Michael von Aitzing

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Freiherr Michael von Aitzing, auch Aitsingerus, Eitzing, Eitzinger, Eyzinger, geboren um 1530 Obereitzing bei Ried / Innkreis (Oberösterreich), gestorben 1598 in Bonn. Man kennt weder das Geburts- noch Todesjahr. (Er lebte noch 1593, starb jedoch bald nachher, etwa im Alter von 60 Jahren). Er war Jurist, Publizist, österr. Diplomat, Chronist, Historiker, Historienliebhaber, Geschichtsschreiber, Schriftsteller und Begründer der Messrelationen (1588).

Wappen

Stammwappen Eitzinger von Eitzig
(†) Eitzinger von Eitzing

Stammwappen:
Schräggeteilt von R. und #, die Teilungslinie belegt, mit drei hintereinander gereihten w. Kugeln.
Kleinod: Hörner, das rechte r., das linke #, die Außenseiten besteckt, mit je drei w. Kugeln.
Decken: rs. [1]

Wappen, vermehrtes::
Geviertes; 1 das Stammwappen wie oben;
2 u. 3 in B. ein r. Hut, mit eben solcher, herabhängender Schnur,
überhöht v. einer n. Forelle durch einen w. Schrägbalken geteilt von R. u. #.
Zwei Helme:
1. Die Hörner des Stammwappens; Decken: Ss.

2. Der r. Hut samt Schnur; Decken: rs.
Wappen, (vermehrtes)
Eitzinger von Eitzig

Biographie

Figur von Meister Eckhart, die die von Michael von Aitzing auf dem Kölner Rathausturm vertritt (r.)
Die spanischen Niederlande im Leo Belgicus in Form eines Löwen

Michael von Aitzing war ein gelehrter Mann aus einem alten österreichischen Adelsgeschlecht. Er stand dem Hause Habsburg nahe. Er war Rat und Kammerherr Maximilians II. und Rudolfs II. wie auch fleissiger Chronist seiner Zeit. Er wandte das Dualzahl-Aufbauprinzip (siehe Kekule-System) als erster 1590 an, also viel eher als Hieronymus de Sosa (1676), Francis Galton (1883) oder Stephan Kekule von Stradonitz (1898). Sein wohl aus genealogischer Sicht berühmtestes Werk ist das heraldische Werk "Thesaurus Principum hacaetata in Europa viventium: Quo progenitores eorum, tam Paterni quam materni, simul ac frates et sorores, inde ab origine reconduntur, usque ad annum a christo nato 1590" (Köln 1590), [Handbuch zur Genealogie der regierenden europäischen Häuser] aus dem 16. Jhd. Es war bestimmt sehr nützlich in einer Zeit, in der den dynastischen Heiraten und Erbfolgefragen grösste Bedeutung zukam.

Freiherren v. Eitzing

Altes, ursprünglich bayerisches Geschlecht, nach dem gleichnamigen Schlosse genanntes Adelsgeschlecht, aus welchem Hanns der Eitzinger 1318 urkundlich vorkommt. Der Familie stand die Würde von Erbland-Kämmerern in Österreich zu und befand sich dieselbe seit 1450 im Freiherrenstande. Der Stamm blühte noch im 17. Jahrhundert. In Mähren kaufte Wolf Freiherr von Eitzing auf Schrattenthal 1610 das Gut Maires im Iglauer Kreise, das sein Sohn Philipp Christoph 1612 veräußerte. Mit diesem erlosch 1620 der Stamm. [2]

Aitzing als Begründer der Messrelationen

Ab 1588 beginnen die "Meßrelationen" des Michael Eyzinger (Michael von Aitzing) im Halbjahresrhythmus zu erscheinen. Jeweils zu den Buchmessen im Frühjahr und Herbst in Leipzig und Frankfurt bietet er der Leserschaft eine Rückschau auf das vergangene Halbjahr Begründer dieser Messrelationen war der im oberösterreichischen Obereitzing geborene katholische Publizist und Historiker Michael Freiherr von Aitzing. Dieser hochgebildete, mehrsprachige und vielgereiste Mann bot auf der Frankfurter Buchmesse 1583 die erste, in Köln gedruckte, halbjährige »Relatio historica«, wie er sie nannte, heraus welche über die Vorkommnisse in den Niederlanden seit dem Jahr 1580 berichtete. Die erste Ausgabe dieser Relatio ist nicht mehr vorhanden, dagegen gibt es noch Exemplare vom zweiten Abdruck. Meßrelationen erschienen in Deutschland seit 1583 und stellen das erste gedruckte und in regelmäßigen Abständen, nämlich zu den Handelsmessen in Frankfurt am Main und Leipzig, gelegentlich auch zum Peter- und Paul-Markt in Naumburg, erscheinende Nachrichtenperiodikum in Europa dar. Messrelationen waren Vorläufer der heutigen Zeitschriften, nicht jedoch der Tageszeitungen. Die erste Tageszeitung im heutigen Sinne wurde erst 1605, also vor genau 400 Jahren in Straßburg gedruckt. Aitzinger fand bald viele Nachahmer. Das besondere an seinen Messrelationen jedoch war, dass er unter Ausschluss von Wunderberichten - die bei den Konkurrenzprodukten durchaus Aufnahme finden konnten -, in zeitlicher Reihenfolge nüchterne Aufzählungen von Ereignissen und Auszügen aus lateinischen und deutschen Aktenstücken abdruckte. Der gebildete Leser sollte sich sein Urteil selbst bilden. Das Unternehmen hatte großen Erfolg und fand daher rasch zahlreiche Nachahmungen. Ab 1590 brachten Mitbewerber eigene Messrelationen heraus, welche alle den von Aitzing gewählten Titel »Relatio historica« beibehielten oder doch einen ganz ähnlichen wählten. Die erste in Frankfurt produzierte Messrelation kam 1591 heraus, die erste Leipziger 1605. Die Frankfurter Messrelationen sind bis 1806, die Leipziger bis 1730 nachweisbar. Die Quellen, aus denen die Verfasser schöpfen, zeugen von Anfang an von den Konfessions- und Ländergrenzen überwindenden Kommunikationsströmen, die auch die Quelle der zeitgenössischen Flugschriften- und Zeitungsliteratur wurden. Wichtigste Umschlagplätze waren - das Verlags- und Druckortregister macht es deutlich - Frankfurt am Main, Leipzig, Köln, gefolgt von Magdeburg und, wenn der Druckort nicht erfunden ist, Oberursel. Die Meßrelationen bilden in gewisser Weise die Vorformen zu den umfangreichen Quellenkompilationen des 17. Jahrhunderts wie des Theatrum Europaeum. Freiherr Michael von Aitzing druckte ab 1581 in Köln ein periodisch erscheinendes Nachrichtenblatt.

Weblinks

 Commons: Michael von Aitzing – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Aitzing, Michael Freiherr von – Quellen und Volltexte

Verweise

  1. (Siegel d. d. 1440 mit voller Umschrift des Ulrich Eitzinger v. Eitzing - Stadt-Archiv Wien)
  2. Neues Deutsches Adelslexikon; Aus Siebmacher, 6. Band, 1. Abteilung, 1. Teil, Seite 35, Tafel 34, (Abgestorbene Bayrische Geschlechter). "Nicht mehr als Adelige in der Öffentlichkeit auftretend".