Bergkristall (Heraldik)

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In der Früh-/Blütezeit des Wappenwesens sind Bergkristallfiguren nicht gebräuchlich.
Bergkristall
 
Reiner Quarz (Bergkristall)
 
Drei fächerförmig aus Muttergestein ragende Bergkristalle (Wappen UttendorfW-Logo.png)
Darstellung je eines idealen Rechts- und Links-Quarzkristalls
Langprismatisch
 
 
Muster: Mögliche Tracht, möglicher Habitus einer heraldisch-stilisierten Bergkristallfigur

Der Ausdruck Bergkristall (auch Berg Christall, Bergkrystall, Quarz, Quarzkristall, Tiefquarz oder ähnlich beziehungsweise kurz und ungenauW-Logo.png Kristall genannt; lateinisch cristallum; französisch quartz, cristal de roche; englisch quartz, quartz crystal, roch crystal, rockcrystal) bezeichnet in der neueren Heraldik eine gemeine Figur.

Darstellung

Die Figur Bergkristall ist -- heraldisch stilisiert -- einem idealen, regelmäßigen, sechseckigen, trigonal symmetrischenW-Logo.png, langprismatischen Quarzkristall/-mineral nachempfunden. Die heraldische Figur wird gewöhnlich mit einfachen Linien „facettiert“, um beim Betrachter den Eindruck der typischen Kristallform (Rechts-/Linksquarz) zu erwecken und die charakteristischen, durch innere Spannungen entstandenen Risse des Vorbilds anzudeuten. Durch die Facettierung erscheint die Figur insgesamt eher „plastisch“ beziehungsweise in gewisser Weise „räumlich“. Die genaue Ausführung und Form der Facettierung obliegt der wappenkünstlerischen Freiheit. Sie wird gewöhnlich nicht gemeldet. Manchmal sind die durch die Facettierung entstehenden Felder/Flächen mit verschiedenen heraldischen Farben oder in unheraldischen Schwarz-/Grautönen tingiert, um den räumlichen Eindruck zu unterstreichen oder eine Schattierung anzudeuten. In diesen Fällen sollte die Farbgestaltung dezidiert beschrieben werden. Eine Facettierung beziehungsweise „Schattierung“ mit Schwarz-/Grautönen gilt als unheraldisch und sollte vermieden werden. Das Wappenmotiv Bergkristall erscheint gewöhnlich in Silber; es kann grundsätzlich aber auch in einer anderen heraldischen Tinktur eingefärbt sein.

In der Normalform ist die Bergkristallfigur langprismatisch und steht aufrecht (pfahlweise, „säulenartig“) im Wappenschild; andere Stellungen (schrägrechts, schräglinks, waagerecht) und andere regelmäßige Polyederformen der Figur (spitzegestellter Hexaeder, Oktaeder usw.) sollten angezeigt werden.

Wachsen Bergkristallfiguren aus Muttergestein („Kristallbett“), so ist dies zu melden, genauso wie die Anzahl und Stellung der einzelnen Bergkristallfiguren zueinander (zum Beispiel: „drei fächerförmig aus Muttergestein ragende Bergkristalle“).

Bergkristall als Nebenfigur

Die Bergkristallfigur wird in Wappen teilweise mit anderen gemeinen Figuren kombiniert oder ist -- inbesondere bei Kommunalwappen -- Nebenfigur in einem komplexer gestalteten Wappenbild (beispielsweise erscheinen im eher unheraldischen „Wappen“ von Samaniego im linken Feld kaum sichtbar mehrere Bergkristalle).

Symbolik

Außerhalb der Heraldik beziehungsweise in der traditionellen Edelsteinsymbolik entspricht der Bergkristall (wie auch der Diamant) der Sonne[3] und stellt vollendete Tugend beziehungsweise unbefleckte Reinheit dar[4]. In der christlichen Ikonografie ist der Bergkristall, „der nicht aus sich heraus leuchtet, aber das Licht der Sonne strahlend wiedergibt, ein MariensymbolW-Logo.png“.[5] Seit der industriellen Revolution symbolisiert ein Bergkristall manchmal das Kristallglasgewerbe oder ähnliche Industriezweige.

Weblinks

 Commons: Kristall in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Wappenbeschreibung: „In Rot über einem sechsspeichigen silbernen Rad nebeneinander drei silberne Kristalle.“
    Eintrag zum Wappen von Neuhütten (Unterfranken) in der Datenbank des Hauses der Bayerischen GeschichteW-Logo.png
  2. Wappenbeschreibung: „In Blau ein goldener, zweimal gestufter Felsen, im Schildfuß von einem schwarz-blau geöffneten ummauerten Tunnelmund durchbrochen, rechts oben von einem silbernen dreifachen Bergkristall beseitet.“
    Zitiert nach Wilhelm Deuer:
    Die Kärntner Gemeindewappen. Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2006, ISBN 3-900531-64-1, S. 180
  3. Knaurs Lexikon der Symbole: Diamant. 1989/1994/1998. Verlag Droemer Knaur. S. 222. (vgl. LdS, S. 90)
  4. Knaurs Lexikon der Symbole: Edelsteine. 1989/1994/1998. Verlag Droemer Knaur. S. 262. (vgl. LdS, S. 107)
  5. Knaurs Lexikon der Symbole: Kristall. 1989/1994/1998. Verlag Droemer Knaur. S. 628. (vgl. LdS, S. 253)