Martin Schrot

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Martin (Michael) Schrot („Schrott“, „Schroth“, geschrieben; nach Bernd fälschlicherweise zuweilen „Schröter“ oder „Schick“ genannt[1]; alias: „M. S.“; † vermutlich um 1575/1576 in Augsburg) war ein

„protestantischer Tendenzdichter des 16. Jahrhunderts“

Allgemein Deutsche Biographie (1891)[2]

„Meßstecher, Buchführer, Augsburger MeistersingerW-Logo.png, 1547 als Singer erwähnt, in den Steuerbüchern 1550, 1554, 1568, 1575“

Horst Brunner et al. (1989)[3]

„protestantischer Schriftsteller (..), ein grimmiger Feind des Papsttums und der katholischen Kirche“

Tomasz Szarota (1998)[4]

„Verfasser von Flugschriften, Meistersinger“

Wilhelm Kühlmann et al. (2011)[5]

Biographie

Über das Leben von Martin Schrot -- insbesondere über seine Herkunft, Erziehung und Jugendjahre -- ist wenig überliefert. Die meisten neueren Quellen zu seiner Person wiederholen die Angaben der Allgemeinen Deutschen Biographie von 1891. Sie machen dabei manchmal aus einer Spekulation ein Faktum, beispielsweise:

Beispiele: Spekulation in der ADB (1891) werden in späteren Quellen als Gewissheit dargestellt
  • „Von Beruf war er wahrscheinlich Goldschmidt“ (..)
(..) „der Uhrmacher Martin Schrot“ (1919)[6]
(..) „Martin Schrot (..) Goldschmied (..) in Augsburg“ (1949/1973)[7]
  • „Er stand Zwingli’s Lehre wahrscheinlich näher als Luther’s“ (..)
„Er stand der Lehre Zwinglis näher als der Luthers“ (1949/1973)[7]

Andere Spekulationn der Allgemeinen Deutschen Biographie von 1891 sind mittlerweile verifiziert bzw. falsifiziert. Beispielsweise „scheint“ Martin Schrot nicht „in Augsburg ein Leben lang einen festen Wohnsitz gehabt zu haben“ (ADB), sondern er war lediglich die meiste Zeit dort ansässig, zeitweise in Mähren (Flucht von 1552) und durch frühe Drucke (1546) kann man ihn beispielsweise auch in Wittenberg und erst ab 1546/1547 in Augsburg verorten:

„1546 läßt sich mit Vsprung vnd vrsach von Martin Schrot sein erster hiesiger Druck nachweisen: „Truckt Bey Hans Crafft zu Wittenberg An M.D.XI.Vj“ (VD16 S4305) (..)“

Christoph Reske (2007)[8]

„Der Messstecher Schrot wurde 1547 Augsburger Bürger. Als ihm wegen seiner Flugschriften eine Verhaftung drohte, flüchtete er 1552 zu den Hutterischen Täufern in Mähren, kehrte aber wenige Jahre später nach Augsburg zurück.“

Killy Literaturlexikon (1988-1993/2011)[5]

Vieles Details seiner Biographie sind nicht zweifelsfrei gesichert, zum Beispiel:

„Ob er wirklich Landsknecht war, wie man aus seinen Veröffentlichung von 1542 schließen könnte, ist unklar.“

Constanze Huhn: (Quellenautopsie 1999/2004)[9]

Als gesichert gilt:

„(..) daß Schrot Mitglied der Meistersängerschule war (Europa-Dichter) und (..) zu den auserwählten 12 der Augsburger Meister zählte. Schrot erfand die 20reimige Schrotweise und eine 24reimige Narrenweise (ähnliches Reimschema wie Hans Sachs). Schrot hielt sich nicht an die strengen Stilkriterien der Meistersänger. Verständlichkeit seiner appelativen Texte war ihm wichtiger als die exakte Erfüllung der Stilkriterien. Schrot war engagierter Protestant und Verfasser von protestantischen Kampfliedern (..) Der Druck seiner radikalen Komödie „Von der Erschroklichen Zerstoerung unnd Niderlag des gantzen Bapstumbs“ hatte (..) weitreichende Folgen: Der Formschneider des Buches David Denecker mußte wegen seiner Mitarbeit mehrmals ins Gefängnis.“

Constanze Huhn: (Quellenautopsie 1999/2004)[9]

Schrots schriftstellerische Tätigkeit konzentrierte sich auf die Jahre 1542 bis 1575. Vermutlich starb er um 1575/1576 (nach Adam Bergs Angaben in einem Wappenbuch). Seine Werke wurden intensiv nachgedruckt. Es erscheinen nach 1576 an unterschiedlichen Orten auch Erstschriften, die auf einen Martin Schrot als Verfasser, Urheber, Autor oder ähnliches verweisen (bis etwa 1595, angeblich posthum überarbeitet, ediert, gedruckt et cetera). Inwieweit diese Werke tatsächlich dem Augsburger Meistersinger Martin Schrot zuzurechnen sind, ist unklar. Zweifelsfreie Beweise, dass alle diese Schriften zum Beispiel aus dem Nachlass stammen und von Martin Schrot als Hauptverfasser angefertigt wurden, fehlen.

Wappenbuch

In der Regel interpretiert die Literatur fakulative Angaben von Adam Berg in einem Wappenbuch dahingehend, dass Martin Schrot wesentlich an den Vorarbeiten des Werks beteiligt war (vgl.: Roethe [1891][10], Huhn [2004][9], Vierhaus [2008][11], Melsaeter [2012][12] und andere). Schrots Urheberschaft an dem Wappenbuch erscheint jedoch fragwürdig.

Werke (Auswahl)

  • 1542: Ain newes Lied ganntz wol betrachtt Hat ain gmainer Lantzknecht gemacht Von diser noth in Teütschem Lannt. Jm Thon ist es also genannt: Jch klag den tag [et]c. ...
  • ca. 1545: Ein schöns news christlichs Liede von der yetzt schwebenden Gefärligkait ain ware underricht, in dem thon so man lang macht betrach etc., [S.l.]. VD16 S 4302.
  • 1546: Ursprung unnd Ursach diser Auffrur, Teutscher Nation ...
  • 1546: Vrsprung vnd vrsach Gege(n)wertiger Vffrur Teütscher Nation. VD16 S 4305. Druck: Wittenberg
  • 1546: Newe Zeyttung von disem Krieg was sich von anfang bis jetz verloffen hat ; ware Abconterfettung und Vergleichung auß dem III. Buch der Künigen ... Neue Zeitung von diesem Krieg. Druck: Otmar, Augsburg
  • ca. 1550: Apocalipsis: Ain frewden geschray über das gefallen Bapstumb so yetz diser zeit durch Gottes wort vnd schwerdt überwunden ist. Druck: Otmar, Augsburg
  • ca. 1550: Dialogus, Ain wunnderbarlichs, seltzams Gespräch: darinn all yetzig Handlung begriffen, gantz artlich, in ainfalt gestellt, vom Gellt und der Armut ..., VD16 S 4294. Druck: Augsburg
  • 1548 (oder ca. 1551): Die Prophecey deß vierten Buchs Esder am 11. Cap. von dem Adler unn seinen undergang in Germania. VD16 S 4301. Augsburg
  • 1546: Ain neüwer Römischer Pasquillus, von dem Bapst, seinem Reych, vvnnd seinem Stul, der Statt Rom, vnd jrer Töchtern, Pariß vnd Cöln, sampt allen jren glydern, Cardinäl, Bischoff, Pfaffen, Münch, vnd all vermainten Gaistlichen der Römischen Kirchen, jr wesen, leben, handlung, vndergang, vnd außdilckung durch die krafft Gottes, Mit klarem Test der Bibel ... VD16 S 4298. Druck: Otmar, Augsburg
  • 1558: Von der Erschrocklichen Zerstoerung des gantzen Bapstumbs. Augsburg
  • 1564: Zwey Hübsche ;  ; Newe Geistliche Lieder ... VD16 S 4312. Straßburg
  • 1573: Acta Apostolorum. Das seindt die Geschichten der heiligen Aposteln, wie sie Jesu irem lieben Herrn und Meister seind nachgefolgt, in Marter, Leiden und Sterben, und die Kron der Seeligkeit erlangt ; Auff das aller kürtzest in Reymen gebracht; Allen Liebhabern der hochberümbten thaten Gottes, und nachfolgern seines heiligen und seeligmachenden worts zu gutem gestelt. VD16 S 4292. Druck: Adam Berg, München
  • 1574: Die X Alter der Welt. Mit irem Lauf und Aygenschafften erkläret, nach dem Gesatz gaistlicher weiß und in Reymen verfaßt. Druck: Ulhart, Augsburg
  • 1580: Ertz und gemaine Bistumben/in den Königreichen/Frankreich/Hispanien/Engelland/Schottland ... München.
  • 1595: Wecker oder Aufmunterung der edlen Deutschen. Druck: Wolffgang Meißner, Wittemberg
  • 1595: Kurtze Beschreibung, Wie mächtig, weit vnd breit, sich das H. Röm. Reich erstrecket hat, sampt der Röm. Kay. May. Warnung vnd Vermahnung, an allen Reichsständen, daß sie jhm wider den Türcken Beystandt thun wöllen ... VD16 S 4297. Druck: Frankfurt a. M.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Bernd, Christian Samuel Theodor: Nr. 2284. In: Allgemeine Schriftenkunde der gesammten Wappenwissenschaft. Zweiter Teil. Bonn. 1830. S. 370.
  2. Artikel „Schrot, Martin“ von Gustav Roethe in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 556–558, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schrot,_Martin&oldid=2506825 (Version vom 3. Mai 2017, 20:27 Uhr UTC)
  3. Brunner, Horst (Ed.) et al.: Martin Schrot. In: Repertorium der Sangsprüche und Meisterlieder des 12. bis 18. Jahrhunderts. Band 12. Katalog der Texte. Jüngerer Teil (S-V). ISBN 3-484-10512-7. Tübingen. 1989. S. 49
  4. Szarota, Tomasz: Der deutsche Michel: die Geschichte eines nationalen Symbols und Autostereotyps. Band 3 von Klio in Polen. 1998. ISBN 3929759381. S. 53
  5. 5,0 5,1 Kühlman, Wilhelm et al.: Killy Literaturlexikon. Band 10 von Killy Literaturlexikon: Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraumes. (Die 1. Auflage erschien unter dem Titel: Literatur Lexikon, Autoren und Werke deutscher Sprache, Gütersloh/München 1988-1993). 2. Auflage. Berlin/Boston. 2011. ISBN 978-3-11-022042-1. S. 587 f.
  6. Pfeiffer, Rudolf: Die Meistersingerschule in Augsburg und der Homerübersetzer Johannes Spreng. Ausgabe 2 von: Schwäbische Geschichtsquellen und Forschungen. 1919. S. 15, 29, 44
  7. 7,0 7,1 Rupprich, Hans: Vom späten Mittelalter bis zum Barock. Zweiter Teil. Das Zeitalter der Reformation. 1520-1570. In: Boor, Helmut de; Newald: Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Handbücher für das germanistische Studium. Band 4. Ausgabe 2. München. 1949/1973. S. 151.
  8. Reske, Christoph: Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts im deutschen Sprachgebiet: auf der Grundlage des gleichnamigen Werkes von Josef Benzing. Band 51 von Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen. ISBN 3447054506. S. 1000
  9. 9,0 9,1 9,2 Huhn, Constanze: Quellenautopsie - Martin Schrot, Wappenbuch 1576
    (MementoW-Logo.png vom 1. Oktober 2007 im Internet ArchiveW-Logo.png). Ursprünglich in: Datenbank Europäische Geschichte, Ludwig-Maximilians-Universität, München. 1999. Letzte Änderung: 10.11.2004.
  10. Gustav Roethe: Schrot, Martin. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 32, Duncker & Humblot, Leipzig 1891, S. 556–558.
  11. Vierhaus, Rudolf: Schlumberger - Thiersch. In: Deutsche biographische Enzyklopädie. (DBE) Band 9. München 2008. ISBN 978-3-598-25039-2 S. 234.
  12. Melsaeter, Torgeir: Eine unbeachtete Quele des 16. Jahrhunderts: Martin Schrots und Adam Bergs Wappenbuch (1580) als kaiserliche Kreuzzugspropaganda gegen die Türken. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 120. 2012(2). Seiten 339-368.

Weblinks