Siegelkapsel

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3. Jhr.: Römische Siegel­kapseln
(Museum LauriacumW-Logo.png, Enns/Ober­öster­reich)
1578: Hölzerne Siegelkapsel mit Siegel
 
offen
 
geschlossen
(Siegel Adelsdiplom von Rudolf II.
1859: Bronzene Siegelkapsel (Ritterstandsdiplom von Franz Joseph I. für Franz [Ritter von] Pitha [1810-1875])

Eine Siegelkapsel (Siegelbox; früher mißverständlich BulleW-Logo.png genannt;[1] englisch seal box) ist eine aus Holz, Metall, Horn, Leder oder einem ähnlichem Material gefertigte Schutzhülle, ein Siegelbehälter beziehungsweise eine „Büchse mit Deckel“[2] für Siegel.

Funktionsweise

Insbesondere in der römischen Zeit nach Christus wurden Siegelkapseln verwendet, um die Siegel an Dokumenten wie etwa an WachstafelnW-Logo.png oder die „Siegeln auf Stoff- oder Lederbeuteln, in denen größere Geldsummen transportiert oder gar verschickt wurden“, zu schützen (vgl. Colin Andrews)[3][4]

Der Boden der Siegelkapsel ist mittels eines Scharniers mit einem Deckel verbunden. Im Boden und an den Seiten der Siegelkapsel befinden sich Löcher. Durch diese kann eine Schnur geführt werden, um die Siegelkapsel beispielsweise mit einer geschlossenen zwei- oder dreiteiligen Wachstafel zu verschnüren und innerhalb der Siegelkapsel zu verknoten. Anschließend wird der Boden der Siegelkapsel, in der sich der Knoten befindet, mit Siegelwachs/Siegellack gefüllt, mit einem Siegelring abgestempelt und der Deckel der Kapsel verschlossen. Auf diese Weise war das Siegel geschützt, fest mit einem Objekt wie einer Wachstafel oder einem Beutel verbunden und konnte jederzeit durch das Aufklappen der Siegelkapsel eingesehen werden. Das Lesen der Botschaft einer Wachstafel war indessen nur möglich, wenn man die Versiegelung zerstörte (beispielsweise durch Durchschneiden der Schnur).

Darstellung

Siegelkapseln sind oft aufwendig verziert. Ihre Formen sind unterschiedlich, wobei Andrews folgende Grundformen bestimmt:[3]

  • birnen-/tropfen-/beutelförmig (englisch piriform)
  • quadratisch (englisch square)
  • kreisförmig, rund (englisch circular)
  • rautenförmig (englisch lozenge)
  • mandorlaförmig/oval (englisch vessica)
  • und andere (wie blattförmig etc.)

Rautenförmige Siegelkapsel

Rautenförmige Siegelkapseln werden in der Literatur bevorzugt auf die Jahre 40 bis 410 nach Christus datiert.

Weblinks

Literatur

  • Alex R. Furger; Maya Wartmann; Emilie Riha: Die römischen Siegelkapseln aus Augusta Raurica. Augusta Raurica, August 2009, ISBN 978-3-7151-0044-9, (Forschungen in Augst 44).
  • Walter Pillich: Die Siegelkapsel aus Holz, ihre Verwendung in der Reichskanzlei. In: Genealogica et heraldica: 10. Internationaler Kongreß für genealogische und heraldische Wissenschaften: Kongressberichte. Wien, Verlag der Wiener Medizinischen Akademie. 1972. Volume 2. S. 609-610.
  • Ton Derks; Nico Roymans: Siegelkapsel und die Verbreitung der lateinischen Schriftkultur im Rheindelta. In: Kontinuität und Diskontinuität. Germania inferior am Beginn und am Ende der römischen Herrschaft. Berlin, New York. 2003. ISBN 3-11-017688-2. S. 242 ff.

Einzelnachweise

  1. Lemma Siegel. In: Pierer's Universal-Lexikon, Band 16. Altenburg 1863, S. 60-62.
  2. Krünitz, J. G.: Siegelkapsel. In der Oeconomischen EncyclopädieW-Logo.png. 1773-1858. Band 154: Sieda-Sklave; erschienen: 1831
  3. 3,0 3,1 Colin Andrews: Roman Seal-Boxes in Britain. Archaeopress, Oxford 2012, ISBN 978-1-4073-1041-1.
  4. Eva Luise Wittneben: Römische Geschichte in europäischer Perspektive: Handlungsorientierte Unterrichtskonzepte für den Geschichtsunterricht. Stuttgart. 2015. ISBN 3-17-025894-5. S. 33