Hirschstange

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Hirschstange
(Wappen von Münsingen)
Hirschstange

Die Hirschstange oder Geweihstange (nach Siebmacher auch Hirschhorn genannt; frz.: demi-ramure; engl.: stag's attire) ist in der Heraldik eine gemeine Figur.

Darstellung

„(..) Wenn nicht anders gemeldet, zeigen bei querliegenden Hirschstangen die Zinken stets nach oben, der Grind nach rechts; bei einer einzeln im Schilde oder auf dem Helme vorkommenden aufrechten Hirschstange ist zu melden, ob es ein rechte ist (das heißt, die Zinken nach rechts gekehrt) oder eine linke (das heißt, die Zinken links gekehrt).

(..) Neuerdings zählt man die Enden des Geweihes, so dass also die Zahl der einzelnen Zinken einer Stange angibt, ob (diese -- Anm. der Red.) vier-, fünf-, sechs-, acht-, zehnendig et cetera ist.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Das Wappen Württembergs und seine Verwandtschaftsbeziehungen

Die Hirschstange ist einer breiten Öffentlichkeit vor allem als Kennzeichen Württembergs bekannt, wo sie in zahlreichen Kommunalwappen zu finden ist. Das Hauswappen Württembergs zeigte in Gold drei liegende schwarze Hirschstangen übereinander. Dieses im Siegelbild erstmals 1228 nachgewiesene Zeichen wurde vom Haus Württemberg vermutlich Ende des 12. Jahrhunderts übernommen, als Graf Hartmann die Erbtochter der Grafen von Veringen heiratete. Auch deren Wappen zeigte drei Hirschstangen, die in der ersten farbigen Darstellung 1330 rot in goldenem Schild erscheinen. Die ebenfalls mit den Veringern versippten Grafen von Nellenburg führten drei blaue Hirschstangen in ihrem Wappen.

Als sich das Herrschaftsgebiet Württembergs nach und nach erweiterte und die Grafen zu Herzögen bzw. später zu Königen aufstiegen, wurde das württembergische Wappen um zusätzliche Felder erweitert, erstmals 1447 um die Barben von Mömpelgard. Die als Stammwappen angesehenen Hirschstangen behielten jedoch bei allen Änderungen einen herausragenden Platz, selbst nach dem Ende der Monarchie. Im heutigen Wappen Baden-Württembergs treten die Hirschstangen nur noch in der Schildkrone des großen Landeswappens auf, außerdem dient ein Hirsch als Schildhalter.

Die württembergischen Hirschstangen in der Kommunalheraldik

Die drei Hirschstangen bildeten anfangs auch das Wappen einiger wichtiger württembergischer Städte, so z. B. Backnang, Sindelfingen, Tuttlingen und Waiblingen, allerdings schufen diese Städte später für ihr Wappen ein Unterscheidungsmerkmal, indem sie eine andere Tingierung oder Schildeinteilung wählten. Als Zeichen der Zugehörigkeit zu Württemberg trat die Hirschstange auch einzeln auf, gelegentlich als alleinige Schildfigur (etwa in Göppingen oder Münsingen), häufiger jedoch als Beizeichen (z. B. Asperg, Pfullingen oder Waldenbuch). Auch nachdem Württemberg im heutigen Land Baden-Württemberg aufgegangen war, trat die Hirschstange − nunmehr in historisierender Weise − in zahlreichen neu geschaffenen Gemeindewappen auf, mit denen die betreffenden Gemeinden ihre traditionelle Verbundenheit mit Württemberg zum Ausdruck bringen wollten (Beispiel: Bad Boll). Besonders häufig ist die Verwendung einer einzelnen schwarzen Hirschstange in goldenem Schildhaupt, so z. B. bei Kirchheim unter Teck oder Freudenstadt. Üblicherweise ist die Wappenfigur so angeordnet, dass die Hornwurzel nach (heraldisch) rechts und die Enden nach links weisen; die spiegelverkehrte Stellung muss in der Blasonierung eigens erwähnt werden, so z. B. im Wappen von Albstadt. Im Wappen Tübingens treten zwei Hirschstangen in der Helmzier auf; sie bilden das Unterscheidungsmerkmal zum Wappen der Stadt Böblingen, deren Schildbild das gleiche ist.

Insgesamt treten heute in gut 90 baden-württembergischen Gemeinde- und in acht Kreiswappen Hirschstangen als Symbol der Zugehörigkeit zu Württemberg auf. Außerhalb Baden-Württembergs findet man Hirschstangen in den Wappen der Elsässer Orte Reichenweier und Andolsheim, die bis Ende des 18. Jahrhunderts als Teil der Herrschaft Reichenweier bzw. Grafschaft Horburg württembergisch waren, des Weiteren im kurzlebigen Wappen des niederschlesischen Landkreises Oels, in dem die Seitenlinie Württemberg-Oels repräsentiert war, und im heutigen Wappen der polnischen Gemeinde Pokój (dt. Bad Carlsruhe, benannt nach einem Herzog aus dieser Seitenlinie).

Die veringischen Hirschstangen in der Kommunalheraldik

Die Grafen von Veringen, die hauptsächlich in der Gegend des LauchertalsW-Logo.png begütert waren, starben in der Hauptlinie 1415 aus. Heute erinnern die roten Hirschstangen im Wappen von VeringenstadtW-Logo.png und LangenenslingenW-Logo.png an sie, vermutlich auch die im Wappen GammertingensW-Logo.png. Die Hirschstange im Wappen von TrochtelfingenW-Logo.png erinnert an Veringen und Württemberg.

Außerdem waren die Veringer Hirschstangen in den ehemaligen Gemeindewappen von Benzingen, Billafingen, RiedetsweilerW-Logo.png und Veringendorf im alten Landkreis SigmaringenW-Logo.png vertreten, wobei letzteres exakt dem der Grafen von Veringen entsprach.

Die nellenburgischen Hirschstangen in der Kommunalheraldik

Die Landgrafschaft NellenburgW-Logo.png mit Hauptsitz in StockachW-Logo.png fiel im 15. Jahrhundert erst in die Hände der Herren von Tengen, dann an Vorderösterreich. Ab 1810 gehörte sie zu Baden. Heute erinnern die blauen Hirschstangen in den Gemeindewappen von Stockach, EigeltingenW-Logo.png, Gailingen am HochrheinW-Logo.png (in umgekehrten Farben), MühlingenW-Logo.png, Orsingen-NenzingenW-Logo.png, SteißlingenW-Logo.png und Emmingen-LiptingenW-Logo.png an die Landgrafschaft, ebenso die im Wappen des Landkreises Konstanz. Nicht an Nellenburg, sondern an Württemberg erinnert die blaue Hirschstange im Gemeindewappen von MönchweilerW-Logo.png (Schwarzwald-Baar-Kreis).

Symbolik

Hirschstangen wurden aus verschiedenen Gründen in Wappen aufgenommen.

  • Da Hirsche Jagdwild sind, kann eine Hirschstange als Symbol für die Jagd oder für Wildreichtum stehen (als pars pro toto), im moderneren Sinne auch als Sinnbild für intakte Natur.
  • Des Weiteren kann sie als „redendes Wappen“ den Namen symbolisieren, für den sie steht, z. B. Hirschberger oder Herzlake („Herz“ von „Hirsch“ abgeleitet).

Wappenbilderordnung

Siehe auch

Der Hirsch in seiner ganzen Größe hat ebenfalls in die Heraldik Einzug gehalten.

Weblinks

 Commons: Hirschstangen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 86, 87


Fensterraute links oben ausgebrochen.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Hirschstange“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 2. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.