-1996)[2]

Im Kontext von menschlichen Figuren empfiehlt es sich heute, in Wappenbeschreibungen auf allzu bildhafte Ausdrücke wie „bebartet" und „gebartet“ zu verzichten und statt dessen, falls notwendig, Termini wie „mit [Bartfarbe] Bart“ beziehungsweise „ohne Bart“ zu verwenden.

Bebartet (Pflanzenfigur)

1704: Die „Bärtigen“ nennt Hönn die meist grünen Kelchblätter der heraldischen Rose

Im Jahre 1704 verwendet Georg Paul Hönn den Ausdruck „Bärtige“ für die Kelchblätter einer heraldischen Rosenfigur:

„(..) als eine rothe gantz aufgethane Rose mit gelben Saamen grün ausgeschlagen / oder mit grünen-hervorscheinenden Bärtigen (..)“

Georg Paul Hönn (1704)[10]

Die bildlichen Ausdrücke „Bärtige“ und „bebärtet/bebartet/gebartet“ sind spätestens im 19. und 20. Jahrhundert im Kontext mit der Rosenfigur in heraldischen Literatur Usus (zum Beispiel bei Querfurth, Gritzner, Oswald und in der Wappenbilderordnung des Herold).

„(..) Übrigens werden „Spitzen“ zuweilen auch jene kleinen Blätter genannt, welche zwischen den eigentlichen die heraldische Rose bildenden größeren Blättern stehen. In Figur 25 sind die länglichen grünen Blätter „Spitzen“ in diesem Sinn des Wortes; bei Hönn werden die Blätter die „Bärtigen“ genannt (..)“

Curt Oswalt Edler von Querfurt (1872)[11]

Bärtigen: (rectius wol Bärtchen) =(Querfurth S. 10) altfränkischer Ausdruck für die Kelch-Blätter der Rose (vergleiche mit bebartet (..)
Barbe: (..) =bebartet, (von den äußeren 5 Kelchblättern der Rose (..)
bebartet: von den hervorstehenden Kelchblättern der Rosen, wenn anderer Färbung (..) (man) spricht von der Rose (..) und (von den Kelchblättern) sie ist grün „gebartet“. Da Letzteres das gewöhnliche ist, so muss nur gemeldet werden, wenn die Rose „ungebartet“ ist.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[12]

Bebartet: andersfarbig tingierte Blätter der heraldischen Rose.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[13]

bebartet: Ausdruck für die hervorstehenden Kelchblättchen der Rosen, wenn andersfarbig; frz.: barbé; engl.: barbed oder bearded

Wappenbilderordnung (1990-1996)[2]

Anfang des 21. Jahrhunderts schlägt Bernhard Peter vor, den veralteten Ausdruck „bebartet“ im Kontext mit den Kelchblättern zu streichen und statt dessen in Wappenbeschreibungen die Termini „mit ... Kelchblättern“ oder „bespitzt“ zu verwenden, letzeres unter anderem weil die Kelchblätter der heraldischen Rose spätestens seit Querfurt auch „Spitzen“ genannt werden.

„Bespitzt“ (apikulat) ist ein Fachaudruck der Botanik für eine spezifische Blattspitzenform

„(..) Die korrekte Ansprache ist entweder „bespitzt“ oder „mit ... Kelchblättern“, wenn die abweichende Farbe erwähnt werden muß. Der manchmal leider zu findende Audruck „bebutzt“ ist falsch für Kelchblätter (..) Manchmal findet man den veralteten Ausdruck „bebartet“ - gemeint sind auch die Kelchblätter, manchmal sind bei den Rosen die Kelchblätter behaart, doch es reicht wohl kaum, um es als Bart wahrzunehmen. Man sollte diesen Ausdruck zwar kennen, aber wegen seiner Ungeeignetheit in Ruhe Geschichte werden lassen. „Bebartet“ sind Männerköpfe, auch Schlüssel, da gehört der Begriff von der Logik her hin. Geeignet für die Kelchblätter einer Rose sind die Begriffe „bespitzt“, weil das genau die optisch wahrnehmbare und typische Form wiedergibt, oder "mit ... Kelchblättern", weil das der botanischen Realität entspricht.“

Bernhard Peter (2009-2011)[14]

Da der Begriff „Spitze“ in der Heraldik gewöhnlich bei einem speziellen Heroldsbild gebräuchlich ist, die Kelchblätter nicht nur „Spitze“, sondern auch „Kelchzipfel“ oder ähnlich genannt werden und der botanische Fachausdruck „bespitzt“ eine besondere Bedeutung hat, die nicht mit einem Kelchblatt übereinstimmen muss, ist dieser Ausdruck ebenfalls nicht zur Beschreibung der heraldischen Kelchblätter geeignet; statt dessen empfiehlt es sich, falls notwendig, nur die Termini „mit [Anzahl] [Farbe] Kelchblätter“ beziehungsweise „ohne Kelchblätter“ zu verwenden.

Bebartet (Gegenstandsfigur)

Muster: Roter Schlüssel, golden bebartet

Der Ausdruck „bebartet“ kann bei der Wappenbeschreibung sinnvoll verwendet werden, wenn ein heraldisches Motiv tatsächlich mit oder ohne „Bart“ beziehungsweise mit einem „andersfarbigen Bart“ in einem Wappen erscheint. Beispielsweise kann grundsätzlich ein Schlüssel mit oder ohne „(Schlüssel)Bart“ in einem Wappen erscheinen; auch kann ein „roter Schlüssel golden bebartet“ sein et cetera.

Bebartet (Tierfigur)

Ähnliches gilt, wenn eine Tierfigur ausdrücklich mit oder ohne „Bart“ beziehungsweise mit einem „andersfarbigen Bart“ in einem Wappen aufgerissen wird. Beispielsweise kann man Ziegen- oder Einhornfiguren mittels der Ausdrücke „bebartet“ respekive „unbebartet“ einen Ziegen-/Einhornbart zu- oder absprechen; auch kann eine „goldene Ziege rot bebartet sein“ sein et cetera.

bebartet, mit Bart (Ziege); frz.: barbé(e); engl.: bearded

Wappenbilderordnung (1990-1996)[2]

Im 19. Jahrhundert legt Pierer's Universal-Lexikon nahe, den Ausdruck „bebartet/bebärtet“ auch für die Kehllappen von Hahnfiguren zu verwenden:

Bebärtet (Heraldik), von Hähnen, deren Bärte von anderer Farbe sind, als die Figuren.“

Pierer's Universal-Lexikon (1857)[15]

Diese Sprachgebrauch ist veraltet beziehungsweise konnte sich in der heraldischen Literatur nicht durchsetzen. Statt dessen sind die Termini „[Farbe] gelappt/nicht gelappt“ beziehungsweise „[Farbe] kehlig“ gebräuchlich.

Wappenbilderordnung

  • (Ziege) mit Bart' wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Notwendige Teile ganzer Figuren bei andersfarbiger Darstellung unter der Nr. -811 aufgenommen.
  • (Mensch) bebartet' wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Notwendige Teile ganzer Figuren bei andersfarbiger Darstellung unter der Nr. -812 aufgenommen.
  • (Blume) bebartet' und gebartet gebwurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Notwendige Teile ganzer Figuren bei andersfarbiger Darstellung unter der Nr. -836 aufgenommen.

Einzelnachweise

  1. Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Bebarten. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Wappenbilderordnung. Symbolorum armorialium ordo, hrsg. vom Herold - Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften zu Berlin. Bearb. von Jürgen Arndt und Werner Seeger, 2 Bde, 2. ergänzte u. berichtigte Aufl., Neustadt a. d. Aisch 1990-1996 (kurz: WBO). Bd. 1.: Wappenbilder; Bd. 2: General-Index.
    Editorische Notiz: Zugleich Neubearbeitung des Handbuchs der heraldischen Terminologie von Maximilian Gritzner (Einleitungsband, Abt. B des Neuen Siebmacherschen Wappenbuches, Nürnberg, 1890). Band 2. gebartet: S. 40; bebartet: S. 41
  3. 3,0 3,1 Siebenkees, Johann Christian: Erläuterungen der Heraldik als ein Commentar über Herrn Hofrath Gatterers Abriss dieser Wissenschaft. 1789. § 67. S. 80
  4. Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Gebartet. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).
  5. Dudenredaktion (o. J.): „bebartet“ auf Duden online. URL: www.duden.de. Abrufdatum: 16. März 2017.
  6. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. ISBN 978-3-411-02149-9. S. 372.
  7. Gatterer, Johann Christoph: Abriß der Heraldik oder Wappenkunde (..) Nürnberg. Raspe. 1774. S. 86 und 85
  8. Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart: Bebärten. Band 1. Leipzig 1793. S. 774.
  9. Biedenfeld, Ferdinand Leopold Carl: Die Heraldik, oder Populäres Lehrbuch der Wappenkunde (..) als Anhang zu desselben Verfassers Ritterordenswerk: mit lithographirten Figuren und illuminirten Bildertafel. 1846. S. 35
  10. Hönn, Georg Paul: Des Chur- und Fürstl. Hauses Sachsen Wappens- und Geschlechts-Untersuchung: vorgenommen Und zu mehrer Erläuterung so wohl des hievon in Kupffer gebrachten Stamm-Baums als auch Derer bey solchen und in diesem Wercke befindlicher vieler alter und neuer Wappen-Abrisse herausgegeben. Pfotenhauer. 1704. S. 60.
  11. Querfurt, Curt Oswalt Edler von: Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. Nördlingen: Beck. 1872. Neudruck: Wiesbaden: M. Sändig. 1969. Seite 10 und Seite 146
  12. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 108, 199, 200, 201
  13. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. ISBN 978-3-411-02149-9. S. 57.
  14. Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Die heraldische Rose. Internet. Erstellt: 2009-2011. Abgerufen: 20. Dezember 2017
  15. Pierer's Universal-Lexikon: Bebärtet. Band 2. Altenburg 1857. S. 457.