Erniedrigt

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Als erniedrigt (auch eher unkorrekt „gedrückt“ genannt[1]; frz.: abaissée [abeˈse]=„heruntergelassen; erniedrigt“; engl.: abased) bezeichnet man in der Fachsprache der Heraldik Wappenfiguren, die „niedriger als gewöhnlich“ gestellt sind. Sie erscheinen im weitesten Sinn „gegenüber ihrer Normalposition nach unten verschoben“.

Zum Beispiel erscheint das Heroldsbild Balken in seiner „Normalposition“ in der Herz-/Mittel-/Balkenreihe des Schildes/Feldes; wenn der Balken unter diese Reihe gerückt ist beziehungsweise wenn er dem unteren Schildrand näher ist als dem oberen, wird er als „erniedrigter Balken“ beschrieben.

Der Ausdruck erniedrigt ist in der Heraldik nur dann anzuwenden, wenn die Senkung der Figur deutlich sichtbar ist. Beispielsweise ist ein Sparren heraldisch korrekt gezeichnet, wenn er den oberen Schildrand berührt (Normalposition, Variante A); er ist auch heraldisch korrekt gezeichnet, wenn ein kleiner Abstand zwischen seiner Spitze und dem oberen Schildrand liegt (Normalposition, Variante B). Letzeres wird nicht besonders blasoniert, sondern obliegt der wappenkünstlerischen Freiheit. Erst, wenn der Abstand etwa die Schildhaupthöhe beträgt oder noch weiter signifikant nach unten verschoben ist, spricht man von einem „erniedrigten Sparren“.

Querfurth und Walter Leonhard bestimmen den Ausdruck 1872 beziehungsweise 1978/2003 folgendermaßen:

Erniedrigt heißt eine Figur, wenn sie dem Schildfuss näher gerückt ist, als ihr ordnungsgemäß zukommt. »Erhöht« als der Gegensatz hiervon erschließt sich hiernach von selbst. - »Erniedrigt« heißt insbesondere ein (asdann auch etwas schmal dargestelltes) Schildeshaupt, wenn sich noch ein Platz von der Tinctur des Feldes über dem Schildeshaupte befindet. Das erniedrigte Schildeshaupt unterscheidet sich, - wenn es überhaupt mit Parallellinien gezogen ist, da es ja auch von Curven begrenzt sein könnte - von dem Balken nur dadurch, dass letzterer die Herzstelle (..) des Schildes einnimmt, das erniedrigte Schildeshaupt jedoch nicht so tief gelegt werden darf (..) Manche nennen ein solches mit geraden Linien, also balkenweise geschränktes erniedrigtes Schildeshaupt, einen »erhöhten Balken«, was allerdings so ziemlich auf Eines herauskommen dürfte.“

Curt Oswalt Edler von Querfurt (1872)[2]

erniedrigt: unterhalb der horizontalen Schildachse“

Walter Leonhard (1978/2003)[3]

In der Früh-/Blütezeit des Wappenwesens war der Begriff „erniedrigt“ nicht gebräuchlich. Auch in der neueren Heraldik unterscheidet man nicht wirklich mathematisch-geometrisch exakt, wann eine Figur „erniedrigt“ ist, wann nicht. Vielmehr verwendet man diesen Ausdruck als mehr oder weniger grobe Empfehlung in Abgrenzung zu anderen, die ebenfalls eine Abweichung von der Normalfigur charakterisieren. Es ist beispielsweise üblich, in Wappenbeschreibungen zwischen den Figuren „Winkelfuß“, „Erniedrigte Spitze“, „Spitze zum Schildhaupt“, „Flache Spitze“ und „(gemeine) Spitze“ zu unterscheiden; gleichwohl finden sich Wappenaufrisse, wo eine erniedrigte Spitze als flache Spitze dargestellt wird, eine flache Spitze als Winkelfuß, eine Spitze als Spitze zum Schildhaupt und so weiter.

Abgrenzung

  • Das Gegenteil der erniedrigten Darstellung -- das ist: „höher als gewöhnlich“, „nach oben gegenüber der Normalposition verschoben“ -- wird als „erhöht“ in der Wappenbeschreibung angesprochen.
HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Erhöht
  • Der Ausdruck erniedrigt wird oft bei waagerecht stehenden Wappenmotiven verwendet (zum Beispiel, wenn eine Balken ein Schild/Feld teilt); bei vertikalen Figuren wird er selten oder gar nicht angewendet. Beispielsweise wird ein Pfahl, der in Normalposition ein Schild/Feld spaltet, nicht als erniedrigt bezeichnet, wenn er den oberen Schild-Feldrand nicht berührt, sondern als „oben verkürzt“, „oben verstutzt“, „oben abgeledigt“ oder ähnliches.
  • Wappenmotive, die „seitlicher als gewöhnlich“ stehen beziehungsweise gegenüber ihrer „Normalposition“ nach rechts oder links versetzt sind, werden mit dem Ausdruck „nach rechts/links verschoben“ blasoniert.

Wappenbilderordnung

  • Der Ausdruck erniedrigt wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Stellung im Schilde (oder Felde) bei einer oder mehreren Figuren der gleichen Art unter der Nr. (0161)-363 aufgenommen.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: erniedrigen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 242.
  2. Querfurt, Curt Oswalt Edler von: Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. Nördlingen: Beck. 1872. Neudruck: Wiesbaden: M. Sändig. 1969. Seite 34 f.
  3. Leonhard, Walter: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung, Bechtermünz-Verlag 1978/2003. ISBN 3-8289-0768-7 S. 349