Münze (Heraldik)

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Drei Münzen, 2:1 gestellt
(nach Siebmacher)
um 1480: Drei silberne Münzen 2:1, jeweils mit schwarzen Adler geprägt (Wappen der Müntzer von Sinkingen)

Der Ober-/Sammelbegriff Münze (lat.: moneta; frz.: [pièce de] monnaie; engl.: coin), der im deutschsprachig-geprägten Wappenwesen teilweise mit Bille, Pfennig, Goldmünze, Balle, Wappenpfennig, Kuchen oder ähnlich[1] gleichgesetzt wird, bezeichnet kreisrunde gemeine Figuren („Kugeln“), wenn sie mit Prägung (GravurW-Logo.png, RadierungW-Logo.png, Ritzung, PunzierungW-Logo.png, ZiselierungW-Logo.png) von bildhaften Motiven wie einem Gesicht, einem Adler, einem Schriftzeichen, einem (damaszierten) Muster et cetera im Wappen erscheinen.

Darstellung

Die Wappenfigur Münze ist gewöhnlich in Anlehnung an ein geprägtes, offizielles, aus Metall hergestelltes Zahlungsmittel („Hartgeld“) oder an eine geprägte Schau-/Schmuckmünze darzustellen. Die Figur erscheint stets „mit irgendeiner Prägung“ (im Gegensatz zu den Motiven Kugel/Scheibe und Byzantiner, die vorwiegend als kreisrunde Farbfläche ohne Erhebungen und/oder Vertiefungen aufzureißen sind).

„Münzen (Pfennige) (Tafel XXIX. Figur 57): unentbehrlich auf Reisen, sollen stets flach dargestellt sein und irgend eine Prägung zeigen, sonst sind sie als „Kugeln“ (siehe dort) anzusprechen.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Einige Heraldiker ignorieren diese Empfehlung. Sie verwenden den Ausdruck „Münze“ auch für Figuren ohne Prägung (beispielsweise Walter Leonhard in seinem Werk „Das große Buch der Wappenkunst“[3]) Teilweise unterscheiden Wappenbeschreibungen zudem nicht streng, ob ein Motiv als „Münze“ anzusprechen ist - oder als Aureole („kreisförmiger Heiligenschein“) beziehungsweise als Kugel/Scheibe, die mit einer anderen Figur belegt ist. Beispielsweise werden die silbernen, jeweils mit einem schwarzen Adler geprägten Münzen im Wappen der Müntzer von Sinkingen, die Reichspfennigen wie dem Rottweiler Pfenning (um 1200) oder dem Heilbronner Pfenning (um 1420) nachempfunden sind, im Siebmacher als „silberne Scheiben“ beschrieben, die jeweils mit einem schwarzen Adler belegt sind.[4]

Wenn die Prägung der Figur derjenigen einer echten Münze gleicht, sollte die genaue numismatische Bezeichnung der Münze benannt werden. Jede Prägung, die nicht in der Früh-/Blütezeit des Wappenwesen gebräuchlich ist oder zumindest zur damaligen Wappenkultur passen könnte, gilt als unheraldisch. Zeigt die Figur eine Auf-/Umschrift, ist diese möglichst exakt zu melden, wobei Schrift(system), Schriftart, Klein-/Großschreibung et cetera gemeldet werden können. Die Wappenfigur Münze erscheint gewöhnlich in Mehrzahl (zum Beispiel drei Münzen, 2:1 gestellt) oder als Nebenfigur, selten in Einzahl oder als Hauptfigur. Alle heraldisch üblichen Farben und Metalle sind zum Einfärben des Motivs erlaubt, Silber und Gold werden bevorzugt.

Wappenbilderordnung

Symbolik

  • Innerhalb der Heraldik ist die Figur Münze als redendes Symbol gebräuchlich (zum Beispiel in Wappen von Familien mit dem Namen Müntzer, Münzinger).
  • Das Motiv Münze symbolisiert außerhalb der Heraldik beispielsweise die Münzgerechtigkeit („Münzgerechtsame“W-Logo.png), das ist das Recht oder Vorrecht, Münzen zu prägen, „Münze einzurichten, das Personal zu stellen und nur Münzen bestimmter Ordnung zu schlagen“[5]. Oder sie steht für einen archäologischen Fund (zum Beispiel im Wappen Pöschendorf für einen karolingischen Münzschatz des 8. Jhr.) oder ist ein Hinweis auf das Finanzwesen einer Region (beispielsweise auf eine „Zollstelle“, auf „Brückenzoll“ oder ähnliches).
  • Münzen waren in vielen Kulturen der Alten Welt sowohl Zahlungsmittel als auch kultische Geräte, die man oft nach Beachtung bestimmter Zeremonien opfert. Beispielsweise gab man Münzen als Fahrgeld für den Fährmann (griech. Charon) den Toten bei. Dadurch nehmen Münzen vielfach den Charakter von Kultsymbolen an und können für Reichtum, Jenseitigkeit, Macht, Verehrung oder ähnliches stehen.

Weblinks

 Commons: Münzen in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Münze – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Münze. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).

Einzelnachweise

  1. Siebenkees, Johann Christian: Erläuterungen der Heraldik als ein Commentar über Herrn Hofrath Gatterers Abriss dieser Wissenschaft. 1789. S. 88.
  2. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 140
  3. Vgl. Leonhard, Walter: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung, Bechtermünz-Verlag 2003. ISBN 3-8289-0768-7. S. 154. Abb. 24; S. 180 Ab. 15; S. 268 Abb. 9
  4. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, VI. Band, 2. Abteilung; Abgestorbener Württemberger Adel; Verfasser: G.A. Seyler; Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1911. S. 200.
  5. Sieverts, Rudolf (Hrsg.); Schneider, Hans J.: Aberglaube - Kriminalbiologie. Band 1 Handwörterbuch der Kriminologie. 1967. S. 255.