Reiterstein von Hornhausen

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In der Früh-/Blütezeit des Wappenwesens sind Wappenfiguren, die den Hornhäuser Reiter darstellen, nicht gebräuchlich.
DeutschlandDeutschland Wappen, mit dem Reiter des Hornhäuser Reitersteins
 
Wappen von AdenstedtW-Logo.png
 
„Hornhäuser Reiterstein“, der auf das 7. Jhr. datiert wird.[1]
Von Silber und Rot sechsmal durch Bogenschnitt geständert (Wappen derer von Rockhausen
Reiterstein von Hornhausen
Briefmarke der DDR 1970W-Logo.png

Die bildliche Darstellung eines Reiters auf einer Steinplatte namens Reiterstein von Hornhausen (auch Hornhäuser Reiterstein genannt), die auf das 7. Jahrhundert datiert wird, hat als eigenständige gemeine Figur Eingang in die neuere Heraldik gefunden.[1]

Darstellung in der Heraldik

Der „Hornhäuser Reiter“ erscheint

  • seit 1954 im Wappen von AdenstedtW-Logo.png im Landkreis Peine. Er steht dort vorgeblich für den germanischen Göttervater Wotan beziehungsweise OdinW-Logo.png, der in einer alten Sage von Adenstedt eine Rolle spielt. Die Sage bezieht sich auf die Hügelgräber im Adenstedter Lah.[2]
  • im Wappen des am 1. Juli 2007 gegründeten Landkreises BörneW-Logo.png[3]

Die Familie von RockhausenW-Logo.png führt im Wappen eine von Silber und Rot sechsmal im Bogen­schnitt gestaltete Ständerung (die sogenannte Schneckenständerung). Das Wappen ähnelt dem Schild des Hornhäuser Reiters. Dass der Hornhäuser Reiterstein einen frühen fränkischen Vorfahren der Familie von Rockhausen zeigt, ist zwar denkbar, kann aber ohne zweifelsfreie Beweise nicht ernsthaft in Betracht gezogen werden.

Geschichte

Das Original des Reitersteins von Hornhausen befindet sich im Besitz des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-AnhaltW-Logo.png in Halle (Saale), eine Kopie wurde in die Südwand des Turmes der HornhäuserW-Logo.png St.-Stephanus-Kirche eingelassen. Bei dem Reiterstein handelt es sich angeblich um den Rest einer ChorschrankeW-Logo.png eines frühmittelalterlichen Kirchenbaues. Diese Darstellung ist umstritten. Da der Reiterstein stilistisch und motivisch in den nordgermanischen Bereich weist, ist der Schluss erlaubt, in ihm den Grabstein eines Sachsen zu erblicken, der von den Franken 531 im Nordthüringgau zwischen Bode und Ohre angesiedelt wurde[4].

Entdeckung

Der Reiterstein von Hornhausen wurde 1874 beim Pflügen eines Ackergrundstücks in der Nähe des Ortes gefunden. Die Finder der Steinplatte, die Bauern Friedrich und Christoph Dietrich, nutzten den Stein als Eingangsplatte zu ihrem Kuhstall. Erst 1912 erfuhr die Fachwelt von diesem Bildstein, und das Museum Halle begann 1913 mit systematischen GrabungenW-Logo.png. In deren Verlauf wurden in den Jahren 1923–1925 insgesamt 63 Gräber entdeckt.

Beschreibung

Stein von Skokloster; das schwedische Gegenstück

Der Stein stellt vermutlich einen fränkischenW-Logo.png Krieger des 7. Jahrhunderts dar. Im Mittelfeld ist der Reiter mit Helm, Schild, Schwert und FlügellanzeW-Logo.png dargestellt. Darunter ist eine Schlange mäanderartigW-Logo.png angeordnet, über die das Pferd hinwegschreitet. Darunter sind wiederum zwei verflochtene Tiere dargestellt. Über dem Reiter befindet sich ein waagerechtes FlechtbandW-Logo.png, wie es vor allem gotländische BildsteineW-Logo.png zeigen.

Der Stein als Reiterdarstellung hat Parallelen auf den viel älteren Runensteinen von MöjbroW-Logo.png einem der Runensteine der Ålum KirkeW-Logo.png, dem Runenstein U 855 von „Balingsta prästgårdW-Logo.png“ und dem Runenstein von SkoklosterW-Logo.png im schwedischen Uppland (sh. Bild). Aber während der thüringische Reiter einen Schild mit einer WirbelraddarstellungW-Logo.png trägt (die eigentlich für den Norden typisch ist), hat der uppländische Reiter gar keinen und der ältere einen unverzierten Schild.

Der Reiterstein von Hornhausen soll Teil einer Altarschranke gewesen sein, doch der dargestellte Krieger, der die gut belegte wodanische bzw. heidnische Doppelschlangen-Chiffre überreitet, steht in Tradition eines Bildmotivs wie es auf den Runensteinen von Skokloster und Möbro im schwedischen UpplandW-Logo.png und auf dänischen Goldbrakteaten (z.B. Nær Køge-CW-Logo.png) vorkommt, ebenso wie auf Pressblech-Zierbildern der BrillenhelmeW-Logo.png aus der VendelzeitW-Logo.png (650-800 n. Chr). Unmöglich ist, nach frühchristlicher Sitte, dass rein heidnische Motive vor dem Altar ihren Platz fanden. Dafür war oftmals im Bildwerk des TympanonW-Logo.png Raum gegeben und zuweilen bei den Taufsteinreliefs, um dem Täufling zu demonstrieren, wem er abzuschwören hatte.

Paraheraldik

Die als ScherenschnittW-Logo.png stilisierte Darstellung des Hornhäuser Reiters dient dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt als Logo.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Hornhausen im frühen Mittelalter bei agisa.de, abgerufen am 11. Juli 2015
  2. Arnold Rabbow: Neues braunschweigisches Wappenbuch, Braunschweig 2003, S. 144.
  3. Artikel vom 18. Juli 2007 in der Volksstimme Magdeburg.
  4. R. Schwarz: Des Kriegers letzter Ritt nach Walhall In. In: Landesmuseum für Vorgeschichte (Hrsg.): Schönheit Macht und Tod. 120 Funde aus 120 Jahren Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. Landesamt für Archäologie, Halle (Saale) 2001. ISBN 3-910010-64-4 S. 58

Weblinks


Fensterraute links oben ausgebrochen.png Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Reiterstein_von_Hornhausen“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 03. Dezember 2017 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.