Lebendige Heraldik (Kommerz)

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Lebendige Heraldik (eigentlich „Internationales Sammelwerk von Wappen und Chroniken: Lebendige Heraldik“) ist eine aus 3 Bänden bestehende, heraldisch fragwürdige, kommerzielle Publikation, die in heraldischen und genealogischen Foren als Fake (dt. Fälschung, Schwindel, Imitat) bezeichnet wird.[1]

Geschichte

Die Publikation wurde vorgeblich von Euristorica, Familienhistorischer Verein zur Erforschung genealogisch-heraldischer Verzweigungen in Europa und Übersee e. V. zu einem Originalverkaufspreis von 1.485.--DM herausgegeben (Band 1: 1989, Band 2: 1991 und Band 3: 1995).

Dieser heute nicht mehr existierende, sogenannte Verein, der kein IdealvereinW-Logo.png, sondern auf die Erzielung von Gewinn ausgerichtet war, wurde am 02. Dezember 1987 unter der Nummer 12266 beim Amtsgericht München eingetragen. Ein österreichischer Ableger des Vereins wurde 2004 behördlich aufgelöst. Wörtlich heißt es:

„Nr. 1490 • Bundespolizeidirektion Innsbruck • LVR 993. BEHÖRDLICHE VEREINSAUFLÖSUNG: Der Verein „Euristorica Austria Familienhistorischer Verein zur Erforschung genealogisch-heraldischer Verzweigungen und deren Aufzeichnung“ mit dem Sitz in 6020 Innsbruck, Maria-Theresien-Straße 21, wurde von der Bundespolizeidirektion Innsbruck mit Bescheid vom 15. Juni 2004, Zahl LVR 993, gemäß § 29 Abs. 1 des Vereinsgesetzes 2002 i. d. g. F. rechtskräftig behördlich aufgelöst.“

Für den Polizeidirektor: Ballmann (Innsbruck, 28. Oktober 2004): Bote für Tirol.[2]

Der Präsident des Vereins war Helmut Fehringer, der die Publikation spätestens seit 2003 zu einem Preis von 50.- €uro pro Band auf seiner Webseite .archiv-fehringer.de verramschte. Ein vierter, geplanter Band wurde aus finanziellen Gründen nie fertiggestellt.

Wappenschwindel

In dem weitgehend unwissenschaftlichen Sammelwerk werden neben traditionell geführten, ergänzten und neu gestifteten Wappen auch Wappen aus bekannten historischen Fälscherwerkstätten ohne Quellenangabe präsentiert (z. B. Wappen aus der Hand der Wappenfälscher Hans Limbacher (1863-1923) und Gustav Winkler (1803-1874)).

Unkritische Kommentare und Symbolerklärungen zu den Wappen deuten Bezüge auf alte traditionell geführte Wappen und Familien an, die mit den neuen, namensgleichen Wappenstiftungen/-führungen meist gar nichts zu tun haben.

Euristorica arbeitete auch mit der US-Amerikanischen Firma Halberts zusammen, die genealogische und heraldische „Betrugsbücher“ veröffentlichte (siehe: Wappenschwindel).

Abgrenzung

Das kommerzielle Euristorica-Produkt sollte nicht verwechselt werden mit:

  • Lebendige Heraldik - Lebendige Geschichte. Ausstellung zum 100jährigen Bestehen des Herold, Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften, 1869-1969. Katalog. Bearb. von Jürgen Arndt u. Eckart Henning. Berlin: Selbstverlag, 1969. 96 S., 6 Taf. mit 15 Abb. - ISBN 3-9802435-1-6.

Ausstattung

Die Bände sind aufwendig gestaltet (mit elfenbeinfarbigen Kunstdruckpapier, Original-Balacroneinband). Von jedem Band wurden 3.000 Exemplare aufgelegt. Die Publikation besteht aus insgesamt 1331 Seiten mit ungefähr 2.000 Namenseinträgen mit mehrfarbigen Darstellungen der Wappen sowie die Beschreibung desselben mit Symbolerklärung, Namensdeutung und Angabe der Führungsberechtigung.

Band I = (XXVII & 474 Seiten)

  1. Geleitwort v. Helmut Fehringer (Präsident)
  2. In eigener Sache
  3. Vorbemerkungen
  4. Kleines Heraldisches Lexikon
  5. Kleine Wappengeschichtliche Übersicht
  6. Abkürzungsverzeichnis
  7. Literaturverzeichnis
  8. Abbildungsnachweis
  9. Wappen - wo sie heute noch zu finden sind
  10. Wer sie heute noch führt
  11. Namensregister

Band II = (XXIV & 418 Seiten)

  1. Zum Geleit (Melitta Goldschmid)
  2. Vorwort
  3. Dankwort
  4. Wappen und Chroniken
  5. Erläuterung zum Namenregister
  6. Namenregister (Band 1)
  7. Namenregister (Band 2)
  8. Abkürzungs- und Literaturverzeichnis
  9. Berichtigungen zu Band I
  10. Anleitung zur Ahnenforschung
  11. Erfahrungen eines langjährigen Familienforschers
  12. Ahnentafel
  13. Eintragungen zur eigenen Familiengeschichte

Band III = (XXXVI & 352 Seiten)

  1. Zum Geleit (Luzinda Jakob (Vizepräsidentin) & Otto A. Haltenberger (Schriftführer)
  2. Vorwort
  3. Auf historischen Pfaden von München nach Venedig
  4. Wappen & Chroniken
  5. Namensregister
  6. Abkürzungsverzeichnis
  7. Literaturverzeichnis
  8. Ahnentafel
  9. Eintragungen zur Familiengeschichte

Webseite

Einzelnachweise

  1. Vgl. z. B.: die Beiträge aber auch a. a. O. (alle Internet: Aufgerufen am 16.10.2010)
  2. Bote für Tirol. Amtsblatt der Behörden, Ämter und Gerichte Tirols. 185. Jahrgang. 04. November 2004.
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