Kristall (Heraldik)

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Kristall (auch Krystall; von griechisch κρύσταλλος krýstallos zu κρύος krýos „Eiseskälte, Frost, Eis“; althochdeutsch cristalla; lateinisch crystallus; ; französisch cristalux, cristaux; englisch crystal) ist im Wappenwesen:

  • eine gemeine Figur, deren Merkmale trotz einiger Ansätze durch die Heraldik nicht systematisch, einheitlich, konsistent und erschöpfend bestimmt sind.
  • ein Oberbegriff, unter welchem die heraldischen Kristallfiguren/-formen in einer Gruppe zusammengefaßt sind.

Darstellung

Der allgemeine und vageW-Logo.png Ausdruck Kristall kommt in mehreren Wappenbeschreibungen zur Bezeichnung einer Wappenfigur vor. Die Darstellung von „Kristallfiguren“ erfolgt in der Heraldik jedoch nicht einheitlich und nicht zwingend immer „gleich“W-Logo.png. Teils sind Kristallfiguren heraldisch stilisierte Abbilder von platonischen KörpernW-Logo.png beziehungsweise von idealen regelmäßigen PolyedernW-Logo.png (zum Beispiel von einem HexaederW-Logo.png, einem OktaederW-Logo.png); teils folgt ihre Darstellung den Idealbildern natürlicher kristalliner MaterialienW-Logo.png (Salz-, Schnee-, Bergkristall). Außerdem wird der Ausdruck „Kristall“ als Kurzwort/Synonym für bestimmte tradierte Figuren verwendet, die mit Facettierung in einem Wappen aufgerissen sind (zum Beispiel für eine „facettierte Raute“, für ein „facettiertes Dreieck“ et cetera).

Die Redaktion des Heraldik-Wiki versteht den Ausdruck „Kristall“ daher eher als Oberbegriff für die oben genannten und weitere kristalline oder kristallartige gemeine Figuren. Nach Möglichkeit sollten diese mit eindeutigen Eigennamen oder tradierten Ausdrücken aus der heraldischen Terminologie in einer Wappenbeschreibung angesprochen werden. In diesem Sinne zählen zur Gruppe der Kristallfiguren beispielsweise (Auswahl):

GipskristallW-Logo.png
  • Beispiel: Wassermann, in der Linken Gipskristalle haltend (Wappen GrundlseeW-Logo.png)

Kristall (unbestimmt)

Kristall (unbestimmt)
 
Aufriss mit „Dreieck-Kristallen“
(im Familienwappen Kiesling)
 
Aufriss mit „Tafelstein-Kristallen“
(im redenden Familienwappen Christel)
(nach Siebmacher)

Wird in der Wappenbeschreibung lediglich der Ausdruck „Kristall“ verwendet, gilt das Kristallmotiv als „unbestimmt“, wodurch der aufreißende Wappenkünstler an keine exakt vorgegebene Ausprägung eines Kristallurbilds gebunden ist. Üblicherweise erfolgt die Gestaltung der Kristallfigur in diesem Fall unter Beachtung der heraldischen Regeln in einer Weise, die die Gesamtharmonie des jeweiligen Wappens fördert.

Symbolik

Außerhalb der Heraldik beziehungsweise in der Symbolkunde sind Kristalle

„(..) Ausdruck der Bildekräfte in der mineralischen Welt. Kristalle aller Art, besonders Edelsteine in geschliffenem Zustand oder natürliche Halbedelsteine, besitzen über den materiellen Wert hinaus eine unleugbare Faszination, ziehen den Blick des Betrachters auf sich und können als Meditations- und Konzentrationshilfen dienen, ähnlich wie gezeichnete oder gemalte Yantra-Diagramme. Da in Kristallen vielfache Lichtbrechungs- und Spiegelungsphänomene auftreten, regen sie die Phantasie entsprechend eingestimmter Menschen stark an und können visionäre Bildvisionen provozieren, die in der divinatorischen (die Zukunft erhellenden) Magie eine große Rolle spielen (Kristallomantie). Die Kristallkugel von »Hellsehern« ist jedoch heute meist nicht mineralischen Ursprungs, sondern eine möglichst ideale Kugel aus klarem Glas. In der christlichen Symbolik ist der Bergkristall, der nicht aus sich heraus leuchtet, aber das Licht der Sonne strahlend wiedergibt, ein Mariensymbol. Da Kristalle zwar greifbar materiell, aber dennoch durchscheinend sind, stellen sie »Unkörperliches in der Körperlichkeit« dar.“

Lexikon der Symbole (1989/1994/1998)[1]

Wappenbilderordnung

  • Die Figur Kristall wurde zusammen mit den Figuren Edelstein, Juwell, Diamant in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Himmelskörper und unbelebte Erde: Erde unter der Nr. 1142 aufgenommen.

Weblinks

 Commons: Bergkristalle in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Lexikon der Symbole: Kristall (vgl. LdS, S. 253) 1989/1994/1998. S. 628