Länder der Böhmischen Krone

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Länder der Böhmischen Krone (nach 1763): Im Schild vier Felder, der rot-silber geschachte Adler Mährens in Blau, der schwarze Adler Schlesiens in Gold, die goldene dreizinnige Mauer der Oberlausitz in Blau, goldene Adler Oberschlesiens in Blau, der rote Ochse der Niederlausitz in Silber auf grünem Boden, im Mittelschild der silberne Böhmische Löwe in Rot, auf dem Schild ruht die Wenzelskrone.

Als Länder der Böhmischen Krone (auch: Krone Böhmen; Böhmische Krone, Böhmische Kronländer, tschech. Česká koruna, země Koruny české, lat. Corona Bohemiae, Corona Regni Bohemiae) bezeichnet man die Gesamtheit der Länder, die mit dem Königreich Böhmen durch den gemeinsamen Herrscher sowie über Lehensbeziehungen miteinander verbunden waren. Der Begriff bezeichnet also nicht die materielle Krone, die dem König aufs Haupt gesetzt wurde (siehe dazu Wenzelskrone), vielmehr wird damit das entpersonalisierte, aus mehreren Gliedern entstandene böhmische Staatswesen benannt.

Übersicht

Im 12. und 13. Jahrhundert waren nur Böhmen, die Markgrafschaft Mähren und die Grafschaft Glatz auf Dauer miteinander verbunden. Unter den Luxemburger Königen Johann und Karl IV. kamen Schlesien, die Ober- und die Niederlausitz sowie eine Vielzahl von kleineren Reichslehen hinzu. Karl IV. verfügte, dass die Länderverbindung unabhängig von den dynastischen Entwicklungen Bestand haben sollte, auch dann, wenn die Luxemburger einmal aussterben sollten. Die förmliche Verbindung einzelner Territorien mit der Krone Böhmen bezeichnete man als Inkorporationen Das wurde auch unter den Habsburgern ab Ferdinand I. beibehalten, seitdem sie eine der drei Hauptgruppen der Habsburgermonarchie bildeten.

Die Böhmische Krone war weder eine bloße Personalunion noch eine Föderation gleichberechtigter Mitglieder. Stattdessen galten das Königreich Böhmen und seine Stände als Haupt, die anderen Länder als die Glieder. Während die Böhmen den Unterschied zwischen Hauptland und Nebenländern hervorhoben und neben der Führungsrolle im Inneren nach außen die Alleinvertretung des Staates beanspruchten, betonten Mährer, Schlesier und Lausitzer die politische Autonomie ihrer Länder, die sich schließlich freiwillig mit Böhmen vereinigt hätten. Die Führungsrolle Böhmens wurde von den Ständen der Nebenländer nicht grundsätzlich in Frage gestellt, wenngleich sie seit dem Beginn des 15. Jahrhunderts beharrlich mehr Rechte, zum Beispiel die Beteiligung an der Königswahl, forderten.

Außer dem König verfügte die Böhmische Krone über keine gemeinsamen Staatsorgane, was in Krisenzeiten ein großer Nachteil war. Nur selten trafen sich die Stände aller Länder zu Generallandtagen. Lediglich die böhmische Hofkanzlei unter der Führung des Oberstkanzlers war für alle Länder der Krone zuständig. Obwohl kaum Institutionen vorhandenen waren, kam es vor allem im 16. Jahrhundert zu immer engeren politischen Verbindungen zwischen den Kronländern und zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges schien es, als könnte mit der Confoederatio Bohemica das politische System der Böhmischen Krone entscheidend modernisiert werden. Mit der Schlacht am Weißen Berg war dieses Verfassungsexperiment allerdings schnell beendet. In der Folgezeit verlor die Krone Böhmen als Staatskonstrukt innerhalb der frühneuzeitlichen Habsburgermonarchie immer stärker an Bedeutung. Schon 1635 waren im Prager Frieden die Lausitzen herausgelöst und an Sachsen gegeben worden. Im Frieden von Berlin (1742) musste Österreich den größten Teil Schlesiens und die Grafschaft Glatz an Preußen abtreten.

Karten

Krone Böhmen, 1892 (Brockhaus Konversations-Lexikon)
Österreich-Ungarn im 20. Jahrhundert – Böhmische Krone, Kronländer: 1. Kgr. Böhmen, 9. Mkgrft. Mähren, 11. Österreichisch Schlesien

Liste

Land Hauptstadt Ethnien Religion Anmerkungen Wappen
Königreich Böhmen Prag, Tschechen, Deutsche römisch- katholisch, Hussiten und Täufer (15./16. Jh.), Lutheraner 895 unter den Přemysliden Herzogtum, 1085 Königreich, seit dem 14. Jhdt. Kurfürstentum des Heiligen Römischen Reiches, seit 1620 mit allen Kronländern Teil der habsburgischen Erblande, 1918 aufgelöst
Small coat of arms of the Czech Republic.svg
Markgrafschaft Mähren Brünn Tschechen, Deutsche römisch- katholisch, Hussiten und Täufer (15./16. Jh.), Lutheraner um 907 aus Großmähren entstanden, seit 1031 bei Böhmen
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Markgrafschaft Oberlausitz Bautzen Deutsche, Sorben Lutheraner, römisch- katholisch ab dem 12. Jhdt. als Land Budissin erstmals böhmisch, 1329 erneut zu Böhmen, seit dem 15. Jhdt. als Oberlausitz bezeichnet 1635 an das Kurfürstentum Sachsen abgetreten.
Wappen Landkreis Bautzen.svg
Herzogtum Schlesien Breslau, nach 1740 Troppau Deutsche, Polen römisch- katholisch, Lutheraner 1138 polnisches Herzogtum, zerfällt ab 1249 in zahlreiche Teilgebiete, alle bis 1348 zu Böhmen, der größere Teil 1742 bzw. 1763 preußisch, der Rest Österreichisch-Schlesien
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Grafschaft Glatz Glatz Deutsche, Tschechen römisch- katholisch, Lutheraner blieb nach dem Pfingstfrieden von Glatz 1137 als Glatzer Distrikt bei Böhmen und wurde 1348 von König Karl IV. unmittelbar der übergeordneten Krone Böhmen eingegliedert; 1459 Grafschaft, 1742/1763 an Preußen
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Markgrafschaft Niederlausitz Lübben Deutsche, Sorben Lutheraner Markgrafschaft Lausitz seit dem 10. Jhdt. 1367 zu Böhmen, 1635 an Sachsen abgetreten
Wappen Luckau.png

Literatur

  • Marie Bláhová, Jan Frolík, Naďa Profantová u.a. (Hrsg.): Velké dějiny zemí koruny české. Prag 1999 ff.
    Bd. 1: Do roku 1197 (M. Bláhová)
    Bd. 2: 1197-1250 (V. Vaníček)
    Bd. 3: 1250-1310 (V. Vaníček)
    Bde. 4A u. 4B: 1310-1402 (L. Bobková & M. Bartlová)
    Bd. 5: 1402-1437 (P. Cornej)
    Bd. 7: 1526-1618 (P. Vorel)
    Bd. 10: 1740-1792 (P. Belina)
    Fehlende Bände noch nicht erschienen
  • Joachim Bahlcke: Regionalismus und Staatsintegration im Widerstreit. Die Länder der böhmischen Krone im ersten Jahrhundert der Habsburgerherrschaft (1526-1619). (= Schriften des Bundesinstituts für Ostdeutsche Kultur und Geschichte 3), München 1994.

Siehe auch


Fensterraute links oben ausgebrochen.png Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Länder_der_Böhmischen_Krone“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 23. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.