Kreisel (Heraldik)

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Kreisel
 
(Peitschen-)Kreisel
 
Gestürzter Brummer/Brummkreisel
(nach Siebmacher, 1889)

Der Kreisel (auch Kräusel; lat.: turbo; griech.: bembix, rhombos oder strombos; frz.: toupie; engl.: playing top) ist im Wappenwesen eine seltene gemeine Figur.

Darstellung

Die gemeine Figur Kreisel ist gleichnamigen (starren, meist symmetrischen) Körpern beziehungsweise den hölzernen, tönernen seltener steinernen „Spielzeugkreiseln“W-Logo.png nachempfunden, welche eine (gewöhnlich freie, aber auch „gefesselte“) Drehbewegung um eine feste Achse ausführen können, wenn sie in ausreichend Bewegung gesetzt werden (zum Beispiel mittels „Fingerkraft“, „Peitschenschlägen“, „Ab-/Aufziehvorrichtung“ oder ähnlichem). Spezielle Varianten oder differente Kreiselformen sollten unter Nennung ihrer Kreiselart oder ihres zeitgenössischen Eigen- oder Lokalnamens im Blason gemeldet werden (Finger-, Stab-, Abzieh-, Wurf-, Peitschen-, Brummkreisel oder ähnliches).

„Der Kreisel (Tafel XXVIII. Figur 21.): sowohl der mit Peitsche zu bewegende, wie auch der „Mönch“, „Quinte“ oder „Brummer“, genannt (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Besonderheiten oder weitere Elemente, die im Zusammenhang mit einem Kreisel in einem Wappen erscheinen, sind ebenfalls zu melden (zum Beispiel ein Wurfkreisel „mit aufgerollter Schnur“, ein Brummkreisel „mit armreif-/ringähnlicher Abziehvorrichtung“ oder ähnliches). Für Wappendarstellungen empfehlen sich unter anderem folgende Kreiselformen, wobei eine Spitze am Fuß oder vertiefte Ringe, die von der Spitze bis zur breiten Seite reichen, nicht notwendig angezeigt werden müssen, sondern im Ermessen der künstlerischen Freiheit des Wappenkünstlers liegen:

Name Alternative Namen Erläuterung
„Peitschenkreisel“ Doppisch, Dildop, Pindopp, Dilledopp, Triesel, Tanzknopf, Tanzkreisel oder ähnlich Darunter sind eher „zylindrische“ bzw. „kegelförmige“, manchmal „pilzförmige“ Kreiselexemplare ohne Stab oder Stiel, zu verstehen, die mit einer Peitsche durch Schläge von der Seite her in Drehung gehalten werden.
 
Moderner Peitschenkreisel
 
1560: Peitschenkreisel
(Pieter Bruegel; Kinder beim Kreiseln)
„Wurfkreisel“ Trompo Darunter klassifiziert man eher „birnenförmig“ gestaltete Kreisel (mit oder ohne Nagel beziehungsweise Eisenstift an der Spitze), bei denen die um den Kreisel gelegte Schnur festgehalten und der Kreisel geworfen wird.
Besonderheiten wie nach außen stehenden Nägeln an einem Wurfkreisel, die im Spiel dazu dienen, gegnerische Kreisel zu zerstören, sollten gemeldet werden.
 
Moderner Wurfkreisel
 
Betrieb und physikalische Grundlage
„Brummkreisel“ Hohlkreisel, Heulkreisel, Kugelkreisel, Damtiegel, Nickel, Nippel, Topf, Trandel, Brummkiesel, Huddeldopp, Brummturrel, Triebskaule, Brummer, Mönch, Nonne, Quinte oder ähnlich Darunter versteht man Kreiselexemplare, die aus einer ausgehöhlten Kugel oder einem anderen Hohlkörper mit einem Zapfen bestehen; wenn ein Brummkreisel zum Beispiel vermittelst einer Schnur zum Umlaufen gebracht wird, verursacht er ein brummendes Geräusch.[2]
 
Moderne Holzbrummkreisel "Nonne" und "Mönch" (in der Tradition des 19. Jhr., nachempfunden von Armin Kolb)
 
1774: Brummkreisel und Peitschenkreisel (Kupferstich von Daniel Chodowiecki)
„Fingerkreisel“ Tischkreisel oder ähnlich Das sind kleinerer Kreisel, die gewöhnlich am oberen Ende einen Stiel zum Andrehen zwischen den Fingern besitzen.
 
Moderner Fingerkreisel mit exzentrischer Drehachse (gefertigt von Armin Kolb)
 
1735: Knabe mit Finger-/Tischkreisel
„Toton“ Dreidel, Dreidl genannt; jiddisch: Trendl; hebr.: סביבון sewiwon; engl.: draydel Das sind Kreisel mit vier (oder mehr) Seiten, wobei jede Seite des Dreidels einen anderen hebräischen oder lateinischen Buchstaben zeigt.
 
(1906)
 
1560: Mädchen mit Toton/Dreidel
(Detail aus dem Gemälde „Die Kinderspiele“ von Pieter Brueghel)

Kreisel im Wappen der Pidoll von Quintenbach

Wappen von Pidoll von Quintenbach

Die Figur Kreisel ist im Wappen der aus Lothringen stammenden Familie Pidoll von Quintenbach belegt. Die Familie heißt ursprünglich Pidoll. Nach der Besitznahme von Lothringen durch die Franzosen geht Dominique de Pidoll nach Trier. Im weiteren Verlauf der Geschichte besitzt die Familie „die bedeutenden Eisenwerke auf der Quinte an der Mosel“[3] („Quinter Hütte“). Kaiser Karl VI. erhebt im Jahre 1714 François de Pidoll(e) in den Adelsstand mit dem Titel „Ritter von Pidoll, Edler von der Quintenbach“[4], wobei das Prädikat „von Quintenbach“ an den Nebenfluss QuintbachW-Logo.png respektive an den Trierer Stadtteil QuintW-Logo.png angelehnt ist. Das Prädikat „von Quintenbach“ wird im Wappen redend durch eine mit blauer Schnur mit herabhängenden Enden umwundene goldene Quinte (=Kreisel) symbolisiert.[5]

„Quinte = provinziell altdeutscher Ausdruck für den Brummkreisel“

Siebmacher/Gritzner (1889)[6]

„der „Brummer“ (..) zum Beispiel im Wappen der Pidoll von Quintenbach (Rheinprovinz, Tafel XXVII. Figur 22.)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Zum Familiennamen Pidoll und zum Kreisel im Wappen ranken sich abwegige Legenden und Wappensagen sowie viele Deutungen und Vermutungen. Beispielsweise wird einerseits behauptet, dass 1445 ein englischer Holzdrechsler/Soldat (bidault) den Wurfkreisel erfunden habe, „welcher „Pidolot“ (..) eine Dialektform von »bidault« genannt“ und zu „Pidolot“ verstümmelt wurde (vorgeblich ein „Mirecourter Dialekt“)[4][7][8]; andererseits wird phantasiert, dass in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts der Name Pidol entsteht, „da ein Glockengießer neben Glocken auch Wurfkreisel, sogenannte Pidol's, aus Bronze gießt“ und dass der gleiche Glockengießer das Pidoll'sche Wappen erfand, um seine Glocken zu kennzeichnen.[9] Andere vermuten, dass Pidoll eine patronymische Bildung von ahd. Plidolf ist[10]. Diese und ähnliche Spekulationen sind nach derzeitigem Wissenstand weder hinreichend noch wissenschaftlich fundiert belegt.

Ursprung des Kreisels

Der genaue Ursprung der wirklichen Kreisel ist unklar. „Die ersten Formen von Peitschenkreiseln wurden bereits 2000 v. Chr. in Ägypten und etwa 1250 v. Chr. in China entdeckt. Eine erstmalige schriftliche Erwähnung finden sie in Unterlagen aus der Zeit Alexanders des Großen um 344 v. Chr.“[11] Nach anderen, unbestätigten Quellen wurden aus Lehm gemachte Kreisel an den Ufern des Flusses Euphrat gefunden, deren Alter man auf ca. 4.000 Jahre vor Christus schätzt.

Wappenbilderordnung

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 127
  2. Adelung: Brummkreisel. In: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. Band 1. Leipzig 1793. S. 1220
  3. Pierer's Universal-Lexikon: Band 13. Altenburg 1861. S. 122.
  4. 4,0 4,1 Vgl.: Homepage der Familie "von Pidoll": Geschichte der Familie von Pidoll. Abgerufen am 22.11.2015
  5. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, IV. Band, 9. Abteilung; Der Böhmische Adel; Verfasser: R.J. Graf Meraviglia-Crivelli, M.M. von Weittenhiller; Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1886. S. 85
  6. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 288
  7. Gisela Meyer-Franck, Lauter kleine Leute, Band 3 (2012), S. 269
  8. Seite „Kreisel (Heraldik)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 15. Oktober 2015, 05:52 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kreisel_(Heraldik)&oldid=147017109 (Abgerufen: 22. November 2015, 00:18 UTC)
  9. Pidoll zu Quintenbach, Gabriele: Familienwappen. Internet: Erstellt: 01. Mai 2002; abgerufen: 22. November 2015.
  10. Pott, August Friedrich: Die Personennamen: inbesondere die Familiennamen und ihre Entstehungsarten auch unter Berücksichtigung der Ortsnamen. Brockhaus. 1859. S. 266.
  11. Internet: Der Peitschenkreisel. Abgerufen am 08. November 2015.