Eckfigur

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Eckfigur ist in der neueren Heraldik ein Oberbegriff, der für Wappenfiguren gebräuchlich ist, die eine besondere Eckstellung („in der Ecke“) im Wappenschild (oder Felde) haben beziehungsweise gemäß der Winkel/Ecken einer anderen Figur plaziert sind oder deren flächenmäßige Ausdehnung im Zusammenhang mit einer Schild-/Feldecke räumlich bestimmbar ist. Man unterscheidet ..

  • allgemein: Wappenfiguren, die in einer der vier „Ecken“ des Schildes oder Feldes erscheinen.
  • speziell: Bestimmte Hauptfiguren, die von Nebenfiguren „bewinkelt“ sind.
  • spezifisch: Bestimmte Heroldsbilder, die im Zusammenhang mit den vier „Ecken“ des Schildes oder Feldes besonders zusammengefaßt und benannt sind.

Eckfiguren allgemein

Vier Eckfiguren beziehungsweise: „4 Sterne in den Ecken“

Eckfiguren in allen vier Ecken

Den Ausdruck „[ANZAHL ..][ART ..][FIGUR ..] in den Ecken“ verwendet man in der Heraldik, wenn bestimmte gemeine Figuren -- die sogenannten „Eckfiguren“ -- gleichmäßig in den vier Ecken („rechtes Obereck“, „linkes Obereck“, „rechtes Untereck“, „linkes Untereck“) des Schildes/Feldes verteilt sind. Wird keine Anzahl in der Wappenbeschreibung explizit genannt, so erscheint nur je ein Figur in jeder Ecke; sind in jeder Ecke gleich mehrere kleinere Figuren darzustellen, was in der Praxis vergleichsweise selten der Fall ist, so ist die genaue Anzahl zu melden.

Eckfiguren erscheinen meist als Nebenfiguren oder kleiner als gewöhnlich beziehungsweise stets in einer symmetrischen und angemessenen eckfüllenden Darstellung, insbesondere wenn sie eine größere Hauptfigur im Zentrum des Schildes/Feldes begleiten.

Wenn von der „Normalform“ der Eckfiguren abgewichen wird, sind die genaue Gestalt, Stellung, Ausprägung und die Art, wie die gemeinen Figuren in welche der vier Ecken gestellt sind und welche Attribute sie besitzen, besonders zu beschreiben. Es versteht sich von selbst, daß alle Eckfiguren, die nicht gleich sind beziehungsweise sich voneinander unterscheiden, einzeln zu melden sind. Sind beispielweise in einem Wappen die vier Eckfiguren als Stern, Kugel, Lilie und Kreuz ausgeführt, so sind naturgemäß alle vier zu erläutern; sind zwei Eckfiguren oben gleich (2x Stern) und zwei andere unten gleich (2 Kreuz) -- beziehungsweise zwei gleiche rechts und zwei andere gleiche links -- so sind zwei unterschiedlichen Wappenmotive zu melden; ebenfalls zwei unterschiedliche Motive sind zu beschreiben, wenn eine Eckfigur (1 Stern) anders erscheint als die restlichen drei (3x Kreuz) - und so weiter.

Eckfiguren in ein bis drei Ecken

Teilweise erscheinen Eckfiguren nur in bestimmten Ecken des Schildes/Feldes -- in anderen nicht. (beispielsweise nur eine Eckfigur in der rechten oberen Schild-/Feldecke; oder eine Eckfigur rechts oben, eine links unten, während die anderen Ecken frei bleiben). Auch wenn unterschiedliche Eckfiguren in einem Wappen vorhanden sind, ist naturgemäß das „Wo“ der Eckfiguren in einer Wappenbeschreibungt zu erwähnen. In diesen Fällen können die Figuren und die betroffenen Ecken beispielsweise in folgender Syntax gemeldet werden:

  • [ANZAHL ..][ART ..][FIGUR ..] im rechten Obereck
    (frz.: [..] au canton dextre du chef; engl.: [..] in dexter chief point)
  • [ANZAHL ..][ART ..][FIGUR ..] im linken Obereck
    (frz.: [..] au canton sénestre du chef; engl.: [..] in sinister chief point)
  • [ANZAHL ..][ART ..][FIGUR ..] im rechten Untereck
    (frz.: [..] au canton dextre de la pointe; engl.: [..] in dexter base point)
  • [ANZAHL ..][ART ..][FIGUR ..] im linken Untereck
    (frz.: [..] au canton senestre de la pointe; engl.: [..] in sinister base point)

Bewinkelt

bewinkelt (Kreuz / Schrägkreuz)
 
Schrägkreuz, bewinkelt von 4 Rosen;
(Grafen von Kanitz)
 
Griechisches Kreuz, bewinkelt von 4 Sternen;
(gemäß WBO, Nr. -516)

Mit dem Ausdruck bewinkelt (auch [..] bewinkelt von [..]; frz.: anglée; engl.: beetween) wird in Wappenbeschreibungen eine Wappenfigur (beziehungsweise eine Kombination aus Wappenfiguren) bezeichnet, die infolge ihrer flächenmäßigen Ausprägung eine beherrschende Stellung gegenüber anderen im Wappen vorkommenden Nebenfiguren einnimmt, die zur ihr im Winkel beziehungsweise ins Eck gestellt sind.

In vier Winkeln bewinkelt

Wird der Ausdruck „bewinkelt von“ ohne ergänzende Angaben zu den Eck-/Winkelfiguren in einer Wappenbeschreibung verwendet, so erscheint in jedem der vier Winkeln/Ecken der Hauptfigur jeweils eine der angegebenen Eck-/Winkelfiguren; sind in jedem Winkel mehrere kleinere Nebenfiguren darzustellen, so sollte die genaue Anzahl gemeldet werden.

bewinkelt von (Tafel XIII. Figur 12., abgekürzt: bew. v.): sagt man nur von Kreuzen, Halbkreuzen oder Schragen, wenn sie eine gewisse Anzahl kleiner Figuren gleichmäßig in ihre 4 Winkel verteilt sind. Die Art wie diese Figuren in den 4 Winkeln gestellt sind und wieviel ist in jedem Fall besonders zu melden (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[3]

Varianten der bewinkelten Hauptfigur

bewinkelt (kreuz-/ schrägkreuzweise gestellte Figuren)
 
Zwei schräggekreuzte Stäbe, bewinkelt von vier Rosen
(Gützkower Stadtwappen)[10]
 
Zwei gekreuzte Doppelhaken, bewinkelt von vier Sternen
(Elmstein)

Der Ausdruck „bewinkelt von“ ist gewöhnlich im Zusammenhang mit Kreuzen oder Schrägkreuzen als Hauptfiguren und vier gleichen Nebenfiguren gebräuchlich.

In der Praxis wird er auch verwendet, wenn die vier Nebenfiguren nicht das gleich Motiv darstellen; er wird ebenfalls angewendet, wenn im Wappen zwei kreuz- oder schragenweise gestellte Wappenfiguren erscheinen (zum Beispiel „zwei schräggekreuzte Stäbe“ oder „zwei gekreuzte Doppelhaken“), die gemeinsam eine Art Hauptfigur bilden und von kleineren Nebenfiguren „begleitet“ sind, die in den Flächen zwischen den gekreuzten Figuren beziehungsweise „im Winkel“ der zwei größeren Figuren erscheinen. In der neueren Heraldik findet der Ausdruck „bewinkelt von“ eine weitere Anwendung bei Figuren, die mehr oder weniger eine kreuz- oder schragenförmige Gestalt besitzen (zum Beispiel ein vierblättriges Kleeblatt, eine Lilie oder ähnliches) sowie bei mehr oder weniger geometrischen Figuren mit Winkeln (Stern, Spornrad, Winkelmaß, Sparren, Sturzsparren oder ähnliches).

In ein bis drei Winkeln bewinkelt

Der Ausdruck „bewinkelt von“ wird gewöhnlich zur Beschreibung von vier Winkel-/Eckfiguren verwendet, die um eine bestimmte Hauptfigur angeordnet sind. Teilweise ist er aber auch gebräuchlich, wenn weniger Winkel-/Eckfiguren in einem Wappen erscheinen.

Bewinkelt mit unterschiedlichen Nebenfiguren

Ist eine Hauptfigur von unterschiedlichen Winkel-/Eckfiguren bewinkelt, sind das „Wie“ und „Wo“ der einzelnen Nebenfiguren in der Wappenbeschreibung genau zu erwähnen.

Bewinkelt von Nebenfiguren in Mehrzahl

Sind in einem Winkel/einer Ecke einer Hauptfigur eine Vielzahl von Winkel-/Eckfiguren oder erscheinen in einem Wappenbild neben den eigentlichen Eck-/Winkelfiguren weitere Nebenfiguren, ist die genaue Anzahl und die Stellung der einzelnen kleinen Figuren zueinander exakt zu melden. Also beispielsweise so:

„Figur 12: „bewinkelt von 20, je zu 2:1:2 gestellten Kreuzchen“;
Figur 13: „bewinkelt von 4 gestürtzen Pfeilspitzen 1:1:1:1“;
Figur 14: „bewinkelt von 12, je im verkehrten Triangel (dessen Spitze gegen die vier Winkel des Schragen gerichtet ist) gestellte Kreuzchen“;
Figur 15: „bewinkelt von 16 (á 1:2:1.) gestellten aufg. Rauten“;
Figur 16: „bewinkelt von 12 (á 2:1.) aufg. Kleeblättern““

Siebmacher/Gritzner (1889)[3]

Spezifische Eckfiguren

Unter dem Oberbegriff Eckfiguren sind im Wappenwesen auch spezifische Heroldsbilder zusammengefaßt, die im Zusammenhang mit den vier „Ecken“ des Schildes oder Feldes und der schrägen Ausrichtung der Figuren besonders benannt sind. Dazu gehören beispielsweise die Eckspitzen, die Ecksparren, die Eckkeile, die Eck-Halbkeile und so weiter.

Abgrenzung

„bewinkelt von“ versus „in den Ecken“

Der Ausdruck „bewinkelt von“ ist von der Bezeichnung „in den Ecken“ zu unterscheiden, auch wenn die beiden Ausdrücke in der Literatur und in Wappenbeschreibungen manchmal synonym oder teilweise irrtümlich verwendet werden. Der letztgenannte Ausdruck referenziert immer auf die Schild-/Feld-Ecken, in denen die Eckfiguren erscheinen; der erstgenannte referenziert dagegen auf eine andere Hauptfigur, in deren Winkel die Nebenfiguren zu plazieren sind. Steht diese Figur nicht in der Schild-/Feldmitte, so folgen die in deren Winkel/Ecke stehenden zugehörigen kleineren Figuren der Stellung der Hauptfigur -- stehen also gegebenenfalls gar nicht in einer Schild-/Feldecke.

„bewinkelt von“ versus „im Sechspaß angeordnet“

Der Ausdruck „bewinkelt von“ ist von der Bezeichnung „im Sechspaß angeordnet“ zu unterscheiden, auch wenn die beiden Ausdrücke in der Literatur und in Wappenbeschreibungen manchmal synonym oder teilweise irrtümlich verwendet werden. Der letztgenannte Ausdruck impliziert eine radialsymmetrische Anordnung von gleichwertigen Wappenfiguren zur Mitte des Wappenschildes oder Feldes; der erstgenannte impliziert dagegen ein Verhältnis von einer Hauptfigur, zu einer oder mehreren winkelmäßig angeordneten Nebenfiguren.

Wappenbilderordnung

  • im rechten Obereck wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt III. Stellung im Schilde (oder Felde) bei einer oder mehreren Figuren der gleichen Art unter der Nr. -323 aufgenommen.
  • im linken Obereck wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt III. Stellung im Schilde (oder Felde) bei einer oder mehreren Figuren der gleichen Art unter der Nr. -324 aufgenommen.
  • im rechten Untereck wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt III. Stellung im Schilde (oder Felde) bei einer oder mehreren Figuren der gleichen Art unter der Nr. -334 aufgenommen.
  • im linken Untereck wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt III. Stellung im Schilde (oder Felde) bei einer oder mehreren Figuren der gleichen Art unter der Nr. -335 aufgenommen.
  • Bewinkelt wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt V. Beziehung von Haupt- und Nebenfigur unter der Nr. -516 aufgenommen.

Einzelnachweise

  1. Wappenbeschreibung: „In Silber zwischen vier roten, sechsstrahligen Sternen in den Ecken ein rotes Herz, aus dem oben in der Mitte an blauen Stengeln drei blaue, eins zu zwei stehende Vergißmeinnichtblüten mit goldenen Butzen wachsen. “
  2. Wappenbeschreibung: „In Rot ein blaubewehrter goldener Greif mit vier silbernen Rosen in den Ecken.“
  3. 3,0 3,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 73/74
  4. Wappenbeschreibung: „In Blau ein durchgehendes, geschliffenes silbernes Kreuz, bewinkelt von vier goldenen Sternen. “
  5. Wappenbeschreibung: „ In Blau ein durchgehendes, geschliffenes silbernes Kreuz, bewinkelt von vier goldenen Lilien.“
  6. Wappenbeschreibung: „In Blau ein geschliffenes silbernes Lilienkreuz, belegt mit einer grünbesamten roten Rose mit grünen Kelchblättern, bewinkelt von vier fünfstrahligen goldenen Sternen.“
  7. Wappenbeschreibung: „In Rot ein schwebendes angetatztes goldenes Kreuz mit eingeschlagenen eichenblattartigen Verzierungen an den Balkenenden, bewinkelt von vier silbernen Adlern. “
  8. Wappenbeschreibung: „In Silber ein rotes durchgehendes Balkenkreuz, bewinkelt von vier schwarzen Ringen (Kreisen).“
  9. Wappenbeschreibung: „In Rot ein silberner Leistenschragen, bewinkelt von vier zweiblättrigen goldenen Eichenzweigen mit einer Eichel. “
  10. Wappenbeschreibung: „In Gold zwei schräggekreuzte Stäbe, bewinkelt von vier roten Rosen mit goldenem Butzen und grünen Kelchblättern.“
  11. Wappenbeschreibung: „In Gold, ein vierblättriges grünes Kleeblatt, in dessen Winkeln vier schwarze Rauten stehen. “
  12. Wappenbeschreibung: „In Blau ein achtstrahliges goldenes Spornrad, bewinkelt von acht silbernen Perlen; in der Mitte des Spornrades innerhalb eines goldenen Perlenringes eine große silberne Perle.“
  13. Wappenbeschreibung: „Gespalten von Blau und Silber mit einer Lilie verwechselter Farbe, bewinkelt rechts von zwei silbernen Rosen, links von zwei blauen Sternen.“
  14. Wappenbeschreibung: „In Gold (Gelb) zwei gekreuzte rote Mazzaschlegel, bewinkelt von vier roten Kugeln.“
  15. Wappenbeschreibung: „In Grün zwei gekreuzte goldene Ackerreuten mit silbernen Eisen, oben bewinkelt von einem schwebenden silbernen griechischen Kreuz.“
  16. Wappenbeschreibung: „In Blau ein schwebendes silbernes Tatzenkreuz, in dessen rechtem oberen und linkem unteren Winkel je ein sechsstrahliger goldener Stern.“
  17. Wappenbeschreibung: „In Rot ein schwebendes angetatztes goldenes Kreuz, oben links und unten rechts bewinkelt von je einem sechsstrahligen silbernen Stern.“
  18. Wappenbeschreibung: „In Gold auf grünem Boden stehend ein schwarzer wilder Mann mit grünem Laubkranz und grünem Blätterschurz, der mit der Linken einen stehenden grünen Hopfenstock hält und die Rechte auf einen Schild unter einer schwebenden grünen Hopfenrebe legt; darin in Rot zwei schräg gekreuzte silberne Wolfseisen, beiderseits und unten bewinkelt von je einem sechsstrahligen goldenen Stern.“
  19. Wappenbeschreibung: „In Silber ein durchgehendes schwarzes Kreuz, bewinkelt im ersten und dritten Feld von einer roten Rose mit goldenem Butzen und Kelchblättern, im dritten und vierten von einem fünfspeichigen roten Rad.“
  20. Wappenbeschreibung: „In Rot schräg gekreuzt zwei silberne Hacken; bewinkelt oben von einem silbernen Hufeisen, beiderseits von goldenen Tulpenblüten, unten von einer silbernen Rübe.“
  21. Wappenbeschreibung: „In Silber ein blaues Flechtkreuz mit leicht auseinander geschobenen Kreuzbalken, bewinkelt von oben je zwei diagonal versetzt im Winkel stehenden sechsstrahligen blauen Sternen und unten je einem sechsstrahligen blauen Stern.“
  22. Wappenbeschreibung: „Geteilt von Gold und Schwarz, oben ein schwarzer, goldbewehrter und goldgezungter wachsender Löwe, unten zwei silberbespitze rote schräggekreuzte Pfeile, bewinkelt von sechs, oben und unten von je einer, vorne und hinten pfahlweise von je zwei goldenen Kugeln.“
  23. Wappenbeschreibung: „In Silber ein durchgehendes grünes Tatzenkreuz, bewinkelt mit je zwei roten heraldischen Rosen mit goldenen Kelchblättern und goldenem Butzen.“
  24. Wappenbeschreibung: „In Blau ein von drei silbernen Eichenblättern bewinkeltes goldenes Kleeblatt.“
  25. Amtsblatt des Landkreis Nr. 9/2006, S. 79 (PDF; 1,0 MB)