Sester

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(Heraldische) Sester
 
1. Ausprägung
(Plittersdorf, Rastatt)
 
2. Ausprägung
(Gaggenau)

Der Sester (auch sestier, setier, cestier, sester, setiere, sextiere, sextier, sextere, sestier, sestiere, sestaire, sesterot, sesterium, septarius, septerium genannt) ist in der Heraldik eine gemeine Figur. Die Bezeichnung der Figur leitet sich vom lateinischen „sextarius“ ab.

Darstellung

 
Symbole/Zeichen für Salz (1755/83)
 
Der Gegenstand Sester, mit den man z. B. Getreide abmaß
(hier: „natürlich“ bzw. eher unheraldisch dargestellt)

Die Figur Sester erscheint hauptsächlich in zwei (geometrischen) Ausprägungen:

  1. als Kreisring mit einer Speiche, die den Kreisring als Durchmesser in zwei gleich große Bereiche teilt.
  2. Wie zuvor, nur ist die eine Fläche durch eine weitere, kürzere Speiche geteilt, die dem Radius des Kreisrings entspricht, so dass drei Flächen erscheinen (die zwei kleineren gleich groß und der dritten gegenüberstehend).

Herkunft

Es ist wissenschaftlich nicht schlüssig geklärt, ob die Sester-Figur beziehungsweise ihre Ausprägungen einem gleichnamigen, veralteten Hohlmaß für Getreide und Flüssigkeiten nachempfunden sind (heraldisch stilisiert) oder einem (alchemistischen) Symbol für Salz respektive einem anderen Vorbild (Dorfmarke, Töpferrad, Richtrad, Ambrustsehne mit aufgesetzten Pfeil und so weiter); ebenfalls ist es denkbar, dass die eine Ausprägung mit der einfachen Durchmesser-Teilung einem alchemistischen Symbol für Salz nachempfunden ist, die zweite dagegen dem Hohlmaß oder dem gleichnamigen Gegenstand, mit dem man Getreide abmessen konnte. Bei der Gleichsetzung der heraldischen Figur mit dem mittelalterlich-alchemistischen Zeichen für Salz ist zu bedenken, dass ein Ring mit seinem Durchmesser nicht das einzige und kein unveränderliches Symbol für Salz war. Es scheint eher willkürlich gewählt, war nicht überall gebräuchlich und konnte auch zur Symbolisierung anderer „Elemente“ genutzt werden. Manchmal wird die Sester-Figur auch als FleckenzeichenW-Logo.png oder als Spange/Gürtelschnalle/Rinken interpretiert. Beispielsweise erscheint sie im Wappen von Iptingen (auf Marksteinen des 18. Jahrhunderts sowie im Schultheißenamtssiegel aus der Zeit vor 1930 nachgewiesen) und in der Wappenbeschreibung heißt es:

„In Blau das silberne (weiße) Fleckenzeichen in Form einer kreisförmigen Gürtelschließe mit balkenweis gestelltem Steg.“

Webseite der Gemeinde Wiernsheim (2014)[1]

Wird die Figur Sester nicht mit einem waagerechten, sondern mit einem senkrechten Stab durch den Mittelpunkt dargestellt (wie im Wappen von Ottersdorf), sollte dies gemeldet werden.

Abgrenzung

Es gibt eine Reihe von Wappenmotiven, die teilweise als Sester interpretiert werden. Bei näherer Betrachtung der jeweiligen Wappengeschichte erweisen sich diese jedoch nicht als Sester, sondern als Adaptionen anderer Urbilder. Beispielsweise ist der sogenannte „Sester“ im Wappen von Sinzheim letzlich nur die Projektion des 17. bis 19. Jahrhunderts auf die Motive Sichel, Kreuz und Ring, wie sie auf Siegeln des Ortes im 15. Jahrhundert erscheinen. Der „Sester“ im Wappen von Selbach wiederum ist ein RadkreuzW-Logo.png, womöglich in Anlehnung an ein Weihekreuz. Da Selbach heute ein Ortsteil von Gaggenau ist und die Ähnlichkeit der Motive in den Wappen von Gaggenau und Selbach evident ist, deutet man das Radkreuz in diesem Fall mißverständlich ebenfalls als Sester.

Symbolik

In verschiedenen Wappen erscheint das Motiv Sester als gemeine Figur. Da die genaue Herkunft der Figur wissenschaftlich nicht geklärt ist, wird die Symbolik der Figur von den Wappenführenden unterschiedlich interpretiert.

  • Oft wird die Figur als Symbol für die veraltete Maßeinheit für Getreide „Sester“ bzw. für den gleichnamigen Gegenstand gedeutet. Es könnte in diesen Fällen auf bestimmte Rechte verweisen (zum Beispiel auf das Recht, Getreide zollfrei zu verkaufen oder ähnliches).
  • Manchmal deutet man die Figur als sprechendes Symbol (etwa in dem man „Sester“ mit „Zaster“ gleichsetzt und versucht, davon einen Ortsnamen wie „Zaisenhausen“ abzuleiten).
  • Zuweilen wird die Figur als (alchemistisches) Zeichen für Salz gedeutet, insbesondere wenn das Zeichen im Wappen einer Kommune erscheint, die historisch eng mit irgend einer Form der Salzgewinnung verbunden ist.

Sester als Getreidemaß

Sester war vielen Region ein Getreidemaß; je nach Region wurden unterschiedliche Volumengrößen festgelegt.

  • Vor 1872 war in der Schweiz das MalterW-Logo.png ein älteres Getreidemaß und wurde auch in Sester geteilt. 1 Malter von 150 l oder 1,5 hl, geteilt in 10 Viertel oder Sester.
  • Sester war auch ein Getreidemaß vieler deutscher Staaten.
    • In Baden hatte das Malter 10 Sester zu 10 MeßleinW-Logo.png und waren, wie in der Schweiz 150 l.
    • Im übrigen Deutschland rechnete man oft in Scheffel um.[2]
  • Das kleine Sester wurde in der Schweiz (Kanton Basel) wie folgt geteilt
1 Sester (klein) = 4 Köpflein = 8 Becher = 32 Mässlein = 861,145 Pariser Kubikzoll = 17,082 Liter[3]
Das Vierzel/Vienzel/Viertel hatte 2 Sack mit entweder 4 großen Sester oder 8 kleinen Sester.
  • Das Sester-MolzermaßW-Logo.png war eine im Großherzogtum Baden verbreitete Bezeichnung für die Mahlmitze. Das war die dem Müller zu entrichtete Menge „gestrichenem“ Getreide als Lohn. Das war 1/14 von jedem angelieferten Sester Getreide.[4]
  • Der Maßzylinder für sogenannte sackfähige Dinge in der Größe von einem Sester sollte den Durchmesser 11 Zoll plus 2 Linien plus 2,5 Punkte und für die Höhe 5 Zoll plus 6 Linien plus 1,3 Punkte haben. Für den Sester, Doppelsester, Halbsester, Meßlein und Becher waren diese Maße im Paragrafen 9 der Maßordnung für das Großherzogtum vom 2. Januar 1829 festgelegt.[5]
  • Das Pariser setier (vor 1791) entsprach etwa 150 Litern. Ein altfranzösischesW-Logo.png Septier Getreide entsprach 240 poids de marcW-Logo.png.
  • Das Maß ist aus der AntikeW-Logo.png bekannt. Der Begriff beruht auf einem Rechenystem basierend auf dem Wert 6 (metrisches System = 10).[6][7]
  • Das Getreidehohlmaß aus dem Badischen entspricht 15,0 Liter.
Region Größe
Baden 15,0 Liter

Abgrenzung

Ob die Wappenfigur Sester einem jener Zeichen für Metalle und andere Objekte nachempfunden ist, die von den Wissenschaftlern Michail LomonossowW-Logo.png und Dmitri Iwanowitsch Winogradow entwickelt wurden, ist fragwürdig. Sester-ähnliche Wappenfiguren erscheinen in Wappen und Siegeln schon bevor die Wissenschaftler die Bildzeichen bestimmten.

Wappenbilderordnung

Literatur

  1. Gemeinde Wiernsheim, Interet: Iptingen. Der älteste Ortsteil. Abgerufen am: 28. September 2014.
  2. F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14 Auflage, 1894-1896 Band 60 Seite 532
  3. Christian Noback, Friedrich Eduard Noback: Vollständiges Taschenbuch der Münz-, Maß- und Gewichtsverhältnisse ..., Band 1, F. A. Brockhaus, Leipzig 1851, S. 91
  4. Christian Noback, Friedrich Eduard Noback: Vollständiges Taschenbuch der Münz-, Maß- und Gewichtsverhältnisse ..., Band 1, F. A. Brockhaus, Leipzig 1851, S. 406
  5. Großherzoglich Badisches Staats- und Regierungsblatt, 27 Jahrgang, Nr. 1–24, Gesetz- und Verordnungsblatt von Baden. Laws, Statutes etc., Karlsruhe 1829, erschienen am 27. Januar 1829, S. 8
  6. http://www.fotw.net/flags/fr-85-ts.html Treize-Septiers
  7. http://www.sizes.com/units/setier.htm


Fensterraute links oben ausgebrochen.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Sester“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 11. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.