Tibetische Siegel

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Als tibetische Siegel bezeichnet man sowohl die Siegelstempel (diese könnte man auch mit dem aus dem Slavischen stammenden Begriff als "Petschaft" bezeichnen), als auch die zugehörigen Siegelabdrücke. Siegelabdrücke dienten als Beglaubigungsmittel für tibetische Urkunden und als Äquivalent für die in der westlichen Welt gebräuchliche Unterschrift am Ende eines Briefes. Belegt ist auch der Gebrauch von Abdrücken auf Siegellack zum Verschluss von Briefen.

Die Entstehungsgeschichte des Siegelgebrauchs in Tibet ist noch nicht erforscht. Der frühe Gebrauch von Siegeln zur Zeit der Yar-lung-Dynastie ( 7. – 9. Jahrhundert n. Chr.) ist nachgewiesen.

Im Laufe ihrer Geschichte entwickelten die Tibeter ihre eigenen Siegelformen und gebrauchten verschiedene einheimische oder aus Indien stammende Zierschriften.

Forschungsgeschichte

Teilvergoldetes Siegel mit Griff aus Holz
Siegel mit ‘Phags-pa Schrift. Sonne und Mond-Symbol auf oberem Rand

Die ersten Tibetforscher, die sich mit dem Entzifferen von offiziellen tibetischen Siegeln befassten, waren der deutsche Missionar und Tibetforscher A.H. Francke sowie die Engländer Walsh and Wadell. Als Grundlage ihrer Entzifferungsversuche dienten ihnen eine frühere Veröffentlichung von Sarat Chandra Das, die sich mit verschiedenen Tibetischen Schriften befasste, unter anderem auch mit der ‘Phags-pa Schrift, die häufig auf offiziellen Siegeln benutzt wird. Reverend G. Tharchin veröffentlichte 1956 ein Buch, in welchem offizielle tibetische Siegel besprochen werden. Die systematische Erforschung und vollständige Lesung der oft dreisprachigen (Tibetisch, Chinesisch und Mandschurisch) offiziellen Siegel gelang dem deutschen Tibetologen Dieter Schuh. Es folgten Arbeiten von Tibetischen und Chinesischen Forschern über offizielle Siegel. Dagegen sind die zahlreichen Privatsiegel und diejenigen, die in Klöstern und untergeordneten Regierungsämtern Verwendung fanden, bisher noch wenig erforscht und publiziert.

Gebrauch Tibetischer Siegel

Vergoldetes Eisensiegel, sehr kunstvoll durchbrochen gearbeitet
Eisensiegel mit gaviertem Dekor

Die ältesten bekannten Siegelabdrucke befinden sich auf tibetischen Dokumenten, welche an verschiedenen Orten in chinesisch Turkestan (heute Provinz Xinjiang) entdeckt wurden, vor allem diejenigen, die aus einem Buddhistischen Höhlentempel von Dunhuang stammen. Diese Dokumente gehen überwiegend auf die Zeit des späten 8. Jahrhunderts bis zur Mitte des 9. Jahrhunderts zurück, als weite Teile von chinesisch Turkestan von Tibet besetzt waren. Da der weitaus grösste Teil der Bevölkerung Tibets schreibunkundig war, dienten Siegel anstelle einer Unterschrift.

Offizielle Siegel

Ehemals vergoldetes Eisensiegel mit Wolken-Dekor
Quadratisches Eisensiegel, das als Ring benutzt warden konnte

Seit der Zeit der Yuan Dynastie verliehen chinesische Kaiser zahlreichen tibetischen Potentaten Siegel, die meist aus edlen Materialien wie Gold, Silber, Jade oder Elfenbein gefertigt waren. Beeindruckend durch ihre Grösse und kunstvolle Gestaltung der Inschriften sind vor allem die Siegel die Panchen- und Dalai Lamas sowie diejenigen, welche Regenten verliehen wurden.

Kloster- und Privatsiegel

Eisensiegel mit ‘Phags-pa Inschrift
Privates Siegel mit Bronzegriff; der obere Teil mit Fungus-Dekor. Vorbild ist der Pilz Ganoderma lucidum
Privatsiegel mit Aufschrift in dbu can, Sonne und Mondsymbol auf dem oberen Rand

Daneben kamen Kloster- und Privatsiegel in Gebrauch, um Dokumente wie Kauf- oder Schenkungsvertraege zu siegeln. Privatsiegel sind gewoehnlich aus Eisen gefertigt, oder aus getriebenem Silberblech, das einen Zylinder bildet, in welchen eine runde Eisenplatte mit der Siegelaufschrift eingelassen wird. Klostersiegel sind meist aufwendiger gestaltet. Sie können einen fein geschnitzten Holz- oder Elfenbeingriff besitzen, in welche eine quadratische Eisenplatte eingefügt wird oder sie können ganz aus Metall gearbeitet sein, wobei der Griff oft in komplizierter Schmiedearbeit mit durchbrochenen Ornamenten hergestellt ist. Die Verwendung von Eisen als Material für die Siegelherstellung ist eine Eigenheit Tibets, die sich nur wegen des trockenen Hochlandklimas, das kaum Korrosion hervorruft, entwickeln konnte.

Siegelaufschriften

Teilvergoldeter Siegel mit fein geschnitztem Holzgriff
Eisensiegel mit Aufschrift in Lantsa, in ornamentalen Rahmen gesetzt
Vergoldetes Eisensiegel mit Lotusblüten-Dekor im unteren Teil

Die offiziellen von China verliehenen Siegel sind oft dreisprachig mit drei verschiedenen Schriften: Tibetische Schrift, Chinesische Schrift und Mandschurische Schrift. Privat- und Klostersiegel verwenden im Allgemeinen nur Tibetisch, das jedoch in verschiedenen Schriftarten erscheint. Auf Klostersiegeln, die meist quadratisch sind, findet man vor allem die von Phagspa im 13. Jahrhundert entwickelte Quadratschrift, die auch nach dem Erfinder Phagspa-Schrift genannt wird. Daneben kommen ornamentale Schriften wie Lantsa (Ranjana) vor. Auf den meist runden, gelegentlich auch quadratischen Privatsiegen findet man meistens die Tibetische dbu-can Schrift, die oft in Abkürzung den Namen des Siegelbesitzers wiedergibt. Manche Privatsiegel besitzen keine Inschrift und zeigen stattdessen nur ein glückbringendes Symbol, das oft eines der acht Buddhistischen Symbole (Ashtamangala) ist. Runde Privatsiegel zeigen meist ein Sonnen- und Mondsymbol oder drei Punkte am Rand. Letztere stellen wohl das Buddhistische Symbol Triratna (dreifacher Juwel, drei Juwelen, Tibetisch dkon mchog gsum) dar, das Buddha, Sangha (die Mönchsgemeinschaft) und Dharma (die Lehre) bezeichnet. Diese Symbole zeigen dem schriftunkundigen Besitzer an, welches der obere Bereich des Siegels ist und verhüten damit, dass der Siegelaufdruck kopfstehend erscheint. Die Siegel wurden mit roter (nur bei den Siegeln der höchsten Würdenträger wie Dalai Lamas und Panchen Lamas) oder schwarzer Farbe auf das Dokument aufgedruckt. Siegelwachs oder Siegellack wurde nur gelegentlich zum Verschließen von Dokumenten zum Versand benutzt, nicht jedoch, um dem Dokument Autorität zu verleihen. Der häufige Gebrauch dieser Substanzen nach westlicher Art kam erst nach 1900 in Mode, nach der Einrichtung des tibetischen Postsystems, als Briefe mit Siegellack verschlossen und der Lack mit einem privaten Siegelaufdruck versehen wurde. Siegelabdrucke in Ton wie sie bei Tibets sűdlichen Nachbarn, Indien und Nepal, vorkommen, sind aus Tibet nicht bekannt.

Bibliographie

JRAS = Journal of the Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland, London

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Dies ist wohl die erste wissenschaftliche Veröffentlichung der ‘Phags-pa Schrift, die im Tibetischen hor yig (“Mongolische Schrift”) heisst. Sie wurde im 13. Jahrhundert vom Sakya-Herrscher Phags-pa (´Phags-pa Pandita [´phags pa blo gros rgyal mtshan (1235-1280 A.D.)]) ersonnen. (Siehe Das´ Schrift-Tafeln V und VII). Die Veroeffentlichung von Das diente A.H. Francke als Grundlage zum Entziffern der Inschrift eines Dalai Lama -Siegelabdrucks.

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  • Wadell, Austine L.: “Seal of the Dalai Lama”, JRAS, 1911, pp. 206-207.
  • Walsh, E.H.: “Examples of Tibetan Seals”. JRAS, January 1915, pp. 1-15.
  • Walsh, E.H.: “Examples of Tibetan Seals: Supplementary Note”. JRAS, July 1915, pp. 455-459.

Interne Links

Weblinks

 Commons: Tibetische Siegel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Tibetische_Siegel“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 15. April 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.