Pahonja (Heraldik)
Pahonia | |
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Versionen | |
![]() Vytis (Litauen) | |
![]() Pogon Ruska ![]() | |
Details | |
Benutzung | Weißrussland/Belarus![]() Weißrussische Volksrepublik ![]() |
Wappenschild | In Rot ein angreifender silberner schwertschwingender Ritter auf silbernem Pferd, einen silbernen Schild führend, der ein goldenes Kreuz mit zwei Querbalken zeigt (Doppelkreuz). |
Vorgänger- version(en) |
![]() Großfürstentum Litauen ![]() |
Farben im Schild | |
Rot, Silber, Gold |
Das Pahonia (weißruss. Пагоня) ist ein Wappenmotiv von Weißrussland
in einem historischen Wappen von besonderer politischer Bedeutung. Der Begriff kann mit „Verfolgung“[1] übersetzt werden.
Es zeigt in Rot einen angreifenden schwertschwingenden silbernen Ritter auf silbernem Pferd, einen silbernen Schild führend, der ein goldenes Kreuz mit zwei Querbalken zeigt.
Geschichte
Schon auf Siegeln waren Pferde und Reiter beliebt. Heraldisch wird das Wappen in die Gruppe zu den Reitern mit Schwert gezählt. Seit dem 14. Jahrhundert ist es fast mit dem Litauischen Wappen des Großfürstentums identisch, was durch die gleichen Wurzeln erklärt werden kann. Bereits aus Byzanz ist das Doppelkreuz durch die Europäer im 7. Jahrhundert übernommen worden und im Rus fand es ab dem 12. Jahrhundert seine Verbreitung. Es zählt zu den älteren Wappenbildern in Europa. Die Kreuzform, gleiche und unterschiedliche Kreuzarme, prägten über die Zeit das Aussehen. Das Patriarchenkreuz war der Ausgang. Bis auf Kleinigkeiten glich es dem ungarischen Doppelkreuz im Königswappen der Anjou
-Dynastie und gelangte später durch Heirat der Prinzen von Anjou ins Wappen von Neapel (Königreich) und Lothringen.[1]
Datieren lässt sich das Wappensymbol auf etwa 1366, da es auf den Waffen des Großherzogs Algirdas abgebildet war.
Als das Zarenreich 1917 zusammenbrach, wurde in Minsk die Belarussische Volksrepublik
errichtet, die allerdings nur acht Monate Bestand hatte und den Reiter, wie auch die Fahne in den Farben weiß-rot weiß führte.
Die Nationalisten, die während des Zweiten Weltkriegs mit den deutschen Besatzern kollaborierten, nutzten ebenfalls dieses Symbol, was am Siegel des Weißruthenischen Zentralrates
erkennbar ist.
Verwendung Großfürstentum Litauen/Litauen
Im litauischen Staatswappen (das Symbol wurde übernommen unter den Namen Vytis, der Held, Großfürstentum Litauen) ist das Zaumzeug des Pferdes in Blau. Geführt wurde das Wappen 1926–1940 und 1990/91.
Verwendung seit 1991
1991 führte der Oberste Belarussische Sowjet das Pahonja-Symbol wieder als Staatswappen ein. 1995 wurde auf Vorschlag des Präsidenten Aljaksandr Lukaschenka nach einem umstrittenen Referendum eine neue Staatsfahne und ein neues Wappen eingeführt. Seitdem ist Pahonja sowie die weiß-rot-weiße Flagge zu Symbolen der Opposition geworden.
1992: Banknote
der Belarussischen Nationalbank (50 kapiejkas/Kopeken), Rückseite
Verwendung als Ortswappen
Auf den Wappen folgender Orte ist das Wappenmotiv der Pahonja abgebildet:
Białystok
, Polen
Brańsk
, Polen
Welisch
, Russland
Werchnjadswinsk
, Belarus
Isjaslaw
, Ukraine
Lepel
, Belarus
Lipnischki
, Belarus
Mahiljou
, Belarus
Newel
, Russland
Puławy
, Polen
, Retschyza
, Belarus
Sebesch
, Russland
Siedlce
, Polen
Pahonia als politisches Symbol
Das Pahonia/Pogoń wurde von mehreren politischen Bewegungen auf dem Territorium des ehemaligen Großherzogtums Litauen und im heutigen Belarus benutzt (zum Beispiel als Emblem/Logo der Partyja BNF).
Emblem des Januaraufstands
- Лагатып Партыі БНФ.jpg
Emblem/Logo der Partyja BNF
Siehe auch
Literatur
- Helmut Altrichter
, Elisabeth Müller-Luckner (Hrsg.): GegenErinnerung. Geschichte als politisches Argument im Transformationsprozeß Ost-, Ostmittel- und Südosteuropas (= Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien. 61). Oldenbourg, München 2006, ISBN 3-486-57873-1.
- Regina Fritz, Carola Sachse
, Edgar Wolfrum
(Hrsg.): Nationen und ihre Selbstbilder. postdiktatorische Gesellschaften in Europa (= Diktaturen und ihre Überwindung im 20. und 21. Jahrhundert. Bd. 1). Wallstein-Verlag, Göttingen 2008, ISBN 978-3-8353-0212-9.
- Elena Temper: Belarus verbildlichen. Staatssymbolik und Nationsbildung seit 1990 (= Visuelle Geschichtskultur. Bd. 7). Böhlau, Wien u. a. 2012, ISBN 978-3-412-20699-4 (Zugleich: Leipzig, Universität, Dissertation, 2009).
Einzelnachweise
- ↑ Hochspringen nach: 1,0 1,1 Dietrich Beyrau
, Rainer Lindner (Hrsg.): Handbuch der Geschichte Weissrusslands. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-36255-2.
Weblinks
Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Pahonja_(Heraldik)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 02. Oktober 2017 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0 oder einer adäquaten neueren Lizenz. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.