Wurst (Heraldik)

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Muster: Wurst
(nach WBO, Nr. 9222)
Rote und weiße Würste auf einem Rost
1436: Metzger (Fleyschhacker, Fleischhacker), im Hintergrund: aufgehängte Würste
(hans [Hans] lengenfelder [Lengenfelder]

Wurst (mnd.W-Logo.png: Worst; regional auch Worscht, Wulst, Bausch, Falte, Rolle, (veraltet) Puff, diminutiv Würstchen, Würstlein oder ähnlich genannt; frz.: saucisson; engl.: sausage) ist in der neueren Heraldik eine seltene gemeine Figur. In der Früh-/Blütezeit des Wappenwesens ist die Darstellung einer Wurst kein gebräuchliches heraldisches Motiv.

Darstellung

Die gemeine Figur Wurst ist nur wenig heraldisch stilisiert dem länglichen, gewöhnlich gebogen abgebundenen, gleichnamigen Fleischprodukt nachempfunden (meist eine Paste aus Tierfleisch in einem Tierdarm, siehe → „Wurst“W-Logo.png). Im Normalfall sind der Enden der Wurstfigur nach heraldisch rechts gerichtet. Erscheint das Motiv in Form eines halben oder ganzen konzentrischen „Wurstrings“ oder in Form von mehreren, aneinandergeketten Würsten („Wurstkette“) oder als Aufschnitt, so ist dies zu melden. Gewöhnlich ist Figur in Ein- oder Zweizahl beziehungsweise als Nebenfigur dargestellt, selten oder gar nicht in Mehrzahl. Bei mehreren Wurstfiguren in einem Wappen sollte die genaue Stellung zueinander erläutert werden (zum Beispiel: „drei Würste 1:2“, „zwei abgewendete Würste“ et cetera). Alle heraldisch üblichen Farben und Metalle sind erlaubt; Rot wird zum Einfärben des Motivs bevorzugt. Da das Motiv selten in Wappen erscheint, gibt es im Übrigen keine expliziten heraldischen Vorgaben, außer jene, die allgemein für gemeine Figuren gelten.

Wurst als heraldische Spott-/Schimpf-/Parodiefigur

Die Figur „Wurst“ erscheint seit der Blütezeit des Wappenwesens bis heute gewissermaßen als heraldische Spott-/Schimpfparodie, wobei sie nicht zwingend abwertenden Charakter hat, sondern indirekt die Bedeutung des Wappenwesens bestätigt, sogar eine Hommage für Wappen sein kann. Sie wird beispielsweise als „Leberwurst“ (neben Haberstroh, Futtersack und Sauerkoch) derb-komisch in dem satyrischen Ehren-/Spottlied „Von hern Ginnolf (Gumolf/Sumolf) Lappen von Ernwicht“ des „Wappendichters“ Peter Suchenwirt (* um 1320; † nach 1395) in ein Wappen hineingedichtet:

„(..) und daz ich chünd der wappen schein
von leberwürsten ist der rant
ein futtersakch in rant pant
in einem schilt ein (von?) habestro (..)“

Zwischen 1350 und 1395: Peter Suchenwirt (zitiert nach Gustav Adelbert Seyler, 1857)[1]

Am 28.12.1540 greift Hans SachsW-Logo.png in „Das wappen der vollen brüder“ womöglich die Parodie von Peter Suchenwirt auf und bringt die „Bratwurst“ als heraldische Spott-/Schimpf-Figur ins Spiel.[2] Und selbst zu Zeiten des Internets (2013) scheint die Wurst als heraldische Parodiefigur geeignet zu sein. Zumindest dichtet die freie Humor- und Satire-Enzyklopädie Stupidea einem fiktiven Ort namens Hausmach im Schwarzwald ein Spottwappen mit der Figur „Wurst“ an (in Anspielung auf die Hausmacher FleischblutwurstW-Logo.png bzw. Hausmacher MettwurstW-Logo.png).

Symbolik

  • Innerhalb der Heraldik ist die Figur Wurst als redendes Symbol gebräuchlich (zum Beispiel in Wappen von Familien mit dem Namen Wurst, Wurstissen oder ähnlich).
  • Außerhalb der Heraldik kann das Symbol Wurst als Zunftzeichen oder als Parawappen in vereinzelten Fällen Bezug auf die Metzgerzunft nehmen. Entsprechende Zunft-/Schmuckschilde, Werbeflächen und Fassadenschmuck mit Wurstmotiven sind als Kennzeichen der Zunft ab und an im Gebrauch.

Wappenbilderordnung

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Wurst in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Wurst – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Seyler, Gustav Adelbert: Geschichte der Heraldik. Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft. In: J. Siebmachers großes Wappenbuch. Band A. Repgrografischer Nachdruck der Ausgabe Nürnberg 1885-1889 (1890). Neustadt an der Aisch. 1970. S. 335.
  2. Cain Van D'Elden, Stephanie: Parodies of coats of arms by Peter Suchenwirt and Hans Sachs. In: Neuphilologische Mitteilungen. Vol. 81. No. 1 (1980). Seiten 69-75.