Fugger

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Wappen der Fugger von der Lilie, verliehen 1473
Zwei Wappen der Grafen Fugger, verliehen 1535
Einige halten das dargestellte Allianzwappen für Fugger-Pappenheim; andere für Fugger-Waldburg.
Wappen von Graben
Die Geschichte der Fugger - ein historischer Wirtschaftskrimi: Sie waren reicher und mächtiger als die 100 größten Konzerne der Gegenwart.
Sie bestachen - lange vor Lockheed - Könige, Kaiser und selbst Päpste. Sie finanzierten den Krieg gegen die Protestanten und die Eroberung Südamerikas. Sie retteten Europa vor den Türken und die Habsburger vor dem Untergang. Sie ließen aufständische Bauern niedermetzeln und organisierten den Ablaßhandel. Sie sammelten die wertvollsten Kunstschätze und gründeten den ersten Sozialfonds der Neuzeit.
Sie erfanden die Gleichung: Weltgeschichte = Geldgeschichte


Die Fugger sind ein schwäbisches Adelsgeschlecht des Hochadels, das seit 1367 in Augsburg ansässig war. Während man lange annahm, dass die Linie „Fugger vom Reh“ 1494 erlosch, erlangte die noch heute bestehende Linie „Fugger von der Lilie“ durch die Fuggerische Handelsgesellschaft Weltgeltung. Diese wurde von Jakob dem Älteren (1469 gestorben) begründet.

Inhaltsverzeichnis

Das Fugger'sche Geschlecht aus Sicht der Heraldik

Die Geschichte des Fugger'schen Geschlechtes ist eine der belebtesten und soweit dies möglich abgeschlossensten unter den Genealogien des deutschen Adels. Das Haus Fugger ist vielleicht auch eines der wenigen Adelsgeschlechter, das sich seiner echt bürgerlichen Herkunft nie geschämt, sondern dieselbe allzeit mit gehöriger Betonung anerkannt hat. Es hat sich im Gegensatz zu manchen andern Geschlechtern des Adels, die ihre Ahnherrn schon weit vor den Zeiten fanden, in denen überhaupt ein Adel in unserem Sinne bestanden hat, hier immer damit begnügt, den Hanns Fugger, der ein ehrsamer Weber und „Besitzer eines Tagwerkes Wiesmat" in Graben am Lechfeld war, als den Ahnherrn anzuerkennen und weiß, dass sein Sohn Hanns, gleichfalls Weber, sich zuerst 1370 durch Heurath das Bürgerrecht zu Augsburg erworben, einen Leinwandhandel angefangen und dadurch in den Besitz eines Vermögens von 3000 Gulden gekommen ist, welches schon seine Söhne Andreas und Jakob als Grundlage des nachherigen Reichtums der Fugger überkommen haben.
Des Andreas Nachkommen haben bereits 1452 einen Wappenbrief von Kaiser Friedrich III. erworben (der Schild hatte in B. ein g. Reh, daher diese Linie, welche ungefähr um 1590 erloschen ist, sich die Fugger vom Reh nannte).
Des Jakob Nachkommen sind etwas später Wappengenossen geworden. Ihnen hat der Kaiser 1473 einen Wappenbrief verliehen, und zwar den Schild gespalten mit den zwei Lilien, daher sie dann zum Unterschied von der älteren Linie mit dem Reh, insgemein nur die Fugger von der Ilgen genannt worden sind.
Schon zu Ende des XV. Jahrhunderts war das Vermögen der Fugger von der Ilgen bedeutend angewachsen, hauptsächlich durch großartigen Betrieb zweier Unternehmungen des levantinischen Handels und des tirolischen und kärntnerischen Bergbaues. Wie rasch diese Reichtümer sich durch Fleiß und Umsicht vermehrt hatten, das beweist u. a. die Tatsache, dass, Jakob Fugger 1504 von K. Maximilian die Grafschaft Kirchberg und die Herrschaft Weissenhorn, um 70000 Gulden pfandweise, dann die Herrschaften Schmichen, Pfaffenhofen, Marstetten, Füssendorf, Disachhausen und Wullenstetten kaufsweise erwarb.
Fünf Jahre später, 1509, sandten des Jakobs Söhne, Jakob, Ulrich und Georg, die vom selben Kaiser in den Adelstand erhoben worden waren, drei selbstausgerüstete Schiffe nach Westindien auf den "Welthandel", und zahlten innerhalb acht Wochen dem Kaiser 170000 Dukaten bar als Hilfsgelder zum Kriege gegen die Venediger.
Während K. Karl V. auf dem Reichstage zu Augsburg verweilte, wohnte er im Fugger'schen Hause und in demselben ist auch 14. Nov. 1530 das Reichsgrafendiplom für die Gebrüder Raimund und Anton die Fugger ausgefertigt worden. Der Brief erhielt außerdem noch so viele Freiheiten und Privilegien für das Fugger‘che Geschlecht, dass K. Karl V. später selbst gesagt haben solle „er habe dergleichen Freiheiten nie zuvor einem Geschlechte erteilt, sei auch nicht gesonnen, dergleichen je wieder zu thun.“
Dennoch gab er 1534 denselben Fuggern, als sie ihn mit Geld zu seinem Kriege wider Tunis unterstützt hatten, das Recht goldene und silberne Münzen zu schlagen, von welchem die Familie zu verschiedenen Zeiten Gebrauch machte.
1629 kam weiter die größere Pfalzgrafenwürde hinzu, welche den Senior des Geschlechts befugte, sogar Adelsdiplome zu erteilen. In dem Maße wie die Fugger in der Gnade des Kaisers stiegen, hoben sie sich auch vor der Welt und im eigenen Werte.
Was sie für die katholische Religion getan, ist bekannt genug, namentlich konnten es protestantische Historiker ihnen nie verzeihen, dass sie die Jesuiten nach Augsburg gebracht und ihnen ein eigenes Kollegium erbaut hatten.
Aber auch die Fuggerei allein war für Augsburg selbst eine großartige Stiftung, die noch heute mit ihren 106 Häusern eine kleine Stadt für verarmte Bürger inmitten der großen Stadt bildet und im Flor ist. Neben ihren bürgerlichen Pflichten (sie zahlten z. B, nach einem Vertrag mit der Stadt vom J. 1545 eine Aversalsumme von 2400 Goldgulden als jährliche Steuer, blieben auch als Reichsgrafen noch im Patriziat bis um 1720) — neben diesen ihren bürgerl. Pflichten und Ämtern findet man die Fugger auch in geistlichen und "weltlichen Würden als Bischöfe zu Regensburg, Konstanz, Fürstpröbste zu Ellwangen, als kaiserliche Räte und Kämmerer, Präsidenten des Reichskammergerichts u. s. w.
Die Grafen Raimund und Anton Fugger waren auch als Gönner der Wissenschaft und Kunst hochgerühmt, ließen namentlich viele alte Kunstwerke aus Italien und Griechenland kommen und gaben u. a. so dem Herzog Albrecht V. von Bayern die Gelegenheit an die Hand, seine berühmte Kunstkammer in München zu gründen und zu vermehren.
Anton's Büchersammlung war zu jener Zeit eine der ersten in der gebildeten Welt und Jakob Fugger hat sich als Verfasser des „Ehrenspiegels", dessen Original-Manuskript noch auf der Münchner Bibliothek aufbewahrt wird, bestens hervorgetan.
In dieser Weise finden wir kein Geschlecht überall und in jeder Weise so hervorragend als eben die Fugger, und es gab eine Zeit, da der Name allein genügte den Inbegriff alles Wünschenswerten in sich zu vereinigen. Die gegenwärtige fürstliche Linie Fugger-Babenhausen stammt von dem oft genannten Anton Fugger, Raimunds Bruder. Sie hat Babenhausen bereits 1538 von denen v. Rechberg erkauft und aus ihr ist Graf Anselm Fugger († 1821) von K. Franz II. kurz vor dem Schluss des römischen Reichs, am 1. Aug. 1803 nach dem Rechte der Erstgeburt in den Reichsfürstenstand erhoben worden.

Wappen

Das Wappen der Fugger von der Lilie ist ein Lilien-Wappen. Die Fugger-Lilie ist heute noch beispielsweise im Wappen des Landkreis Augsburg zu sehen. Der andere Zweig, die Fugger vom Reh, hatten in Blau ein goldenes, springendes Reh. Die Symbole der beiden Fuggerlinien „Fugger von der Lilie“ und „Fugger vom Reh“ wurden im Gemeindewappen von Graben vereinigt.

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Das Stammwappen von 1473

welches den Fugger von der Ilgen (Lilie) 1473 von Kaiser Friedrich III. verliehen worden ist, hat den Schild gespalten von Gold und Blau, in jedem Platz eine Lilie (Ilge) in verwechselten Farben.
Auf dem Helm eine blau, gold-gespaltene Lilie zwischen zwei Hörnern goldenen, blau. Decken: blau, gold
Dies Stammwappen ist auch noch lange nach der Zeit da die Fugger schon Grafen waren und viele Herrschaften besaßen, neben den vermehrten Wappen im Gebrauch gewesen.

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Wappen des Fürsten Fugger von Babenhausen

Der Schild geviertet mit Herzschild. Dieser ist mit einem Fürstenhut bedeckt und zeigt in G. einen # Stern von drei. 2. 1, # Schlägeln begleitet (Babenhausen). Im Hauptschild ist 1. u. 4. von G. und B. gespalten mit zwei Lilien in verwechselten Farben (Fug 2; er), 2. hat in S. wachsend eine gekr. #-gekleidete Mohrin, die in der Rechten eine g.-bordirte r. Bischofsmütze hält (Kirchberg) und 3. hat in R. übereinander drei g.-bespangte und beschnürte s. Jagdhörner (Weissenhorn). Auf dem Schild ruhen fünf Helme. Der I. hat die drei Römer vor einem r. Federbusch (Weissenhorn), der II. trägt den kaiserlich-gekrönten Reichs-Adler (Gnaden-Zeichen im Fürstenbrief), der III. hat einen s. Zinnenthurm (Babenhausen), der IV. zwischen g.. b. Hörnern eine b., g. gespaltene Lilie (Fugger) und der V. einen #-gekleideten Mohrenrumpf mit der Bischofsmütze auf dem Kopf. Decken: I. r., s., II. u. III. #, g., IV. b., g. und V. #, s. Als Schildhalter: zwei Jünglinge in Wappenröcken, jeder mit der äussern Hand ein Panner haltend. Der Wappenrock des vordem, rechtsstehenden Schildhalters ist G., b.-bordirt und mit b. Lilien besät, das Unterkleid ist gold u. leer.[1] Die Kleidung des andern Schildhalters ist wie die eben beschriebene, doch in verwechselter Farbe. Außerdem trägt jede noch auf der Brust ein # Schildlein, das des ersten enthält die Chiffre C. V. (Carolus V.) und das des andern F. II» (Ferdinandus II.) in Silber. Das Panner des I. ist b., g. (von der Stange aus gerechnet) geviertet, in jedem Platz eine Lilie in verwechselten Farben, mit einem Herzschildlein belegt, das, mit einem Fürstenhut bedeckt, in B. den s. Buchstaben L. (Liebe) zeigt. Das andere Panner ist #, g. geviertet mit einfach gekrönten Herzschild, das gleichfalls in B. die Zahl 3 (Treue) enthält. [2] Als Wahlspruch stehen auf einem Zettel unter dem Schilde die Worte : Gott und Maria. Das Ganze umgibt ein hermelin-gefüttertes, fürstlich gekröntes pp. Wappenzelt.

Taf. 48 Wappen Der Fugger Von Kirchberg und Weissenhorn 1530 a.jpg

Wappen der Fugger von Kirchberg und Weissenhorn von 1530

Wenn man auch das Jahr der eisten Wappenverleihung (1473) an das Fugger'sche Geflecht genau kennt, so sind doch über das Datum der ersten Adelserhebung die Nachrichten nicht ganz sicher. Man findet gemeiniglich, dass K. Max I. die Fugger geadelt habe, zurzeit da sie Kirchberg und Weissenhorn von ihm pfandweise erhoben. Andere sagen, das Diplom K. Karl V. v. J. 1530 sei ein Adels-, Freiherrn- und Grafendiplom. So viel ist jedoch gewiss, dass die Fugger sich des Grafentitels im XVI. Jahrhundert noch nicht ja selbst erst gegen Ende des gedachten Jahrhunderts des Freiherrntitels sich bedient haben. So finde ich in Daniel Prasch's „Epitaphia Augustana" Abschriften von Grabsteinen des Fuggerschen Geschlechtes, auf denen Anthonius Fugger (+ 1560) nur Dominus in Kirchberg et Weissenhorn genannt wird, ebenso dessen Sohn Hieronimus (+ 1573) und Enkel Hieronimus (+1579). Dagegen wurden der zweite Sohn des erwähnten Anton, Johann Fugger (+ 1598) und der dritte Sohn, Hieronimus (+ 1608) auf ihren Grabschriften „Baro in Kirchberg etc." genannt. Gleicherweise erscheint unter diesem Titel auch noch Albert Fugger von Oberndorf (t 1614). Raimund Fugger, der neben seinem Bruder Anton wie oben erwähnt der Erwerber des Diploms v. J. 1530 war, unterschrieb sich zeitlebens nur „Raymundus Fugger“ und auf seinem Grabdenkmal werden ihm die Prädikate „Patronus atque mäcenas studiosorum atque egenorum, amantissimus optimarum artium atque rerum antiquarum etc.", aber ausserdem nur der Titel Dominus gegeben. Aus Allen diesem möchte wenigstens das mit Sicherheit hervorgehen, dass die Fugger sich im XVI. Jahrhundert noch der ihnen durch kaiserl. Gnaden erteilten Titel nicht oder nur sehr selten bedienten. Man nimmt allgemein an, dass das erste vermehrte Wappen den Fugger im Diplom vom 14. Nov. 1530 erteilt worden sei und ich habe daher zu diesem "Wappen die besagte Jahreszahl gesetzt, bemerke aber, dass der gedachte Raimund F. noch 1532 eine Urkunde siegelte, auf deren Siegel das Stammwappen sogar noch mit geschlossenen oder Stechhelm sich zeigt *). Das vermehrte Wappen nun hat den Schild geviertet, 1. u. 4. Fugger, 2. Kirchberg, 3. Weissenhorn, gerade so wie noch heutzutage der Rückschild des fürstl. Wappens (s. T. 46). Auf dem Schild stehen die Helme Fugger und Kirchberg mit ihren betr. Decken. Das kirchberg‘sche Wappen habe ich nach einem alten Originale bereits früher**) gegeben, und bemerke hier nur, dass die Figur der Mohrin ursprünglich ganz (nicht wachsend) war und eigentlich auch so sein sollte. Man findet aber in verschiedenen fugger'schen Wappen mancherlei Auffassung dieses kirchberg'schen Schildes und namentlich wird das Kleinod desselben (das ursprünglich eine s. Bischofsmütze, später der Rumpf der Mohrin mit derselben Mütze auf dem Haupt war) sehr variirt gefunden, wie die nachfolgenden Wappen zur Genüge zeigen werden.

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Die Grafen Fugger von Glött

(welche Herrschaft 1536 von Ulrich Burggraf von Augsburg um 16400 Gulden erworben worden war) hat den obenbeschriebenen Rückschild und die zwei Helme, dazu noch einen Herzschild, welcher das Wappen der + Freiherrn von Polweil enthält: In B. ein g., r.-gesparrter Pfahl — auch ein g. Pfahl mit drei r. Sparren belegt.[3]

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Wappen der Grafen Hanns Jakob Fugger zu Pfirt 1591

das Fugger'sche Wappen in 1. u. 2. des Hauptschildes dem Raume nach eigentlich in zwei Wappen getrennt ist, wahrscheinlich der Gleichförmigkeit mit der Grösse der übrigen Felder, Kirchberg, Weissenhorn, Pfirt (5), Bussnang (6), Hohenkrähen (7) und Taufkirchen (8) zulieb.
Das hier dargestellte Wappen ist dasjenige, welches Hans Jakob F., nachdem er die Grafschaft Pfirdt von Oesterreich zum Pfand erhalten, ingleichen Hohen-Kreen, Taufkirchen und Bussnang erkauft (1591) führte. Von seinen Nachkommen trägt wohl noch eine Linie den Namen : Pfirtische oder Johann Jakobs Linie, führt aber nicht mehr das hier angeführte Wappen. Dieses ist dreimal gespalten und einmal getheilt, und enthält in 1. und 2. Fugger, 3. Kirchberg, 4. Weissenhorn, 5. Pfirdt, 6. Bussnang: 7. Hohenkreen und 8, Taufkirchen. Auf dem Schild zwei Helme: Fugger und Kirchberg.

Taf. 49-Wappen Der Grafen Fugger Von Adelshofen und Zinnenberg.jpg

Wappen der Grafen Fugger von Adelshofen und Zinnenberg

Das Wappen ist das der † Linie Fugger-Adelshofen und Zinnenberg,[4] welche von dem Grafen Severin Fugger stammt, der des Grafen Ulrich von Helfenstein Tochter geheiratet hatte und nachdem die Hellenstein im J. 1627 im Mannstamm abgegangen, deren Wappen in seinen Schild aufnahm. Der Schild geviertet mit Herzschild (Fugger). Im Hauptschild: 1." Helfenstein)., 2. Kirchberg, 3. Weissenhorn , 4. Gundelfingen. Auf dem Schild drei Helme: I. Helfenstein, II. Fugger, III. Kirchberg ++). Die Decken sind r., s., b., g. und #, s.

Geschichte der Fugger

Fugger advenit

Im vierzehnten Jahrhundert zog es viele Menschen unter dem Motto „Stadtluft macht frei“ in die Städte. Bauern und Handwerker strömten zu Hunderten in die Ballungsgebiete in der Hoffnung, dort ein besseres Leben zu führen. Im Jahre 1367 zog der freie Grabener Weber Hans Fugger aus dem gleichen Antrieb heraus nach Augsburg, was das Augsburger Steuerbuch mit „Fucker advenit“ lat. für Fucker/Fugger ist angekommen) kommentierte[5]. Er hatte es nicht leicht, denn es gab schon viele Weber in Augsburg, jedoch wurde er 1386 zum ersten Zunft-Meister der Weber in Augsburg.


Teilung

Hans Fugger hatte zwei Söhne:

  • Jakob den Alten, den Stammvater der Fugger von der Lilie
  • Andreas, den Stammvater der Fugger vom Reh

Jakob der Alte baute die Weberei weiter aus, ging dabei jedoch langsam und vorsichtig vor. Sein Bruder Andreas hingegen trennte sich von dem Geschäft seines Vaters und wechselte den Beruf. Er wurde Kaufmann. So erlangte er früh, im Vergleich zu seinem Bruder, großen Reichtum, den sein Sohn Lukas später sogar noch ausbaute. Lukas bekam ein Wappen verliehen; so sollte die Linie, der er entstammte, fortan „vom Reh“ heißen. Doch die schnelle Expansion überanstrengte Lukas und seine Brüder, sodass ihr Unternehmen nach vielen Fehlentscheidungen alles verlor.

Aufstieg der Fugger von der Lilie

Jakob der Alte konnte seinen Söhnen zwar nicht annähernd ein so großes Vermögen wie Andreas hinterlassen, jedoch hatte er ein stabiles Weberunternehmen und einen bescheidenen Handel aufgebaut. Nach Jakobs Tod 1469 trat Ulrich Fugger dessen Nachfolge an. Nach einer langsamen, aber erfolgreichen Vergrößerung des Handelsnetzes war ihr Name zwar noch lange keiner der ganz großen, aber unter den Augsburger Händlern auch kein unbekannter. 1473 wurde dies von Kaiser Friedrich III. durch die Verleihung eines Wappens an die Söhne Jakobs des Alten anerkannt. Mit dem Abwickeln des römischen Ablasshandels 1476 sowie der Unterstützung Maximilians I. 1483 in Holland erschlossen die Fugger zwei große, aber auch riskante Geschäftszweige. Der Ablasshandel sollte sie später in Probleme mit den Protestanten bringen, und der Handel mit Habsburg barg die Gefahr der Verpflichtung gegenüber dem Erzhaus.

Jakob der Reiche

Der jüngste Sohn Jakobs des Alten, Jakob der Reiche, lernte – erst für ein geistliches Amt bestimmt, während seine Brüder mit Ulrich an der Spitze die Geschäfte führten – an verschiedenen Orten die Aufgaben eines Kaufmanns kennen. Nach seiner Lehrzeit in Venedig holte ihn sein Bruder Ulrich jedoch nach Augsburg zurück, da dieser zur Abwicklung der Geschäfte der wachsenden Gesellschaft seiner Hilfe bedurfte und das Einstellen familienfremder Mitarbeiter in Führungskreise nicht in Frage kam. Binnen weniger Jahre änderte sich die Vorgehensweise der Firma, wodurch sie noch erfolgreicher wurde und 1484 eine eigene Kammer im Deutschen Handelshaus zu Venedig bekam. Für uns heute stellt sich die Frage, ob „das Verdienst an dieser Auszeichnung wirklich dem ältesten der Fuggerbrüder“ (Götz von Pölnitz: Die Fugger. S. 57 [6]) gebührte oder ob es nicht Jakob gewesen war, der seit einiger Zeit die großen Erfolge der Firma verbuchte.

Neben dem Ausbau des Handels mit Wolle, Seide, Barchent (ein Mischgewebe aus Baumwolle auf Leinenkette) und Spezereien wurde in Kooperation mit der Firma Auer und Metzler der Familie Thurzo in Ungarn in den Bergbau investiert. Hierzu wurden Bergwerke gepachtet, diese durch deutsche Spezialisten modernisiert und dann die Metalle über den eigenen Handelsweg nach Augsburg gebracht, um die Edelmetalle von dort aus besonders an Münzpräger zu liefern.

Mit dem zum großen Teil aus dem Handels- und Montangeschäft (Bergbau) verdienten Geld half die Fugger-Gesellschaft, an deren Spitze sich schon bald Jakob der Reiche behaupten konnte, vermehrt dem deutschen König Maximilian I. aus dem Hause Habsburg. So half die Gesellschaft Maximilian I. z. B. bei der Übernahme Tirols 1490, der Hochzeit mit Bianca Maria Sforza 1494 oder der Finanzierung des italienischen Kriegs 1496. Im Ausgleich half der König den Fuggern, indem er Gesetze zu ihren Gunsten änderte oder schrieb und ihnen Handelsprivilegien erteilte. Im Jahre 1505 verstärkten sich außerdem die Beziehungen zum Papst, indem die Fugger ihm Geld zur Anwerbung der ersten Schweizergarde liehen.

Mit dem Tode Ulrich Fuggers 1510 fielen nun alle großen Entscheidungen Jakob zu. Daraus entstand 1512 die monarchische Organisation der Firma. Eine der größten und berühmtesten Investitionen Jakob Fuggers war 1519 die Finanzierung der Königswahl Karls V. (vorher Karl I. von Spanien). Die Fugger brachten zur Bestechung der Kurfürsten des Reiches, die den Kaiser wählten, insgesamt 852.000 Gulden Kredit zusammen; zur Tilgung dieser Schulden wurde 1521 beim Reichstag zu Worms (1521)|Wormser Reichstag ein Vertrag abgeschlossen.

Die letzten vier Lebensjahre Jakobs wurden von Aufständen in den fuggerschen Bergwerken in Ungarn, Unruhen gegen die Fugger in Augsburg selbst und von Monopolklagen gegen die Fugger für Jakob überschattet. Doch auch in seinen letzten Lebensjahren behauptete er sich gegen seine Gegner und leitete auch weiterhin die Geschicke der Firma mit viel Erfolg. Die Aufstände schlug er nieder und auch die Klagen konnte er mit Hilfe Karls V. zurückweisen. Für Letzteren resultierten daraus weitere Kredite der Fugger, die unter anderem zur Finanzierung des Krieges bei Pavia in Italien benötigt wurden, der dank des Geldes Fuggers siegreich war.

Anton

Im Jahre 1525 starb Jakob der Reiche. Dadurch erbte sein Neffe Anton, der Sohn Georg Fuggers, der Bruder Jakobs, eine Gesellschaft, die in ihrem „politischen und wirtschaftlichen Einfluss […] den der Medici übertraf und allenfalls seinesgleichen in der Kapitalmacht der Rothschild“ (Hans Herzfeld: Geschichte in Gestalten) fand.

Ebenso wie Jakob war Anton ein begnadeter Kaufmann und „Florentinern der Zeit, die um das Dioskurenpaar von Handel und Herrschaft guten Bescheid wussten, galt dieser junge Mann […] als 'ein Fürst der Kaufleute' “ (Götz von Pölnitz: Die Fugger. S. 154[6]). So ist es auch nicht verwunderlich, dass Anton mit ähnlicher Energie und genauso viel Geschick die Geschäfte der Firma fortführte. Er pflegte nicht nur die Beziehungen zu Karl V., sondern half auch dessen Bruder Ferdinand I., der seit den mit seinem Bruder 1521/22 geschlossenen habsburgischen Teilungsverträgen die österreichischen Erblande sowie Tirol und Württemberg regierte, da auch Ferdinand I. sich, wie sein Bruder, oft in finanzieller Not befand. Die Firma stellte Karl V. immer wieder Geld zur Verfügung, da Feldzüge gegen die Türken und die Franzosen Unmengen an Geldern verschlangen, die Spanien nicht besaß. Als Sicherheiten und zur Tilgung wurden Fugger die Rechte an spanischen Quecksilber- und Zinnober-Bergwerken sowie Ländereien und Privilegien zuteil. Von Ferdinand I., dem die Firma auch oft und viel Geld lieh, um zum Beispiel dessen Erhebung zum König in Ungarn und Böhmen (hiermit wurde die spätere Monarchie Österreich-Ungarn begründet) oder die Soldaten zur Verteidigung gegen die Türken zu finanzieren, bekam Anton keine Gegenleistungen, natürlich musste Ferdinand I. ihm auch Zins und Tilgung zahlen, weiter reichte die Dankbarkeit jedoch nicht. Noch im selben Jahr der Königserhebung Ferdinands I. intrigierte Letzterer für Höchstetter im Quecksilberstreit in Spanien gegen die Fugger.

Als 1545 mit der Eröffnung des Trienter Konzils die Gegenreformation begann, griff die Gesellschaft zwar Karl V. finanziell unter die Arme, jedoch war der Katholik Anton stets um Frieden zwischen den Parteien bemüht. Nachdem Augsburg, das sich zum Protestantismus bekannt hatte, von Karl V. erobert worden war, half Fugger bei der Finanzierung der Kriegsschuld und stand für seine Heimatstadt ein, obwohl er einst aus der Stadt verwiesen worden war. Fugger musste trotz aller Bemühungen um Frieden seinerseits damit rechnen, dass seinem Handel durch den Krieg größere Schwächungen drohten. Darum versuchte er, sich durch große Kredite an Heinrich VIII. von England dort Rückhalt aufzubauen.

Konsolidierung

Nachdem Philipp II. die Nachfolge Karls V. angetreten hatte, entschloss sich Anton, die Firma langsam abzubauen und das Vermögen in Ländereien umzusetzen. Hierzu mögen ihn vielleicht auch Fehler von Firmenmitgliedern sowie Betrug in der Antwerpener Faktorei bewegt haben, da diese die Firma viel Geld kosteten.

Bis zu seinem Tode 1560 vermochte er es nicht, die Firma komplett aufzulösen, zu oft war er gezwungen, sich anderen Dingen zu widmen; vor allem den Geldwünschen Philipps II. Und es ist anzunehmen, dass er sich auch gar nicht hätte zurückziehen können: Dafür war er im Geiste zu sehr Kaufmann. Das äußert sich darin, dass er bis zu seinem Tode die Führung ähnlich wie sein Vorgänger Jakob nicht aus der Hand gab.

Bei seinem Tode hinterließ Anton Fugger seinen Nachfahren zahlreiche Ländereien und ein Vermögen von 5 Millionen Gulden.

Bis Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 ging die Blütezeit des fuggerschen Imperiums, das über ein Jahrhundert in der Politik und Wirtschaft Europas eine bedeutende Rolle gespielt hatte, endgültig vorüber.

Neuorientierung

Nach dem Tode Anton Fuggers 1560 orientierten sich die nachfolgenden Generationen bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts um. Nicht mehr der Handel und die Bankgeschäfte standen im Vordergrund, sondern man zog sich auf die Landgüter, die zur Zeit von Anton bereits erworben wurden, zurück und widmete sich einer adeligen Lebensweise. 1514 erhielt Jakob Fugger der Reiche bereits den persönlichen Reichsgrafenstand. 1530 erhielten seine Neffen Anton und Raymund den erblichen Reichsgrafenstand. Von diesem Titel machten aber erst die nachfolgenden Generationen zu Beginn des 17. Jahrhunderts Gebrauch. Durch glückliche Umstände konnten die Nachkommen von Raymund und Anton bis heute kleine Reste des Vermögens ihrer Vorfahren insbesondere in Grund und Boden erhalten.

Gegenwart

Noch heute leben direkte Nachfahren Jakob des Alten in Schwaben; auch gibt es heute noch die Fürst-Fugger-Privatbank KG in Augsburg, die sich in der Tradition Jakobs des Reichen und Anton Fuggers sieht. Die Fuggerei, als soziale Einrichtung zwischen 1514 und 1523 von Jakob dem Reichen erbaut, betreut noch heute mittellose Bürger für heute 0,88 Euro im Jahr sowie drei Gebete am Tag. Im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, wurde die Fuggerei in den Jahren nach dem Kriegsende vom Träger, den Fuggerschen Stiftungen unter Leitung von Joseph-Ernst Graf Fugger von Glött, dem damaligen Eigentümer vom Fuggerschloss Kirchheim/Schwaben, wieder aufgebaut. Noch heute werden die die Fuggerei umgebenden Tore pünktlich um 22:00 Uhr geschlossen, einen späteren Einlass gibt es dann nur noch gegen eine „Strafzahlung“ beim Wächter, die vor Mitternacht 0,50€ und nach Mitternacht 1€ beträgt.

Wichtige Familienmitglieder und -zweige

Die Hauptvertreter der Familie waren:

  • Hans Fugger (in Augsburg ab 1367–1408)

Weitere Persönlichkeiten:

Im 16. Jahrhundert teilten sich die Linien:

  • Fugger von Kirchberg und Weißenhorn (gräflich; im Mannesstamm erloschen)
  • Fugger von Glött (1913 bayerische Fürsten; im eigenen Stamm erloschen)
  • Fugger von Babenhausen (1803 Reichsfürsten)

Heute existieren von der Familie Fugger noch folgende Zweige:

Fugger vom Reh

Andreas Fugger

→ Hauptartikel: Andreas Fugger

Andreas Fugger gilt als Stammvater dieser Linie der Fugger. Zusammen mit seiner Frau Barbara Stammler vom Ast zog er neben fünf Töchtern vier Söhne – Jakob (* 1430), Lukas (* 1439), Matthäus (* 1442) und Hans (* 1443) – groß, die den Fortbestand der Linie sichern sollten. Der Name „vom Reh“ entstammt dem Symbol auf dem ersten Wappen der Familie, welches sie von Kaiser Friedrich verliehen bekamen. War Andreas noch ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann mit hohem Ansehen in Augsburg und weit darüber hinaus, begann doch schon in der nächsten Generation der Niedergang der Linie Fugger vom Reh.

Lukas Fugger

→ Hauptartikel: Lukas Fugger

Lukas I., ein Sohn des Andreas und Chef des Familienunternehmens, der zunächst sehr erfolgreich agierte und die Fugger vom Reh zu einer wahren Handelsmacht hatte werden lassen, übernahm sich bei Geschäften mit den Habsburgern und scheiterte schließlich an der Rückzahlungsweigerung Maximilians für ein Darlehen. Die gegebene Sicherheit in Form der Stadt Löwen erwies sich als wertlos, da er diese nicht zur Haftung zwingen konnte. Maximilian überspitzte dies, indem er Lukas und seine Nachfolger zu Titularkönigen von Atlantis erhob.

Ulrich Fugger

Nur wenige Angehörige der Familie Fugger vom Reh erlangten noch nach dem Bankrott der Familie Geltung. So wurde Ulrich Fugger (1524–1586), ein Enkel des Matthäus Fugger, Mitte des 16. Jahrhunderts Bürgermeister von Augsburg.

Hans Fugger

Besser als Lukas Fugger erging es auch dem jüngsten der vier Söhne des Andreas, Hans Fugger vom Reh. Er wurde bereits 1496 in die Dienste der Fugger von der Lilie, der letztlich erfolgreicheren Linie des Hauses Fugger, übernommen und gelangte zu Ansehen, u. a. wurde er schon 1494 Gassenhauptmann in Nürnberg. Er starb 1503 in der Fuggerau, einer Bleihütte in Arnoldstein.

Gastel Fugger

Der älteste Sohn des Hans, Gastel (1475–1539), war ebenfalls als Kaufmann in Diensten der Fugger von der Lilie, er kam durchaus zu Wohlstand und war ein stolzer Mann. Im Jahre 1529 wurden Gastel Fugger und seine Familie in den erblichen Adelsstand erhoben, das Wappen der Fugger vom Reh wurde mit einer goldenen Krone und einem Bügelhelm, den heraldischen Zeichen des Adels, versehen. Gastel Fugger vom Reh starb im Jahre 1539.

Wolfgang Fugger

Von seinen Kindern tat sich besonders Wolfgang Fugger hervor. Er lebte von 1519/20 bis 1568, war verheiratet mit Margaretha Tetzel und hatte elf Kinder.

Wolfgang Fugger war ein ausgezeichneter „Schreibmeister“, u. a. brachte er im Eigenverlag in Nürnberg eine der frühesten gedruckten Schreibvorlagen heraus, was ihn bekannt machte und ihm Ansehen verschaffte. Im Jahre 1547 erhielt er eine Adelsbestätigung.

Johann Christoph Fugger

→ Hauptartikel Johann Christoph Fugger

Schon 65 Jahre später jedoch starb diese Linie mit dem Tode des Johann Christoph Fugger aus. Dieser Sohn des Wolfgang Fugger brachte es unter anderem als Kanzleischreiber und „Registrant“ am kaiserlichen Hof in Prag zu hohem Ansehen. Im Jahre 1594 erhielt auch er eine Adelsbestätigung (rittermäßiger Adelsstand), verbunden mit weiteren Privilegien.

Nach 1612 wurden die Fugger vom Reh dann nur noch durch die Nachkommen des Matthäus repräsentiert, alle anderen Linien der Familie waren inzwischen erloschen. Sebastian Fugger stand in Breslau und Neiße als Kaufmann und Kämmerer in den Diensten der Fugger von der Lilie, sein Sohn Andreas und sein Enkel Georg Raymund kamen als Grubenbesitzer in Schlesien noch zu gewissem Wohlstand, ehe Georg Raymund Ende des 16. Jahrhunderts bankrott machte und die Familie in die (geschichtliche) Bedeutungslosigkeit versank.

Sebastian Fugger

Sebastian Fugger war der erstgeborene Sohn des Matthäus Fugger. Er wurde 1470/72 in Augsburg geboren und ließ sich um das Jahr 1500 als Kaufmann in Breslau nieder. Er stand in den Diensten der Fugger von der Lilie und war später (1509) auch als Kämmerer in Neiße tätig. Er heiratete eine Frau aus Breslau und hatte mehrere Kinder mit ihr. Sebastian verstarb in Breslau.

Andreas Wilhelm Hieronimus Fugger

Dieser Sohn des Sebastian machte eine erstaunliche Karriere. Er war Bergwerkskaufmann und Grubenbesitzer in Breslau, Oppeln und Reichenstein. 1542 heiratete er Helene Berisch aus Reichenstein, mit der er fünf Kinder hatte. Wohl aufgrund seiner geschäftlichen Erfolge und kaufmännischen Tüchtigkeit wurde Andreas Fugger im Jahre 1547 in den Reichsadelstand erhoben und sein Wappen gebessert. Andreas lebte von 1507 bis 1573.

Georg Wilhelm Sebastian Raymund Fugger

Georg Raymund (so sein Rufname) Fugger war ein Sohn des Andreas Wilhelm Hieronimus. Er wurde im Jahre 1547 geboren. 1581 heiratete er Ursula Maria Benedictina von Stercz aus schlesischem Uradel. Zunächst war er, wie sein Vater, Grubenbesitzer, scheiterte aber später mit seinen Bergbauaktivitäten und ging bankrott. Zuvor bekam er im Jahre 1594, gemeinsam mit zwei Vettern, eine Bestätigung seines rittermäßigen Adelstandes sowie die sogenannte "Rote Wachsfreiheit", ein besonderes kaiserliches Privileg, das die Benutzung von rotem Wachs beim Siegeln gestattete. Georg Raymund hatte fünf Kinder; seine Nachkommen lebten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Schlesien.

Fugger von der Lilie

Jakob Fugger „der Reiche“

Jakob Fugger 1459–1525
(von Albrecht Dürer um 1519)

→ Hauptartikel: Jakob Fugger

Jakob Fugger der Reiche wurde am 6. März 1459 in Augsburg als Sohn Jakobs des Alten Fuggers geboren. Nach einer klerikalen Ausbildung wurde er von seinem älteren Bruder Ulrich, der den väterlichen Betrieb übernommen hatte, 1478 zur dortigen Mithilfe gebeten.

Von Jakob Fugger dem Reichen wurde von 1514 bis 1523 die Augsburger Fuggerei – die erste Sozialsiedlung der Welt – erbaut.

Durch den Einstieg in den Montanhandel und den Ausbau des bestehenden Handels mit verschiedenen Textilien und anderen Gütern erwirtschaftete der Betrieb unter seiner Leitung ein Vermögen, mit welchem er u. a. den Italienfeldzug von Maximilian I. ermöglichte und später Karl V. von Spanien Bestechungsgelder in Höhe von über 500.000 Gulden für dessen Wahl zum Kaiser im Jahre 1519 als Kredit gewährte. Dadurch wurde das Familienunternehmen zu dem größten Bankhaus seiner Zeit. Bis heute ist kein Vermögen mit Ausnahme des der Rothschilds mit dem der Fugger zu vergleichen.

Jakob der Reiche starb am 30. Dezember 1525 in Augsburg.

Anton Fugger

→ Hauptartikel: Anton Fugger

Nach dem Tode Jakob des Reichen übernahm dessen Neffe Anton Fugger (geboren am 10. Juni 1493 in Augsburg) das Familienunternehmen. Mit gleichem Geschick und einem ebenso guten Blick für wirtschaftliche und politische Zusammenhänge wie sein Onkel setzte Anton die Geschäfte der Firma fort. Er tätigte, wie sein Onkel auch, Geschäfte mit den Habsburgern Karl V. und Ferdinand I., gewährte aber auch den englischen Königen Heinrich VIII. und Eduard VI. Kredite.

Durch die Kredite und Altschulden von Philipp II. von Spanien verlor die Gesellschaft viel Geld, da die Könige zahlungsunfähig waren. Dies und anderes bewegte wohl Anton dazu, sich langsam aus dem Geschäft zurückzuziehen. Zur Sicherung des Vermögens kaufte er große Ländereien auf.

Anton Fugger starb am 14. September 1560 in Augsburg.

Die Fugger in der populären Kultur

Über die Fugger sind zahlreiche populäre Sachbücher erschienen. Auch mehrere historische Romane beziehen Handlungselemente aus dem Leben der Kaufmannsfamilie, neuere Werke sind Tanja Kinkels Die Puppenspieler, Thomas R. P. Mielkes Gold für den Kaiser, Peter Dempfs Das Amulett der Fuggerin und Roman Kessings Der Spion der Fugger.

1982 und 1983 strahlte die ARD die sechsteilige Fernsehserie Vom Webstuhl zur Weltmacht über den Aufstieg der Fugger aus, die auf Günter Oggers Buch Kauf Dir einen Kaiser beruhte.

Die erfolgreiche Wirtschaftssimulation Die Fugger bezieht sich in ihrem Namen auf die Familie. Nach dem Original 1988 erschien 1996 Die Fugger II. Nicht zuletzt wegen eines Streits um die Namensrechte seitens der Familie Fugger ist das Computerspiel nicht mehr im Handel erhältlich. Der Nachfolger des Spiels ist seit dem Rechtsstreit unter dem Namen Die Gilde vertrieben worden.

Noch heute ist der Begriff Fuggergeschäft in Südwestdeutschland weit verbreitet.

Auch im Roman Eine Billion Dollar von Andreas Eschbach spielt die Familie Fugger, insbesondere Jakob der Reiche, eine Rolle.

Siehe auch

Literatur

  • Martin Kluger (Augsburg): Die Fugger. Die deutschen Medici in und um Augsburg. context medien und verlag, Augsburg 2009, ISBN 978-3-939645-13-9.
  • Günter Ogger: Kauf dir einen Kaiser. Die Geschichte der Fugger. 17. Auflage. Droemer Knaur, München 1995, ISBN 3-426-03613-4.
  • Hans Herzfeld (Hrsg.): Geschichte in Gestalten. Band 2: F–K, Fischer Taschenbuch, Frankfurt a. M. 1980, ISBN 3-596-24525-7.
  • Martha Schad: Die Frauen des Hauses Fugger. 2. Auflage. Piper Verlag, München 2004, ISBN 3-492-23818-1.
  • Otto Nübel: Pompejus Occo 1483–1537. Fuggerfaktor in Amsterdam. XI, Mohr, Tübingen 1972, ISBN 3-16-833941-5 (Schwäbische Forschungsgemeinschaft bei der Kommission für Bayerische Landesgeschichte, Band 15; Studien zur Fuggergeschichte, Band 24).
  • Peter Garski: Das Fuggerei-Phantom. A-Crime, Augsburg 2005, ISBN 3-923914-62-8.
  • Mark Häberlein: Die Fugger. Geschichte einer Augsburger Familie (1367–1650). Kohlhammer, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-17-018472-5.
  • Marianne Fugger, Markus Fugger: Genealogie des Hauses Fugger vom Reh. 1 Auflage. Wißner-Verlag, Augsburg 2007, ISBN 978-3-89639-631-0.
  • Christian Meyer, Carl von Landmann: Fugger. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 8, Duncker & Humblot, Leipzig 1878, S. 179–185.

Weblinks

 Commons: Fugger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Man findet auch die Lilien nicht gesät, sondern so dass ihrer nur fünf, und zwar 2, 1. auf dem obern u. 2. auf dem untern Rock sind.
  2. Über die Entstehung dieser Panner, sowie über den Hauptschild des "Wappens u. Helm III. habe ich bereits ausführliche Nachricht gegeben bei den Wappen der Städte etc. S. 1. T. 2.
  3. *) In neueren Abbildungen wird der Pfahl roth und die Sparren gold gemalt, was heraldisch weniger gut als der umgekehrte Fall sein dürfte (s. bayer. Adel S. 11, T. 5, - Daselbst auch das Wappen der Linie Fugger Hoheneck)
  4. Diese Linie war die erste, welche sich im Altbayerischen (mit oben genannten Gütern) durch Hans Jakob Fugger 1565 ansässig machte.
  5. Fugger.de: Geschichte
  6. 6,0 6,1 Götz von Pölnitz: Die Fugger. Verlag Heinrich Scheffler, Frankfurt a. M. 1960.

Quellenhinweis

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